Tuesday, January 7, 2014

BONES - Sons Of Sleaze - Cd / Planet Metal



Wer sich mit der Death Metal Bewegung rund um Chicago auch nur rudimentär vertraut fühlt, ahnt wahrscheinlich, warum eine Band wie BONES nicht anders kann, als immer wieder dieselben alten Klamotten aufzutragen. Warum sie ihrem lyrischen Drang nach exzessiver Gewaltfantasie in unmusikalischer Form nachgeben müssen. Warum immer noch die gleichen verlotterten Zombies aus immer denselben dreckigen Gruften in die Nacht robben müssen. Warum aber gerade in dieser Region die Zeit so deutlich stehen geblieben ist und sich der amerikanische Death Metal von seiner hässlichsten und primitivsten Seite zeigt, bleibt schleierhaft und lässt sich auch nicht mit der Abwesenheit eines Herren Speckmann entschuldigen. BONES tun alles, um so billig und räudig wie irgend möglich zu klingen, musikalischer Tiefgang und kompositorische Finessen sind ihnen so gleichgültig wie oberelbische Wasserstandsmeldungen oder deutsche Skidesaster. Um ihr einzig gestecktes Ziel zu erreichen, das ultimative Rummelbudenbüchenkracheralbum in den Äther zu kotzen, sind ihnen alle Mittel recht. Wichtig nur, dass selbige so altbacken und verstaubt sind, wie die eigene Ideologie. Somit erwarten euch kaum inspirative Mondflüge, sondern nur ein primäres  Donnerwetter aus der Steinzeit, eingetrommelt in einer Beerdigungsgrotte für grobmotorische Musiker im Neandertal. Als dafür passend betrachtete und kaum behutsam ausgesuchte Elemente steht dem Trio eine krude Mischung aus erwähntem Chicago – Brülltod zur Verfügung, disharmonisch gepaart mit ranzigen Punkrhythmen und diversen Sludge – Einschlägen. Was im Grund nach keiner schlechten Waffenwahl klingt, um in eine längst verlorene Schlacht zu ziehen, wird von einem höhlenartigen Sound erschreckend deutlich karikiert und ad absurdum geführt, einem bröckligen Tieftöner, der alle vermuteten Ambitionen zur Hintertür hinaus scheucht. Die fetzigen Flitzesolis kommen noch recht gut an, mehr als ein panischer Aufschrei nach Erlösung aus dem irdenen Instrumentenelend ist das am Ende jedoch auch nicht.  BONES sind ja schon eine konsequente Truppe, weil sie an ihren scheppernden Bässen und der  in den Keller gestimmten Gitarre festhält, weil sie auf bleierne Schwere und in gewisser Weise schartig rockiger Attitüde setzen und eben nichts von modernen Dingen wissen wollen. Nur lassen sie viel zu viel unbeackertes Land achtlos liegen. Die hässliche Fratze rohen Umhermusizierens ist vordergründig einflussreicher als echte Musik mit echter Atmosphäre. Viel wichtiger ist es offensichtlich, einen zähen Brei in die Pressform zu zwingen, ihn klingen zulassen wie einen Klopapierausverkauf 3 Tage vor Weltuntergang. Ein Großteil des Albums strampelt und zappelt wie ein Epilepsiekranker mit allen Gliedmaßen gegen Wände und kalten Böden, zieht sich blutige Wunden zu und schreit vor selbstzugefügter Pein. Deutlich strukturresistent hämmert eine Nummer nach der anderen ihre marginal bedeutsame Aussage ins geplagte Ohr. Als Gimmick auferlegen sie sich selbst noch Terrorizer´s „Fear Of Napalm“ und tun sich keinen wirklichen Gefallen. Was bleibt sind beachtliche Leistungen auf den hohen Saiten und groovige Riffs in den Momenten, in denen das Tempo an der Kette gehalten wird, bevor Chaos und Anarchie die diktatorischen Elemente einer Durchfallscheibe werden.

Glaubt hier wirklich jemand, dass in Zeiten der Rückbesinnung auf die Antihelden der Jugend, in Zeiten in denen der Death Metal der frühen Tage heute populärer und verkaufsträchtiger scheint als zu seiner eigentlichen Hochzeit, in Zeiten in denen die Re – Releases und schrundigen Liveaufnahmen unbekannter Undergroundhelden aus ebenso unbekannten Düsterforsten zum guten Ton und absolutem Pflichtprogramm gehören, aus jeder rotten Muschel eine glänzende Perle kullert? Ist es nicht viel mehr so, dass sich die Angst breitmacht, wirklich noch zu differenzieren?  Warum bitte muss jeder mittelmäßige Instrumentenständer gleich den Heiligenschein der Unantastbarkeit aufgesetzt bekommen und in den Olymp des bleiernen Universums aufsteigen. Wenn irgendwas Scheiße ist, muss das auch benannt werden und wenn wer im belanglosen Durchschnitt festhängt, muss er selbst dafür sorgen, etwas an seiner Situation zu ändern. Schützenhilfe, die ein fehlgeleitetes Ego produziert ist völlig fehl am Platz. Deswegen wehre ich mich auch gegen das kollegiale Schulterklopfen für BONES. Quark hinter dem Verfallsdatum ist nun mal kein Hochgenuss!

4/10

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