Sunday, January 19, 2014

MONSTER - Demo 2013 - Selbstaufgewacht



Kann sein dass die Reizübertragung höherer Gedankengänge durch Verlegung bestimmter Synapsen aufgrund dementieller Stolperer in eine bis dahin nicht erwartete und auch irgendwie befremdlich falsche Bahn gelenkt wurde, aber nachdem das Monsterdemo aurikulare Verzückung ausgelöst hat, entstand ein winziges Wurmloch zwischen linker und rechter Hemisphäre, alles machte urplötzlich ringelingedingdeling und ich musste an den Spitzbart denken. Tief verankert in meiner pränatalen Epoche ist der Satz des einstigen Staatsratsvorsitzenden, des Pantoffelkönigs und Vasallen des Wodkabruders aus dem Reich des Bären, des kugelrunden Sportfreundes Walter Ulbricht. Klar, den kennen nur noch die, die mittlerweile auch Rückenschmerzen kennen und ihre Herkunft auf die bananenfreie Krise zurückführen. Aber der hat der Volkskammer ins Mikro genuschelt; „Ist es denn wirklich so, dass wir jeden Dreck, der vom Westen kommt kopieren müssen? Ich denke Genossen, mit der Monotonie des yeah, yeah, yeah und wie das alles heißt, ja, sollte man doch Schluss machen.“ Nun am Ende war die Entwicklung der Jugendtanzmusik in der schönen DDR bekanntlich eine andere, denn die Jugend hat sich seinerzeit weniger für Singeclubs begeistern lassen, als für subversive Klangfolgen vom Klassenfeind. Und die waren gemessen an heutigen Musikexzessen wohl als eher harmlos zu betrachten. Angeleinte Sofahunde die, wenn sie erst mal unter der Dusche waren, zum kuscheln verführten. Nun stelle man sich vor, der einst tatsächlich kreuzgefährliche und despotische Staatslenker purzelte noch mal zu einer Stipvisite aus seinem  modrigen Erdloch. Was würde ihm angesichts aktuellen Kulturverständnisses blühen? Wo ist nur der Lipsi hin, ach du voller Eimer, das untote Herz bettelt nach Verkalkung. Die kriegstreiberische Verachtung aller friedliebenden Völker läge wie ein offenes Buch vor ihm, wenn zum Beispiel MONSTER aus dem Lande der Ostfriesen seine Totenruhe stören würden. Purer Schrecken rückte ihm die Tischtennisplatte auf seine Datsche gerade, angesichts des gelebten und besungenen Defätismus eines geschichtlich zum Untergang bestimmten, maroden Systems. Ein Sachkundiger hätte ihm die hilfreiche Erklärungen zu Ursprüngen und Spielweise der wohl auch nicht mehr ganz so jungen Musiker geben können, aber dafür, einmal aus der muggeligen Wärme erdiger Verrottung entrissen und ins eisige Wasser des 21. Jahrhunderts geworfen, hätte er kein Ohr gehabt. Vielleicht wäre ihn klar geworden, dass die Anhänger ebensolcher Beatmusik neben dem ganzen Alkoholmissbrauch auch recht kluge Köpfchen sind, dann müsste er im Umkehrschluss der Beatmusik einen noch rigoroseren Riegel vorschieben. Er hätte gar nicht gehört, dass diese Musik jahrzehntelange Tradition hat, schon lange Teil einer randwärts geneigten Jugendkultur ist, die mit ihr gealtert ist. Dass es Vorreiterbands mit politisch kaum konformen Aussagen gibt, die das System der sozialistischen Bruderliebe auseinandernehmen wie der Schlachter die Sau auf der Leiter. Dass es heute immer wieder Leute gibt, die den Faden wieder aufnehmen und dabei verdammt gut sind. Der sensible Berater würde ihm von Bands wie Slayer, Exodus berichten, am Rande eine Ausflug durch den deutschen Pott – Thrash machen, wohl aber auch die Kernaussage des Death Metal eher nordischer Prägung nahe bringen. Und wie sich ebenjene Musik durch nunmehr Generationen zieht und Dinge hervorbringt, die nicht mehr aufzuhalten sind. Wahre MONSTER eben. Natürlich würde ihm das rotte Kinn aus der Fassung kippen, würde er hören und fühlen, wie eine E-Gitarre heute klingt und was sich ein Sänger unter Gesang vorstellt. Aber er käme auch nicht umhin, sich geronnenes Blut aus den immerwachen Spiongetrichtern zu wischen, denn mit so viel Brutalität kann niemand in einer Tanzkapelle rechnen. Aber tanzen die da eigentlich, das mit dem 1-2 – Tip ging zu seiner Zeit wesentlich anders. MONSTER würden den Arbeiterklassenzombie auf jeden Fall beeindrucken, wenn auch nicht ganz klar wäre, wohin ´das führen würde. Und auch wenn er die Begriffe nicht kennt, würde er der Band einen ungemein forschen Drive attestieren, würde die markanten Hooks loben und das lockere und dennoch durchdachte Songwriting zu ehren wissen. Es ist nicht schwer eine Verbindung zu partiell skandinavischem Death Metal zu ziehen, die trockene Herangehensweise an das Thema zu erkennen, den Vorzug den die Effektivität eines Midtemporiffs bietet zu honorieren und das alles mit der Struktur echter Thrash Heroen in die richtige Relation zu rücken. MONSTER lieben es, Slayer – Riffs zu spielen, denen steht dabei bestimmt ein breites Grinsen in den unterkühlten nordischen Gesichtern. Wenn der alte Ulbricht das auch nicht hätte verarbeiten können, ohne ernsthaft mit seiner bisherigen Karriere in Klausur zu gehen, wäre ihm doch eines offenbart worden. Geschichte wird von Siegern geschrieben, und er gehört nicht dazu. Wohl aber MONSTER aus Aurich, eine vielversprechende Band die zukünftig mehr bügeln dürfte als nur das platte Land. Genug Songs liegen auf Halde, um dieses Jahr ein volles Album nachzuschieben. Und darauf sollten sich alle Lebenden wirklich freuen. Die Toten schicken wir lieber wieder in die Umarmung ihrer verdienten Vergessenheit und ich gehe morgen zum Arzt und lass das mit den losen Isolierstellen mal löten.

P.S.: das 3 Song Demo gibt es hier für umme:



8/10

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