Monday, January 20, 2014

LVCIFYRE - Svn Eater - Cd / Dark Descent Records



Ich hab´s gewusst, Britannien hat eine schwarze Seite, die haben in ihrer Herrscherriege nicht nur harmlose Randgestalten der Geschichte wie Heinrich VIII, Jack The Ripper, Margaret Thatcher,  den Sherriff von Notingham und Elton John. Nicht nur Waisenknaben (und Dame) die mit Härte regierten und mit Blut entlohnten, sondern auch echt schlimme Finger. Solche die der heiligen Mutter der anglikanischen Kirche das Kreuz im Altarraum auf links wenden. Solche die die hohe Stunde des 5 Uhr Tees niemals mit ihrer Anwesenheit krönen würden, die die Zeitung lieber lesen, als ranzigen Fisch und Pommes mit Essig drin einzubalsamieren. Ich rede von einer Band, eher einem internationalen Konsortium, einem gelebten Europa, gegen das sich das Königreich seit jeher sperrt - Polen, Portugal, Zypern und Britannien, so lautet die wahre EU Formel im metallischen Mikrokosmos  - die eine immens düstere Atmosphäre, gleich eines nebligen Pesthauches durch den Londoner Dungeon schickt. LVCIFYRE trommeln schon ein Weilchen, waren aber noch nie so stark und vereinnahmend wie heute. Die stellen sich so bitterböse und diabolisch auf, dass nirgendwo mehr Platz für auch den mutigsten Lichtstrahl bleibt, die sind das Bild hinter dem Spiegel, das Monster unter dem Bett, deren Schatten erzeugen eigene Schatten. Die sind Chuck Norris! Das musikalische Schwarzdenken kann für Lebensteilnehmer in vakanten Altersstufen und sensiblen Kulturkreisen tatsächlich zu ernsthaften Schädigungen, traumatischen Folgen führen. Schon der Beginn des Albums genügt, um Frischmilch flockig zu machen, blinde Augen auf der Oberfläche tanzen zu lassen. Ein teuflisches Höllenszenario in gruseligster Doom – Tradition , das aus reinem Fluchtreflex dazu verleitet, schon vor 10.00 Uhr eine Runkel Selbstgebrannten an den Schlund zu halten. Darauffolgend geht es meist mit irrwitzigen Blastgeschichten weiter. Der reine Knüppel aus dem Sack, der Dämonen weckt, alte Götter reanimiert, Ungeheuerlichkeiten aus den Tiefen schwarzer Ozeane holt. Immer voran das unglaubliche Organ von T. Kaos, das seinem selbstgestrickten Pseudonym alle Ehre macht. Sollte der mit dieser Intensität von einer Kanzel propagieren, würde der Heiland blutrote Tränen heulen und die Jungfrau darauf bestehen, dass man ihr das gewisse Häutchen wieder einklebt. Wahrscheinlich würde sie die Sache mit der unbefleckten Empfängnis noch mal überdenken und ein anderes Labor suchen. Der Meister hat tatsächlich eine Stimme, die das Grauen in sich birgt und nicht besser zu solch dunkelschwarzer Musik passen könnte. Ich muss da immer wieder an Nile denken, aber LVCIFYRE graben viel tiefer als nur in den eingeweckten Eingeweiden von Ägyptern und Sumerern. Der Band gelingt es, eine Präsenz auf Scheibe zu zwingen, die wohl wirklich nichts mit göttlicher Fügung zu tun hat, sondern dem Leibhaftigen mit spitzer Zunge mehr Anerkennung aus dem Rektum schleckt, als es die meisten anderen überhaupt für möglich halten. Zwischen und unter den Stücken und den gebetsmühlenartigen Vokals aus dem Abyss tummeln sich immer wieder Szenen aus dem Purgatorium, damit gelingt es der Band, eine absolut authentische Stimmung zu erzeugen. Irgendwo zwischen der puren Essenz aus Death und Black Metal und John Sinclair Hörspielen. Schrille Leadsolis nach Slayer Art hetzen wutverzerrt über den Set und der Drummer steht mit jedem Anschlag einen Schritt näher vor der Not – Op am offenen Herzen. Die Riffs klingen bei jeder Geschwindigkeit bitterböse und schwer. Wenn Musik einen ernsthaft negativen Eindruck hinterlässt und das so gewollt ist, weil es der Vorstellung eines umgekehrten Unterhaltungswertes entspricht, dann treibt es die bunt gewürfelte Truppe aus Exileuropäern auf die Spitze. Als ich sie zu Anfang ihrer Karriere gehört habe, hätte ich die heute nicht da gesehen, wo sie offensichtlich hingehören. In die Leibgarde des Ziegenfußes, der verwöhnten Brut auf der Erde die Möbel gerade ziehen. Die Schergen des Abgrundes  selbst verstehen sich trotz ihrer verschiedensten Nationalitäten und territorialen Differenzen viel mehr als Band, denn als Projekt. Selbst wenn sie nicht sehr oft gemeinsam auf der Bühne stehen. Diese Art von Einigkeit begründet sich auf die Interessen der Herren, auf die Einstellung zum Metal, die sie gemeinsam teilen und sich so scheinbar perfekt ergänzen. Mit solchen Voraussetzungen, und dem Wissen, was bei einer Gitarre oben ist, wer den Proberaumschlüssel am Ring trägt und wer diese Woche das Bier schleppen muss, ist es am Ende doch weniger überraschend, dass „Svn Eater“ so ein präsentes Ding geworden ist, als zu Beginn gedacht. Warum sie jedoch lieber v´s als u´s schreiben, driftet ins Reich der Spekulation ab. Entweder die haben sich ins Lateinische verschossen und üben mit Pseudowissen eine verschnarchte Sprache, oder aber die entsprechende Taste ist aus dem Keyboard geflüchtet, also nur ein Hardwarefehler. So oder so, bei jenen von euch, deren Schwellkörper anschlagen, wenn Metal ohne Humor auskommt und mit pechschwarzer Seele den Unrat in der christlichen Mythologie entsorgt , sollte die Scheibe interkranial problemlos einrasten und verweilen.

9/10

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