Monday, January 27, 2014

AMON - Liar In Wait - Vinyl – Edition / FDA



Ein beschissener Gitarrensound auf einem substanzlosen Album, von der Mutti finanziert um die eigenen Drogenschulden zu begleichen. AMON ist keine Band, sondern nur 2 rassistische Brüder, Arschlöcher zudem.  -  So in etwa äußert sich Herr Benton über seine einstigen Weggefährten, die vor 10 Jahren bei Deicide geschassten Hoffman Brüder. Alter Beutelschneider, der Stachel sitzt aber noch gewaltig tief. Dass nach so langer Zeit die Pistole immer noch so locker im Holster vibriert, zeugt auch nicht unbedingt von Reife. Irgendwer hat damals vergessen, dem Pizzajungen ein Trinkgeld zu geben, und dafür führen die heute noch Krieg am Gartenzaun.  Angekratzte Egos sind leider kreuzgefährlich und in der richtigen Konstellation eben nicht mehr mit Logik zu lenken. Bekanntermaßen ist Herr Benton auch kein Einfacher. Aber einer mit ausgezeichnetem Verständnis für sinisteren Death Metal, einer der Songs schreiben kann, die irgendwann auch mal Klassiker werden. Liegt er mit seiner rüden Beurteilung von „Liar In Wait“ also doch nicht so daneben?

Nach dem Rausschmiss reformierten die Hoffmans` ihre eigene Version von Deicide unter dem ursprünglichen Bandnamen AMON. Der wurde 89 eigentlich gestrichen, nachdem das 2. Demo draußen war, und das damalige Label Roadrunner namentliche Überschneidungen mit einem King Diamond Song befürchtete.  Viel lieber noch als unter Amon, hätten sie als Deicide weiter gemacht, weil sie sich als ursprüngliche Bandgründer sehen, die Glen Benton nur angeheuert und die frühen Songs selbst verfasst hätten. Aber die Rechte sind natürlich fort. 2012 resultierte dann daraus dieses Album in Eigenregie. Wollte wohl keiner ran an die Geschichte. Dabei wurde auch gänzlich verpasst, einen ordentlichen Vertrieb für Europa zu organisieren. Ehrlich gesagt wirkt die Organisation rund um diese Rille etwas dilettantisch. Na und dann setzte sich der unermüdliche und angstfreie Rico (FDA) hin und schickt eine Nachfrage diesbezüglich über den Teich, macht ein Angebot, sagt, dass das Originalcover Scheiße aussieht (was irgendwie auch stimmt) und setzt ein neues drauf. Fertig ist die Vinylversion für den Kontinent.
Und was haben wir da nun? Erst mal keinen so beschissener Gitarrensound wie der langsam in die Jahre kommende Meister des Stirnbrandings gern hätte. Was sich uns darbietet, und das ist wenig überraschend, ist natürlich eine Version von Deicide. Genau dahin musste die Musik gehen. Nicht weil die Brüder vom einstigen Aushängeschild, dem Erfinder des zornigen Blicks nie loslassen konnten, sondern weil sie selbst viel zu tief drin stecken, weil sie nie was anderes gemacht haben. Dass „Liar…“ nun kein extravagantes, gänzlich für pures Platin gefrästes Ausnahmealbum geworden ist, sollte dabei gar nicht weiter stören, ist in Folge überhaupt nicht schlimm. Auch Deicide veröffentlichen nicht einen Brüller nach dem anderen. Für scheuklappenfreie Fans von Deicide und Vital Remains öffnet sich mit AMON eine neue Alternative, oder auch nur eine Ergänzung zur Sammlung, je nachdem.  „“Liar…“ verknüpft Raserei und  Technik mit überzeugender Arbeit auf den hohen Saiten und sinisteren Disharmonien. Ebenjene Disharmonien zerreißen so manche Passage, die eben dabei war, sich ins Flussbett des ganz Gewöhnlichen einzuschleifen. Nee, das Songschreiben haben die Hoffmans´ nicht verlernt.  Was wiederum nicht als wichtig erscheint, ist es echte Hooks einzubauen, so catchy wie sie es gern gehabt hätten, ist die Scheibe nun doch nicht. Das könnte daran liegen, dass die beiden als Gitarrensäger groß geworden sind, und selbst mehr als nur gewöhnliche Riffs schreiben wollen, selbst wenn so ein einfaches Riff durchaus viele Vorteile birgt. Die kommen womöglich gar nicht auf die Idee, markante Elemente einzubauen, weil sie sich viel lieber selbst auf den hohen Saiten tanzen sehen. Das in Kombination mit etwas mehr Massentauglichkeit hätte dem Album einen persönlichen Sympathiepunkt eingebracht. Letztendlich kann ich aber doch nicht bestätigen, was Herr Benton glaubt, über das Album zu wissen, denn es ist ein durchaus potentes Stückchen Death Metal. 

Die Vinylversion aus dem Hause FDA kommt in einer schwarz / golden marmorierten Auflage in geringer Stückzahl und in der profanen schwarzen Fassung. Die übrigens auch nicht in komfortabelster Menge. Bei Interesse heißt es also ranhalten um eine Erstauflage zu ergattern.

7/10

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