Thursday, January 16, 2014

SMOTHERED - The Inevitable End - Cd / Soulseller Records



Es ist schon eine Crux, die Sachen mit der Sozialisation. Die Kernaussage heißt immer; Umgang formt den Menschen, und als gleichgewichtssuchender Windelkacker, kannst du dir das dich bestimmende Umfeld nun mal nicht aussuchen. Und wenn Vater säuft und Mutter hurt, dann wird aus dir trotz all deiner versteckten Talente auch nur ein daueralkoholisierter Hurenbock. Und wenn du dein erstes großes Geschäft auf der Rückbank einer S Klasse ins Krokodilleder drücken kannst, dann rate mal, in welches Fahrzeug du später dein Duftbäumchen hängst. So funktioniert Leben nun mal, unten ist unten und oben oben. Wer was anderes erzählt, ist von irgendeinem Meinungsforschungsinstitut im Auftrag fröhlich debiler Politclowns unterwegs, oder vom Privatfernsehen. Fasst man das Thema etwas weiter, wird fix deutlich, dass die Gesetzmäßigkeit der sozialen Eigenfindung immer fremdbestimmt bleibt, von tatsächlich existierenden aber statistisch zu negierenden Ausnahmen mal abgesehen. Mutter bestimmt was gegessen wird und schmeckt, Häuser  und Wohnungen bestimmen das Umfeld für individuelles Wohlfühlen, Kommunen das Trinkverhalten in der Bushaltestelle und Regionen den kulturellen Kolorit Heranwachsender. Da kannst du strampeln und der allerfitteste Kanalschwimmer diesseits der Pfütze sein, der Sog der Realität schluckt jeden. Ob das nun immer zum Nachteil gereicht, oder ständig von Ungerechtigkeit gesprochen werden muss, ist zumindest diskussionswürdig. Blicken wir doch nur mal nach Schweden und seinen Stahl, und damit ist nicht von Volvo die Rede. Mit welcher Erwartungshaltung geht ihr an eine schwedische Death Metal Band heran, wenn ihr zudem noch ein Vögelchen von Old School Attitüde habt trällern hören? Und warum?  Weil auch die nicht anders können. Als die zukünftigen Musiker in der Familienküche an Mutters Zitze nuckelten, haben sie die bleibelastete Milch schon in ihre winzigen Körper verklappt, ohne eine eigene Wahl zu haben. Vater glotzt ständig Horrorfilme und hört nagelneue Scheiben von Dismember und Entombed. Was bitte bleibt da an Spielraum, die eigene musikalische Zukunft innerhalb des Death Metal selbst zu gestalten! Es ist eine Crux mit der Sozialisation; verschwenden wir hier Talente, oder fördern wir sie. Bricht aus dem Nachwuchs zu wenig hervor oder leben die sich jetzt erst richtig aus. Im Falle SMOTHERED stellt sich die Frage ernstlich. Ohne es jemals willentlich gesteuert zu haben, auch wenn sie das glauben mögen, komponieren sie Songs und intonieren sie auch so, als wollten sie den verwaisten Thron von Dismember für sich beanspruchen. Reichhaltiges und großartig intoniertes Melodiegut und zahlreiche griffige Midtemporiffs dominieren ein Füllhorn an morbiden Ideen. Ideen, die keinen Deut vom Vorbild abweichen, handwerklich ungemein gefestigt sind und allerhöchstens einige Entombed – Hooks zulassen. Aus Zeiten bevor die Band den Blues gefunden hat. Über die Produktion müssen wir dabei gar nicht reden, wie das zu klingen hat, weiß jeder. Es ist schnell klar, dass die Truppe aus Schweden ihr eigenes Metier aus dem FF beherrscht, dass Aussetzer in einem durchgestylten und sorgsam konstruierten Album keinen Platz haben und dass sie auf ihren Instrumenten reiten, als hätten sie nie was anderes gemacht. Haben sie wahrscheinlich auch nicht.

Schnell verliert man dabei eines aus den Augen, dass was junge Bands heute mehr oder weniger straff nach ihren Helden konstruieren, haben die sich damals selbst einfallen lassen und beigebracht. Somit geht der Punkt für spontane Umsetzungen von Bauchgefühlen und Innovation eindeutig an die Altherrenrunde! Und daher kommt auch ein wohl nicht ganz unberechtigtes Gegenargument; was ist wenn die vorprogrammierte Identitätskrise aus dem Verborgenen zuschlägt und mächtig Kopfschmerz verursacht. Denn eine eigene Identität kann man der Band durchaus absprechen, weil eben keine Eigenanstrengungen zu erkennen sind, dem vorgegebenen Pfad auch nur mal versuchsweise zu verlassen. SMOTHERED ist so was wie ein Ideen – Klone, einer der in der Umsetzung überhaupt keine Schwierigkeiten hat. Nur kommt vielleicht irgendwann mal der Punkt, an dem die Leute satt von 1000 Bands ähnlicher Staffage sind und es keinen Weg mehr zurück gibt. Was dann? 

Dies ist kein Versuch, die Band madig zu machen. Das ist der Tatsache geschuldet, dass es trotz solcher Kritikpunkte riesig Spaß macht, den Jungs zuzuhören, schließlich liebe ich derart Musik. Und ich glaube auch erkennen zu können, dass Eintagsfliegen unruhiger flattern, als die sehr souverän holzenden SMOTHERTED.  Es ist halt eine Crux mit der Sozialisation, können ja nichts dafür, dass sie in ihrem gruseligen Koitus mit der Musik der Ergrauten so gut geworden sind. Also genießen wir den Moment, bevor die Götterdämmerung zu Ende ist und wir alle mit Nintendocore abgestraft werden!

7/10

No comments:

Post a Comment