Friday, September 27, 2013

CEREBRAL EXTINCTION - Promo 2013 - Mcd /Abyssal Warfare Promotion



CEREBRAL EXTINCTION ist ein brandneues italienisches Outfit, das die brutale Schiene bestiegen hat und nun mit Eigenantrieb der Strecke folgt. Schon der Beginn des ersten Stücks hat mich frappierend an Retch und deren legendäres Kleinholz – Album Ben-Wa Baby Heads erinnert. Und zwar aufgrund des Drumsounds, besonders der Doppelpedalmarter. Die klingt extrem synthetisch, jedoch im Gegensatz zu Retch ist das hier keine Maschine. Egal, das was an Abwechslung fehlt macht der Typ hinter der Batterie mit Präzision wieder wett. Welchen Deppen hat es da noch zu interessieren, dass das Treten und Tackern nach einem alten Lanz – Bulldog auf maximaler Umdrehung klingt, dass es den Anschein hat, dem raucht gleich der Diesel ab.
2 nicht uninteressante, wenn auch nicht eben spektakuläre Stücke lang beweisen sich die Neulinge mit mehr als nur anständigem Gitarrenklawitter, geben ihren Senf zum Universum des brutalen Death Metal in die übervolle Kruke. Und wirken unterm roten Strich gar nicht mal so doof. Es mutiert quasi zur Nebensache, dass sie dem Genre keine neuen Aspekte abringen können oder wollen, rein technisch gesehen stehen sie schon jetzt auf nicht ganz ungeschickten Füßen. Sie bediebnen das Klientel und legen die eigene Messlatte gar nicht so niedrig an. Es wird auf Tempowechsel geachtet, auf eine Leadgitarre, die mehr rauszuholen in der Lage ist, als billige Slam Riffs oder wüstes Saitenzerren. Es ist fast ein wenig schade, dass sie von den Drums etwas ins Abseits geschoben wird. Denn der Focus richtet sich immer wieder unabsichtlich auf die sonore Schlagzeugarbeit. Dabei kann der Gitarrist gerade bei den dezent psychedelisch anmutenden langsameren Parts richtig punkten. Vorrangig wird aber die brutale Keule geschwungen, dann ist das Hauptriff eben doch mehr funktional als technisch anspruchsvoll in Szene gesetzt. Erfreulicherweise immer nur so lange wie es dauert, den Hamster zu ficken. Denn in Grenzen variabel scheint das Bestreben des Saitensklaven zu sein, und das lässt er sich auch nicht nehmen. Also doch technisch, oder zumindest zu Kompromissen bereit. In den 2 Nummern steckt mehr als es der erste Eindruck vermitteln kann, mehr als nur Growls von unter der Teppichkante und Geschmetter aus der Retorte. Dass sie unbedingt ihre amerikanischen Freuden ausleben wollen und die Pimmel weit über den Atlantik strecken, dass sie den Amis, denen so manches mal die Ideen abhanden kommen, den Hammer hinhalten ist einer so jungen Band nicht hoch genug anzurechnen. Vor allem weil sie nicht einfach drauf los poltern. Disgorge stehen hier ganz klar zur Debatte, auch Brodequin. Die aber nur aufgrund des unfassbaren Wirbels des Drummers. Denn das war das einzig Anspruchsvolle an dem gesegneten Trio, der Rest war pure Unterhaltung der weniger gehobenen Art. Nicht dass es schlecht gewesen wäre, ganz sicher nicht. Aber dass eine unerfahrene Band am Beginn ihrer Sauftour schon längst über solchen Dingen steht, der eigenen Musik mehr abverlangt als blutigen Geräuschpurismus, hat einen freundschaftlichen Klaps auf den jungfräulichen Arsch verdient. Der Band fehlt noch ein Bassist, den haben sie sich für ihre Aufnahmen von Cadaveric Crematorium ausgeborgt und der sorgt für den bitter nötigen Druck, ohne den CEREBRAL EXTINCTION nicht auf diesem Niveau funktionieren würden. Aber Schluss jetzt mit dem vielen Lob verspritzen, denn der Arbeit gibt es noch genug.
Zu den eigenen Faves zählen Suffocation, Necrophagist, Deeds Of Flesh. Bis dahin ist der Weg aber noch ein kurviger. Spielt keine Rolle, hoch gesteckte Ziele können ein nicht zu verachtender Motor sein, Deeds Of Flesh sind jetzt schon in Sichtweite. Mit prosperierender Blauäugigkeit und sicher noch wenigen Dellen in der jungen Karriere kann da viel drin sein. Dann wird auch das Songwriting schnell dichter, kompakter, dann lernt der Sänger, mehr von seinen Emotionen in sein Gekotze zu stecken und dann bekommen die Drums irgendwann noch den passenden technischen Schliff. Vorerst hat der Spaß nach so was um die 9 Minuten ein Ende und es bleibt abzuwarten, wann die 3 in der Lage sind, nachzulegen. Für Unverbesserliche, die sich dieses brutale Zeugs oral, rektal und intravenös reinziehen, zwischen deren erweichten Hirnwindungen immer noch ein Plätzchen für neue Ballerbrüder frei ist, sollte dieser Auftakt sehr verzehrfreudig sein. Der Scheiß schmettert den Rost vom Oldtimer! Hier geht’s lang zur aus medizinisch Sicht nicht ratsamen Hörprobe: http://cerebralextinction.bandcamp.com/   
8/10

EARDELETE - Devilogy - Cd / Bizarre Leprous Prod.



Ein flächendeckender Bombenteppich aus entmenschlichten Geräuschen geht um das Gorebattalion nieder. Die Einschläge rücken immer näher, sämtliche Rekruten der Blood & Pussy Kompanie ziehen ehrfurchtsvoll die Köpfe ein.  Vor den Gräben entstehen zusehends mehr Granatentrichter, die ihren schlammigen Inhalt über das Feld verteilen, deren Böden sich sofort mit Brackwasser füllen. Brackwasser bestehend aus menschlichen Exkrementen, rotem Lebenssaft und schmutzigen Gedanken.  In einem dieser Löcher ist das letzte Zirpen der Toten zu hören, die sinnlos nach der Mutter schreien. Zwischen den Reihen spazieren nackte Schlampen auf der Suche nach brauchbaren Genitalien und der Teufel zieht die Fäden in dieser Kakophonie aus Lärmterror und einem Übermaß an krankem Humor. Als alles aufhört – gleich nach Song 16 – die 666 so oft zitiert wurde, dass die Pforte in die Verderbnis bequem im Polkarhythmus durchtanzt werden kann, setzt ohrenbetäubende Stille ein. Und ich weiß nicht, was schlimmer ist?
EARDELETE sind zurück und packen den Pornopimmel wieder mal an den Eiern, überspitzen jedes Klischee mit Lust und sind doch wieder viel mehr als eine Bande Gestörter, die ihre sexuellen Triebe nicht im Leben unterbringen können. Köstlich ironisch und mit dem Mittelfinger in Richtung saubere Unterwäsche, so sehe ich die Band, die schon zu ihren NCC Zeiten gnadenlos gehackstückelt hat und dennoch keinen gewöhnlichen Goreschlamm unter den Schuhen hatte. Dank der heiteren Tschechentruppe weiß ich nun, was ein Rimjob ist, ich Trottel. Und ich weiß dass das für mich nicht in Frage kommt. Den einen Part finde ich geschmacklich nicht einwandfrei und für den andren fehlt mir die Gelenkigkeit.  Danke die Herren, nun ist mir klar wozu über 600 Schwänze gut sind, dass man sich durchaus zwischen Satan und dem Teufel entscheiden kann, dass Eric Idle für jeden Spaß zu haben ist, auch wenn er sicher nicht gefragt wurde, dass der Gehörnte auf anale Kreativität steht und sich mit Vergnügen die Rosette versilbern lässt, dass MC Donalds an Großmutters Höllenfeuer brutzeln und noch vieles mehr. Ich weiß nun auch, dass ein Abba – Remix gar nicht so albern sein muss, dass selbst eine völlig durchgepfiffene Bande von Selbsthandanlegern daraus noch was radiotaugliches macht. Auch wenn ich vermute, dass das nur ein Gefallen für den obszönen Oberextremen Curby ist, der sich seit Jahren als bekennender Abba – Fan outet.
Und mir wurde bestätigt, denn das ist nun wirklich nicht neu und immer wieder lobenswert, dass EARDELETE so bescheuert sie auch sein mögen, so sympathisch sie ihren Comedyfick auch rüberbringen, sich zwischen ihren primitiven Goreejakulaten immer wieder mehr verbirgt als der 3 Akkorde – Abgrund. Natürlich stampft das in erster Linie mal Dellen in den Tanzboden, lässt aus jeder noch so stramm aufgeblasenen Hüpfburg die Luft entweichen. Natürlich ist Eingängigkeit die oberste Maxime und alle Wünsche der Genrefans werden pronto befriedigt. Aber wir hören auch immer wieder, wie echt griffige Riffs geschrieben werden, wie gut sich geschickt platzierter Riff – Drive inmitten all des Gerülpses und Gequiekes macht. Das auch im Schmutzgenre so was wie Atmosphäre entstehen kann, die eben nicht nur mit Ledermasken und Latexschniedeln zu tun hat. Dabei ist es eben auch nicht gleich verwerflich, die Hosen mal oben zu lassen. Und es ist schön zu wissen, dass Musiker sich noch selbst auf die Schippe nehmen können, dass sie es explizit treiben können, es aber nicht gleich so plakativ aussehen lassen müssen. Das macht einfach Laune, selbst ohne nachweisbare Alltagstauglichkeit!
Mit bewusstem Verzicht, der eigenen hinlänglich bekannten Musik neue Facetten zu entlocken, ist EARDELETE wiederholt ein Album entwichen, dass ihre Anhänger nicht enttäuschen wird, dass zu neuen Tanzorgien animiert. Und eines das die meisten Metalheads außerhalb des Tschechischen Grindcore – Radars nicht die Bohne interessieren wird. Devilogy packt den Teufel am Beutel und presst ihm ein Zugeständnis ab. Wenn in Bälde der große apokalyptische Schlussakkord über das Antlitz unseres narbigen Planeten tönt, dann dürfen sie auf der Aftershowparty spielen. Dann gibt es noch mal ein deftiges Sparvergnügen mit Vorkasse.
Das einzige was ich an dem neuen Album so richtig Scheiße finde, ist das Cover, das selbst mit Kinderhand gezeichnet nicht dämlicher hätte ein können.  Alles andere passt, erfüllt Erwartungen und strebt nicht nach neuen Ufern, bedient sich in der Szene und bei sich selbst, lässt keine Aussetzer zu und hat doch noch genug Tiefe um nicht als poplige Selbstkopie auf der Ramschhalde zu landen. Was sonst sollte ich über die Musik denn erzählen. Wer EARDELETE kennt, weiß genau wo er seinen Schwanz reinsteckt und wer nicht… nun der sollte sich von Mutti Verbandsmull aus der Apotheke holen lassen und keine Angst vor bösen Überraschungen haben.   
8/10

Thursday, September 26, 2013

EMBLAZONED - The Living Magisterium - Mcd / Deepsend Records



Wenn  Musiker von u.a. Decrepit Birth und Jungle Rot (nur die bekannteren in unseren Breitengraden) sich zusammen tun, ein unvergessliches und über die Maßen bösartiges Statement in punkto brutalen Musizierens abgeben wollen, das mit großem Tönen und Klappern auch so propagieren, dann denk ich mir; Ach du unheiliges Weißblech, jetzt gibt es aber Dellen! Von eben jenen Bands bin ich auf die eine oder andere Weise so manches gewöhnt, von technischen Finessen der blutigen Strickkultur bis hin zu primitiven Kriegstrommeln. Und beides ist wahrlich mehr als funktional. Was also ist von dem neuen Projekt EMBLAZONED  zu halten, zu erwarten, worauf wird sich der Mob im Keller einigen, können sie sich irgendwo in der Mitte treffen, oder gibt einer nach?

Das Intro verzichtet schon mal gänzlich auf Auskunft, entpuppt es sich als 90 - sekündiger Geräuschpegel mit vollkommen sinnloser Existenzbettelei. Das hätte die Band jemand anderem in die braune Papiertüte stecken können, für die eigenen Zwecke taugt so ein Überfluss an Nichts eben nichts. Dann aber rockt der Roll, und das nicht im Sinne eines ausladenden Hüftschwungs, sondern auf die finstere Art. EMBLAZONED  entpuppen sich schnell als Schwergewicht, das sich gar nicht so wirklich auf landestypischen Death Metal fokussieren will, das sofort eine schwarze Endung an alles hängt, was vornweg Basisarbeit in Sachen Death Metal ist. Auffällig ist die sehr tief gezogene Basslinie, der Sound kokettiert mit den Kumpels aus Schweden und attestiert dem Akt eine schneidige Verbindung zur alten skandinavischen Schule. Das bleibt aber über die gesamte Spielzeit eher sekundär. Zudem ist erwähnter Black Metal Anteil so groß, oder zumindest ausgewogen, dass man schnell die Wälder rauschen hört. Das liegt zum einen an den keifenden Vocals, die die tiefen und markigen Growls mehr als ergänzen, schleimiger und diabolischer klingen, als pures Kreischen. Und natürlich an der Gitarre, die in den gebremsten Parts für sinistere Stimmung sorgt, ein relativ helles Aussagebild erschafft, den Sound bewusst am schwarzen Unwesen hält. Den Gegendruck erzeugt wie schon erwähnt der Bass, dessen Brummigkeit dem Gesamtgeschehen Authentizität und Härte verleite. The Living Magisterium macht einen wenig freundlichen und extrem ernsthaften Eindruck, ist nicht wirklich kompliziert oder hochgradig anspruchsvoll gewickelt, verzichtet aber auch auf einen zu primitiven Frontalcharakter. Diese Ep ist ganz genau das was sich der Amerikaner unter blackened Death Metal vorstellt. Dazu nutzt er lediglich das was andere irgendwann mal mit Erfolg in den Genpool gekippt haben. Auch das wieder raus fischen erledigen EMBLAZONED eher mit dem groben Netz. Die Erfahrung, die sie als Musiker seit Jahren durch die Existenz schmuggelt genügt, um aus mehr oder weniger interessanten Vorgaben ihren eigenen Sud anzusetzen und damit zu überzeugen. Sicher, die ganz dicke Kelle ist dieses erste Räuspern der Akteure nicht, ob es unvergesslich bleibt, wenn nichts mehr nachfolgen sollte, darf auch gern angezweifelt werden, billig und belanglos ist aber definitiv was anderes. Humorresistenz, damit müssen sie leben, das müssen sie sich vielleicht ankreiden lassen, denn der Spaßfaktor geht bei so viel Düsternis schnell verloren. Kein dezentes Grinsen zwischen den Stakkato – Riffs, kein verschmitztes Lächeln unter den rasenden Leads, kein Quäntchen Freude unter der Marter eines etwas in Bedrängnis geratenen Drumsounds. Der hätte ruhig mehr Aufmerksamkeit verdient. Die sich gegenseitig hassenden Vocals drücken alles so ein klein wenig ins Eck.  Aber Musik, die mit nordischem Black Metal ein Stelldichein sucht, ohne sich ganz ergeben zu wollen, ist eben nicht lustig. Da ringen dann Blasphemie und Finsterforst gegen brutales Knüppeln und geschickte Arrangements. Welche im Black Metal zumeist hinter blank polierten Schwertern und bleichen Fratzen, dem Image eben, zurück stehen. Unterm Strich denke ich, ist EMBLAZONED die Symbiose ganz gut gelungen, sie geben so viel von ihren Wurzeln her, dass sie dem schwarzen Geseire Glaubwürdigkeit verleihen, aber noch lange nicht genug, um sich ihrer eigenen Intention, dem Death Metal,  nicht mehr bewusst zu sein. Wie viel davon Kompromiss und wie viel wahre Überzeugung ist, lässt sich nach nur 4 Songs noch nicht sagen. Diese aber geben vielleicht schon mal einen Vorgeschmack auf das was die Band noch vorhaben könnte. Dann erwartet euch irgendwann Musik, die relativ variabel sein wird, vom technischen Standpunkt keine Sorgen macht, vielleicht nie der große Überraschungsfänger sein wird, mit Souveränität aber allzeit das Nackenfell strapaziert. Mal sehen was hinterm Horizont dereinst drin sein wird, vorerst humpelt der Gehörnte noch. 
6/10

Wednesday, September 25, 2013

ABOMINANT - Onward To Annihilation - Cd / Deathgasm Records



20 Jahre und 10 Alben nach dem Kalben aus der Death Metal Vagina Kentuckys´ hat sich an der musikalischen Zuverlässigkeit der Band kaum was geändert, stilistisch nichts bewegt. Warum auch? Und stimmt das wirklich? Selbstbekennend hat Mike May mir 2010 mal erzählt, dass es dafür keinen Grund gäbe, dass sie nicht nach den Sternen greifen und einzig die Songs schreiben, die sie selbst gern hören würden. Aber auch vor Stagnation haben sie keine Angst, denn sie leben in dem festen Glauben, dass jedes Album anders wäre als der Vorgänger.  Und nun ja, auch wenn sie an ihrem ureigenen Stil, der kompromisslosen Mixtur aus Death Und Black festhalten, bietet jede neue Rille auch neue Facetten. Dafür muss man sich nicht mal das Ohr verrenken.  Es sind immer nur Details, welche aber das Gesamtbild der Band zu prägen in der Lage sind. Das aktuelle Album, das wohl auch wieder unter dem internationalen Radar durchfliegen wird, wendet sich etwas von der stilistischen Nähe zu Vital Remains ab, hat jetzt mehr Black Metal Elemente im Fokus, und obendrauf (oder mittendrin) einen echten Speed Metal Song. Ernsthaft, auf so einen Scheiß muss man erst mal kommen, zwischen all dem schwarzen Geballer eine solche Nummer zu platzieren, fordert Selbstvertrauen und dicke Eier. „Hold Your Ground“ ist das wohl untypischste, das ABOMINANT bisher in der Lage waren, vom Haken zu lassen. Und dann umschiffen sie noch die Klippe der grausigen Albernheiten, was im Kern des Speed Metal liegt, nicht an der Band selbst. Das Stück ist lustig anzuhören, mit seinem Tempowahn rast es nahezu vorbei und der Kastratengesang verlangt Nervenstärke, trotzdem verunglimpft es weder die generellen Absichten der Band, noch machen sie sich selbst über das Genre lustig. Seltsamerweise funktioniert der kurze Ausbruch aus der schwarzen Hölle ohne anzuecken, und währt gerade mal 1/3 der Spielzeit, die sie sich sonst nehmen, um ein Stück ans Ende zuführen.
An Hypocisy machen sie sich auch zu schaffen, covern „Left To Rot“ mit einem Sound, der mich gar nicht an das Original erinnert hätte. Im Grunde schlucken sie das Ding einfach unzerkaut runter.

Um wieder und wieder ein Album in relativ stabiler Besetzung aus dem Kellerfenster zu werfen, so lange am Leben zu bleiben, bedarf es eines langes Atems und nicht allzu großer Egos, die sich aneinander reiben. Wenn eine Band auf dieser Ebene funktioniert, dann kommt vielleicht nicht immer die ideale Füllung für einen überschwappenden Kreativpool heraus, aber stets Zuverlässiges jenseits banaler Schrammelkunst. Die leben ihre Musik und pushen das auf ihre Weise. 10 Alben und diverses Kleinholz sprechen Bände. Kann sein, dass Nummer 10 als Jubiläumsrille etwas weniger überzeugend als der Vorgänger ausgefallen ist, beschenken müssen sie sich letztlich aber nur allein. Und unterschätzen sollte man Onward To Annihilation auch nicht, saugt es seine Kraft doch in vollen Zügen aus der Erfahrung und dem Spaß von 2 Jahrzehnten. Wenn wir heute von den guten alten Zeiten palavern, leichtfertig jede neue Band begrüßen, die dem Aberglauben der Rückbesinnung erliegt und dann auch noch fette Alben mit stilistisch gefestigten Kompositionen vertickt, dann gilt es in erster Linie nicht zu vergessen, woher dieser Spirit kommt. Dass es dort draußen Bands zu Genüge gibt, die den Anfang der Schlange gesehen haben, zumindest dem Kopf sehr nahe waren, und die auch heute noch Geschichten zu erzählen haben. In einem sind ABOMINANT auf jeden Fall groß, in ihrem Streben, Trendfreiheit für ihr eigenes Schlachten und Bluten zu propagieren. Mittlerweile ist der Zopf auch viel zu grau, um sich mit solchem Unsinn wie der Aufweichung der eigenen Überzeugung, der Überschreitung von eben erst gezogenen Genregrenzen zu beschäftigen. Und so hacken die Drums auch anno 2013 noch ohne Ausfallerscheinungen, flitzt die Leadgitarre über ihre Solis wie die Fliege über das Marmeladenbrot und sind die Riffs so was von schwarz beschattet, dass dem Norweger im dichten Tannendickicht die Schminke von der Fratze läuft. Und es brüllen die Kehlen unheilige Kriegsgesänge in die Mikrophone und kotzen dem Establishment mit Schmackes ins Gesicht. Wer behauptet, ABOMINANT würden sich lediglich für stumpfen Death Metal hergeben und an intellektueller Bewegungsarmut kranken, dem sei empfohlen, genau hinzuhören. ABOMINANT stehen für klassischen US Death Metal, der keine Vergleiche scheuen muss, ein aufrichtiges Statement in Punkto Kompromisslosigkeit abgibt. Von dieser Richtung sollte Onward To Annihilation betrachtete werden, dann versteht ihr auch wohin die Band will und wie es möglich war, so lange durchzuhalten. Dann erkennt ihr, dass ihr eben eine Scheibe aus sicherer Hand gehört habt, eingespielt von Profis, die nie aufgehört haben, Fans zu sein, und die vor allem niemanden mehr was beweisen zu müssen.  Und ihr seid vielleicht auch in der Lage dieses entsetzliche Cover zu vergessen, dass schon aufgrund seiner Farbgebung die 2 Gallertknöpfe zum Schielen bringen. 
7/10


Tuesday, September 24, 2013

INCARCERATION - Sacrifice - Tape/7 Ep - FDA / Dawnbreed Records



Denke ich an Dinge, die mich auf unterhaltsame Weise gegruselt haben, dann liegen die in der Vergangenheit. Die besten Geschichten waren immer die in schwarz/weiß, die mit den meisten Spinnenweben, den dicksten Nebeln über britischen Mooren und dem schrecklichsten Hundegeheul der Hammer – Unterhaltungsfront. Der Wert solcher Werke lag in der Vermeidung explizierter Reizüberflutung, der gewollten, oder aber aufgrund des Budgets nicht machbaren Auslassung von exzessiven Darstellungen von Ficken und Köppe absäbeln. Das war eine Gentlemen – Welt. Somit war die Fantasie gefordert, deren Ergebnisse meist grausamer ausuferten als es ein Maskenbildner jemals in Gips und Latex hätte gießen können. Liegt also die wahre Kunst der Unterhaltung, wenn es denn die der düsteren Stimmung, der Gänsepelze und kreischenden Jungfrauen sein muss, wirklich allein in den nostalgischen Storys aus der farblosen Ära? Oder ist es gerade das Fehlen bunter Überzeichnung, das Monstergeschichten und Spukhäuser so anziehend macht, auch noch nach Jahren? Ich für meinen Teil ziehe mir immer gern die alten Klamotten aus dem Regal, schmeiße die Deckenlampe mit meinem Schlappen aus und freue mich über unkolorierten Horror.
Selbiges und noch viel mehr trifft auf die Musik zu. Wenn es denn mal einen Grund gibt, die alten Originalpressungen aus ihren Schubern zu befreien, dann doch nur, um in Nostalgie und der eigenen, verwelkten Jugend zu baden. Und in dem Wissen natürlich, von Anfang an dabei gewesen zu sein, auch wenn eine Mauer dazwischen stand. Umso mehr  freut es mich, dass der Trend, die alten Klänge wieder aufzugreifen immer noch anhält. Wenn Musiker immer noch wissen, wie die Geburtsstunde des Knüppels, der Harmonieabstinenz und der Bleibeschwerung klang, dann habe ich Grund, das nicht immer gebührend geschonte Vinyl der Death Metal Erstbesteigungen noch einige Zeit in Ruhe zu lassen. INCARCERATION ist so eine Band, eine die in gewisser Weise von der Globalisierung profitiert, eben davon, dass heute alles schneller geht, aber mit viel Engagement auch dagegen steuert. Jedenfalls klingen die ersten 3 Stücke, die mir bis dato vor die Fleischflinte gekommen sind, sehr authentisch nach der Art Death Metal, die seit gefühlten Äonen in meinen Regalen schlummert. Death Metal der wenig mit Technik zu tun hat, der sich durchprügelt als wäre die Schlacht noch jung, der schartig und damit authentisch produziert ist. Das Trio besorgt es uns sehr flott, fiedelt zwischen den schrammligen Riffs klassische Solis ein, die noch nicht so flüssig klingen, wie sie vielleicht wollen. Sie wetzen schweißtreibend die Messer, erinnern mich an ein Sägewerk, in dem Späne nach Akkord gemacht werden, in dem Splitter fliegen und Blut den Boden bedeckt, weil nicht alles rund läuft und immer mal ein Finger ins Sägeblatt rutscht. Und das darf auch sein! Der Gesang hat einen coolen Hall, wie es damals einige schwedische Bands hinbekommen haben. Und die Musik selbst? Die trifft sich an einer Schnittstelle aus brasilianischer Regenwaldabholzung und europäischer Sumpflandschaft von Holland, über Deutschland bis in diverse skandinavische Reservate. Alles im glaubwürdigen Stil der ausgehenden 80er und frühen 90er. Das mit dem brasilianischen Einschlag hat die heute in Hamburg stationierte Band ihrem Gründer und Mainman Daniel (Duracell) Silva zu verdanken, der INCARCERATION in seiner alten Heimat aus einem alten Specksteinaltar geschnitzt hat. Das Aufstocken zu einer echten Band, das Verlagern seiner Präsenz ins kühle Nordeutschland wird sich nun als Vorteil heraus stellen, da Musik mit so viel Pfeffer unter der Vorhaut auf die Bühne gehört und kein tristes Eingekerkert sein im feuchten Keller fristen darf. Und das mit dem Spitznamen bezüglich des trommelschlagenden Batteriehasen ist auch nicht aus der Luft gegriffen. Ob der sich den nun selbst auf das Revers geklebt hat, oder irgendjemand den Unwillen zu musikalischem Stillstand in ein prägnantes Wort gefasst hat, weiß ich natürlich nicht. Die 3 Stücke jedenfalls haben genug Energie, den Spirit der totmetallischen Steinzeit über die letzten 25 Jahre zu kicken, als wäre das nur ein entspannten Badminton – Turnier mit Pina Colada an der Strandbar. INCARCERATION fetzt, hätte ich in den 80ern gesagt, weil die wie die Derwische um die Kante wetzen, weil da ständig alles in Bewegung ist, weil die Produktion genau so scheppert, wie ich es gewohnt war, weil die mir nicht nur was zurück bringen, sondern sich selbst beweisen, dass Qualität, unsterblich ist. Und ich spreche nicht davon, dass jemand dafür der fetteste Virtuose vor dem Ziegenfuß sein muss, nein ich will nur hören, dass eine Band das spielt, was sie auch zu vertreten bereit ist, dass es sich nicht um Trends dreht sondern um die persönliche Attitüde. Im Falle INCARCERATION bin ich davon überzeugt. Deshalb lege ich jetzt die geschwollenen Füße hoch und lass mir die 3 Stücke intravenös in Dauerapplikation durch mein Gemüt tropfen. Zu erschleichen gibt es davon 2 Versionen in eng begrenzter Stückzahl, auf Vinyl und das klassische Magnetband für den Walkman. Haltet euch ran, wenn ihr wisst was gesund für euch ist!  
8/10