Tuesday, January 14, 2014

INFECTED OMNIPOTENCE - Global Infection - EP / VM Records




Hinterm großen Wasser, mitten in der Karibik, zwischen Hungersnot, Sommerstürmen und Touristenplagen, am Rande der Dominikanischen Republik, die irgendwie gar keine richtige zu sein scheint, macht sich Widerstand breit.  Widerstand gegen exotische Verklärung, kitschigen Strandurlaub und fälschliche Beschaulichkeit in bunten Katalogen. Auch dort wird jetzt und endgültig unkommerziell getrümmert, macht sich der Gott des Totmetalls auf, gekleidet in seinen strahlungssicheren Bleimantel, neues Territorium zu erobern. Mit kaum mäßiger Überzeugungskraft zwingt er seinen neuen Vasallen elektrisch manipulierte Äxte und Knüppel in die darauf  begierenden Pfoten, lässt ihnen das Haupthaar sprießen und setzt ihnen grimmige Mienen auf. Der Death Metal der Sommerinsel ist geboren und verdüstert das Tageslicht mit diabolischen Tönen und finsterer Präsenz. Um es den Neuankömmlingen im donnernden Abgrund hominider Gefühlswelten nicht allzu schwer zu machen, um ihnen den Kontakt mit all den Perversen, Abartigen und zittrigen Säufern, mit den Heerscharen der Ausgestoßenen als schnellst zu garantieren, pflanzt er ihnen eine Eingebung in die Köpfe, die den Anschluss spielend erleichtern sollte. VADER! Die frisch geschlüpfte Truppe probiert und werkelt nicht erst blauäugig und verkrampft an halbgaren Ideen, sondern steckt sich ein Ziel. Ein Ziel, das auch einen gewissen Anspruch an sich selbst voraussetzt. Die Reise der Insulaner weist viel mehr als nur polnische Parallelen auf und steht demzufolge näher an Vader, als das Original es selbst von sich behaupten kann. Geschuldet ist das nicht nur der sehr gelungenen Coverversion von „Wings“, die kaum vorhandene Zweifel pulverisiert, sondern stehen auch alle anderen Stücke geschlossen zu Alben wie „Black To The Blind“ oder „Litany“. Die Stabilität, die der dominikanische Klone zu vermitteln sucht, kann sich als beängstigend heraus stellen, wenn neben angestrebter musikalischer Perfektion, gar keine Eigeninitiative mehr übrig bleibt. Eigeninitiative auf primär individuelle Noten. Bei INFECTED OMNIPOTENCE ist alles Vader, und was nicht, das ist dann vielleicht Purgatory, was am Kern der gruseligen Geschichte wenig zu ändern in der Lage ist. Zwischen Blast und düsteren Arrangements, zwischen Wut und Härte findet sich kein Karibikspirit, sondern lediglich der schwarze europäische Totschläger, der Prügel, der alle Illusionen von Feingeist und Moderne aus dem Death Metal hämmert. Und von eben jenem haben sich die Inselstrolche den Allerwertesten blutig traktieren lassen, haben gar keine Chance noch eine Ahnung, welche Töne sie in den Eigenkompositionen sonst hätten anschlagen sollen. Es gibt nur eine Richtung, und die vertreten sie vehement, selbst wenn das bedeuten sollte, das die Vocals in 100 prozentiger Übereinstimmung mit Peter´s markantem Organ liegen, die Arrangements auf jeder polnischen Scheibe Platz finden würden. Einzig die Solis klingen manchmal etwas hohl, wie eine einsame Socke, verloren im Wäschetrockner. Ruft nach Hilfe, vermisst die löchrige Partnerschaft und artikuliert sich nicht zwingend überzeugend. Allem anderen mangelt es an der Klarheit der eigenen Existenz und nährt sich vom polnischen Übervater.
Am Ende ist das sicher nicht das Schlechteste, viel besser jedenfalls als mit lahmen Songs und taumeligem Engagement mit schlaffen Fahnen Salzwasser saufen zu gehen. Klar, wem die Stücke dieser Ep zum ersten mal unterkommen, der ist sich der Existenz der Band hinterm großen Teich, dort im kolumbianischen Amerika nicht bewusst, der tippt sofort auf die slawische Abrissfirma. Der glaubt nicht an einen so rigorosen und nahezu kackfrechen Ideendiebstahl. Nach mehreren Anläufen und intensiver Aufklärungsarbeit geht die Spendenmütze des Erstaunens aber zügig im Kreis und sammelt fleißig Anerkennungspunkte. Um den eigenen Namen zu profilieren, müssen sie sich schon selbst kümmern. Am Handwerk wird es letztendlich nicht liegen, weil die an den Saiten zupfen und die Felle gerben, als hätten sie nie etwas anderes getan.  Und wenn sie glauben, dass sie als Kopie der großen Vader Fuß fassen können, dann lass sie laufen. Lass sie schwitzen und den Leuten die Ohren schmalzfrei blasen. Denn das können sie tatsächlich, weshalb der Makel der fehlenden Identität hinten vom Laster fallen sollte. Spaß macht´s, umgesetzt ist es inhaltlich nach allen nichtexistierenden Regeln des Death Metal ohne künstlerischen Makel. Und was eigentlich spricht dagegen, Sachen vom Stapel zu treten, die man mit Leidenschaft verehrt, oder einfach vergöttert. Also haltet mal ein fleischigen Löffel an die Schablone, und das solange, bis ihr das Original vergessen habt! 


8/10


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