Tuesday, January 14, 2014

CUTTERRED FLESH - Dying in Pieces - Cd / Bizarre Leprous Prod.



CUTTERRED FLESH, das Maß an tschechischer Beständigkeit lässt uns auf ihrem neusten Album an stückweisem Sterben teilhaben und sorgen für eine Überraschung wie eine B52 über japanischem Territorium. Ich weiß, darüber macht man keine Scherze, und das habe ich auch gar nicht vor. Verabschiedet von netten und unaufgeregten Standards innerhalb der Bleigeschoßszene begrüßt sich die Band selbst wieder im brutalsten Genre Höchstselbst. Tatsächlich, und wie auch immer, haben sie alles was bisher so was wie belangloses Füllmaterial war, über die imaginäre Bordwand in die Wogen überflüssiger Existenzen gekippt und konzentrieren sich jetzt auf ein blutiges und beeindruckendes Kerngeschäft. Nach so vielen Jahren guter und bodenständiger Instrumentenvernichtung, kommen sie nun den lyrischen Inhalten, den kranken Geschichten, der Schauermär menschlicher Grobfantasie um einiges näher, weil sie bereit scheinen den eigenen musikalisch fgeknebeltenLeib zu strecken, zu peitschen und anderweitig lustvoll zu foltern. Soll heißen sie fordern sich endlich und erreichen ein Maß an musikalischer Brutalität, das in fast allen Bereichen stimmig ist. Und vor allem nicht monoton. Blastbeats rütteln den Verstand wach, Midtempoparts festigen den neu gewonnenen Status als hinterfotzige Schweinehunde, rocken das lose geknüpfte Gefüge wie eine routinierte Altherrenriege. Bässe erschüttern den losen Boden, auf dem sie zu verankern sich vorgenommen haben und Vocals leiern Stimmbänder bis über den Punkt ohne Wiederkehr aus. Die Hooks sind griffig, Riffs reißen Löcher in den zerebralen Putz, einzig die Solis gehen manchmal etwas verschütt. Das ist dann doch doof, denn wer genau hinhört, wem die Ohren noch nicht intensiv genug bluten, der bekommt nämlich viel beeindruckendes Geschick vorgespielt. Ansonsten passt alles leicht unterkühlt aber um Gefälligkeit und Härte bemüht zusammen wie Jack the Ripper und seine siffigen Skorbutnutten. Wie das geschliffenen Skalpell, das ungewaschenes Fleisch durchtrennt. Hier werden nicht Ideen zusammengekehrt und im Dreckeimer willkürlich durchgerührt, hier wird nicht lauwarm aufgekocht, was andere haben längst anbrennen lassen. Hier wird mit Hirn und Bauch gebaut! Natürlich spielt dabei die Erfahrung auch mit hinein, und die Tatsache, dass die Band bereit ist, einen Schritt weiter zu gehen und sich des Mittelmaßes zu entledigen, das so lange für eine stagnierenden Semibekanntheitsgrad verantwortlich war. Mit auf diese Weise gestärktem Rückgrat werden Freund amerikanischer Hackfleischorgien mit technischem Anspruch ihre reinste Freude haben, wenn ein Song wie „Ensalve The Dead“ erklingt, der mit seinem Güterbahnhofschaosrhythmus und der ausladenden Leadgitarre eine Wand in den Raum stellt. Eine Wand bei der ein T 34 schon mächtig Anlauf nehmen muss, um sie ihrer Standhaftigkeit zu berauben. Das darauffolgende „Punished Divinity“ ist ein zügelloser Hassbolzen, der sich wie ein tollwütiger Streuner durch diverse Tempovariablen bewegt und niemals seinen rohen Charme verliert. Hier hält die Leadgitarre mit gespielter Lockerheit die Tieftöner, inklusive Gesang zusammen, verknüpft markante Riffs und durchdrehende Drums. Einzig aus dem Rahmen fallend ist das Instrumental „Fragments Of Dying“, dass in Punkto Geschwindigkeit doch etwas dezenter daher kommt, dafür aber mit der düstersten Noten der kompletten Scheibe hausieren geht. Auch andere Stücke nehmen diesen Pfad gern mal wieder auf, steigern sich aber im Gegensatz immer wieder in wutentbrannte Raserei und suchen den Fokus einer technischen Leadgitarre, sowie ihrer unfreundlich nebenherkotzenden Rhythmusabteilung. Dying In Pieces sollte im Umkehrschluss bedeuten, dass die Band sich von Altlasten frei gemacht und den verbleibenden Teilen eine unglaubliche Frischzellenkur injiziert hat, das Monster mit eigenen Mitteln wiederbelebt und zum Laufen gebracht hat. Und dann findet sich in dem Sammelsurium an genutzten und polierten  Geschoßteilen eine Scheibe wieder, der man die angestrebte Abwechslung und ihre ungemeine Brutalität mit angegliederter dezenter Verspieltheit ohne weiteres abnimmt. So sollte kompromissloser Death Metal immer funktionieren, sollte das Publikum heißmangeln und plätten, sollte aufs heftigste am Fundament metallischer Schläfrigkeit rütteln und immer den eigenen Anspruch im Auge behalten. Auf diese Weise entsteht eine Scheibem die alles in ihrem schwärenden Wanst vergärt, dass ihr mit Vorliebe bereit seid, zu fressen und zu saufen. Düster, brutal, schnell, technisch  und vielleicht auch groovig. Sonst noch Fragen?

9/10

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