Friday, May 31, 2013

SVART CROWN - Profane - Cd / Listenable Records



Stylisch und unterkühlt, sehr modern und technisch gefestigt, so präsentiert sich das neuste Werk der Franzosen SVART CROWN, die ihre ganz eigene Mischung aus Death und Black auf Silber pressen. Vergesst den gewohnten kruden Shake aus Old School und schrammeliger Düsternis. Was wir sonst in diesem Genre an rohen Batzen vorgeworfen bekommen, hat nichts mit dem zu tun, was „Profane“ verinnerlicht. Reichlich überproduziert krallt sich ein Album in die Köpfe, das absichtlich up to date sein will, voller interessanter Ideen steckt und immer noch hart genug ist, um rostiges Eisen auf Hochglanz zu polieren. Nachteilig könnte sein, dass die einzelnen Stück vollgepackt mit den verschiedensten Strukturen sind, manchmal wäre es schon wirksamer, einfach mal durchzurotzen, ein Riff mit all seiner Aggression länger aufrecht zu erhalten. Aber die bauen lieber noch ein paar zusätzliche Breaks ein, um das selbstgeschneiderte, überaus moderne Gewand passend zu machen. Das ist der Preis für hohes Niveau. Aber keine Sorge, blasten funktioniert auch so, und lostreten tun sie schon einiges, wenn es um Geschwindigkeit geht. Vielleicht nennt man so was intelligentes Songwriting, gerade weil sich nicht alles sofort erschließt. Wichtig sind ihnen offensichtlich auch leisere Töne, als Kontrast zur Designersäge. Hier zeigt sich dann die dunkle Seite einer musikalisch zu sehr im Lichte stehenden Band. Die strahlen so mechanisch hell, dass der Terminus Black Metal gar nicht im traditionellen Sinne zutreffend ist. Das Label will sie als Mischung aus Gojira und Behemoth verstanden wissen. Wahrscheinlich nur in Ermanglung besserer Vergleiche. Aber wer mal versuchen mag, sich so eine Mixtur im Köpfchen zurecht zu legen, dem geht auch so schnell auf, dass SVART CROWN schon was Spezielles sind.  Die so entstehende Atmosphäre hat den Liebreiz von Neonlicht in einem verwaisten Großraumbüro und ist weit entfernt von verstaubten Grabsteinen, finsteren Wäldern und nebligen Totenäckern. Damit fällt die Waagschale auch zugunsten des Death Metal aus, einer Version allerdings, die weder tatsächlich progressiv, noch übermäßig brutal und schon gar nicht stumpf ist. Vielmehr steht da polnisches Gewitter a la Decapitated unter dem Scheinwerfer, vor allen wenn man an deren Live –Performance denkt. Ein leicht experimenteller Schimmer glüht auf dem Werk gescheiter Konstrukteure, zum Preis der Eingängigkeit. Aber darauf legt die Band sicher nicht den größten Wert. Und doch ist die Scheibe alles andere als sperrig. Legt sich nicht so richtig fest, wo sie hin will, bleibt so relativ eigenständig, und das muss beabsichtigt sein, denn ich weigere mich zu glauben, dass hier irgendetwas auch nur ansatzweise zufällig wäre. In den Ritt aus technischem Geknüppel und eiskalten Bremsen schleichen sich Disharmonien ein, die ganz unauffällig den Weg der Musiker prägen, die mehr sinistere Melodien sein wollen, als wirklich an Gelenkbruch zu leiden. Manchmal wirken die Stücke geradezu nachdenklich, als erwarteten sie den finalen Gnadenschuss, spielen mit verzerrter Akustik und dann bricht umgehend die Hölle los, und das komplette Orchester schlägt mit den Instrumenten an die Pforte zur Apokalypse. „Profane“ ist glaub ich untauglich, schnell mal zwischen 2 Kisten Bier gewöhnliche Hintergrundunterhaltung abzugeben. Das will gehört werden, und verstanden. Die Herren geben sich reichlich Mühe, ihre Vision von postmodernem Metal nicht in die Nähe von irgendwelchen Metalcore – Nonsens kommen zu lassen, gleichzeitig lösen sie sich aber auch von 90er Jahre Konventionen. Die benutzen in der Basis nur noch das, was für sie selbst funktional ist. Deswegen werden auch nur die wenigsten mit diesem Album auf Anhieb warm werden, aber mit der Zeit mag es sich einen Weg in die Szene kämpfen und berechtigt einen festen Status einnehmen. Schwierig bleiben wird es trotzdem. Einzig echter Kritikpunkt – das Ding ist viel zu sauber! 
8/10

Thursday, May 30, 2013

PRELUDIUM - Impending Hostility (2010) - Cd / Transcending Obscurity



Bis mir klar wurde, dass das Album schon ein paar Jahre im Äther mäandert, ich es sogar anno 2011 bereits vor der nicht unkritischen Flinte hatte, verging schon mal ein Vormittag. Aber da Vormittage an arbeitsfreien Tagen vollgestopft sind, mit zeitintensiven Nebentätigkeiten wie Radfahren bis der Arsch Paviansymptomatik annimmt , Hanteln stemmen für die personelle Überlastung und den dazugehörigen blödsinnigen Kampf gegen das muskulöse Ergrauen, mit dem vietnamesischen Grünzeugdealer um die Ecke Tiefsinniges ergründen und das verdammte Radschloss ums Verrecken nicht entsperren können, den Vegetarierquatsch auch noch putzen und zu Brei zerkochen - fällt auch gar nicht auf, dass ich das Ding bereits ausgeschlachtet habe. Gut, liegen über 2 Jahre und ein gefühltes Raum – Zeit Vakuum von 1 Million Kritiken dazwischen, aber das entschuldigt doch überhaupt nichts. Da der Schwamm aber doch noch nicht ganz trocken ist und der Groschen immer durch den Schlitz purzelt, wenn man es braucht, machte sich irgendwann erhellende Erkenntnis breit. Und da ich gern auch bequem bin, meine Meinung immer noch felsenfest irgendwo rumsteht, drucke ich hier der Einfachheit halber das ab, was mir damals durch den Kopp prasselte:

Im Windschatten des Polensturms von Bands wie VADER, DECAPITATED oder YATTERING versuchen auch andere seit Jahren den Vorschub der Erfolgreicheren zu nutzen. Dazu gehören zweifelsohne PRELUDIUM, die mit ihrem 3. Album zu überzeugen gedenken. Nun werde ich einen Scheißdreck tun und einer Kapelle ihren Lokalpatriotismus vorwerfen, das steht mir auch gar nicht zu, aber besonders innovativ ist es bestimmt nicht, einfach nur anzudocken und sich mittreiben zu lassen. PRELUDIUM gelingen natürlich mehr als passable und schwere Stücke mit viel Blast und düsterer Ausstrahlung, der ganze blasphemische Part der Geschichte halt. Um mit so technisch versierten Haudegen auf Augenhöhe zu bleiben, muss man selbst den Druck erhöhen. Zudem fließen immer wieder echt brutale Roots ein. Aber bitte, all das macht kein herausragendes Album, was da steht ist souveräner abgeklärter Death Metal Stoff mit einigen Highlights und viel Rahmengeplänkel. Um der Sache ein bisschen mehr Glanz zu verleihen, kann ich nur sagen, laut aufdrehen hilft! Der Rest ist Mittelmaß, um einen unvergesslichen Krieg vom Zaun zu brechen, bedarf es mehr als nur gut zu sein. Das sind viele und was dabei dann hinten runter fällt, reicht vielleicht für ein Scharmützel, aber nicht für die finale Schlacht, bei der jeder letztendlich als Sieger vom Feld der Musikerehre gehen will. PRELUDIUM punkten zumindest mit dickem Sound und dem Wissen, dass die große Apokalypse noch bevor steht und vielleicht noch Zeit für früchtetragendes Sparring bleibt. Ich will´s nur hoffen, denn eigentlich haben unsere osteuropäischen Nachbarn das ganze Rüstzeug in der eigenen Garage, die müssen nur noch schauen, welcher Gaul was tragen soll und wie bei richtigem Einsatz die Effektivität gesteigert werden kann. Technisches Know How, kompositorische Dichte und dicke Eier, alles da, muss nur noch irgendwie sortiert werden und das sollten die Teufelsbuben noch lernen. Wenn nicht, dann krebsen sie weiter in der Ursuppe mit all den anderen Einzellern und hoffen vergebens darauf, dass sich der evolutionäre Schub von selbst einstellt. Also, es lohnt sich, das Interesse an PRELUDIUM nicht zu verlieren und die Scheibe dürft ihr euch ruhig reinziehen, die rostige Axt der Zeitverschwendung wird euch schon nicht gleich enthaupten. Für Fans von obengenannten Bands mit Hang zu schwarzer Vernichtung, ist bestimmt mehr als ein geschädigtes Trommelfell drin. So lass ich mich dann auch zu versöhnlichen 6 Punkten hinreißen!
6/10

SWAZAFIX - Anthem Of Apostacy - Cd / VIC Records



Florida Death Metal Frischzellenkur im Zuge der langatmigen und glücklicherweise selten langweiligen Old School Welle? Ansatzweise doomige Schwerlast im Todeskittel nach Van Drunen Art? Das ließe sich annehmen und klingt auch cool. Tatsache aber ist, dass SWAZAFIX eine völlig unbekannte niederländische Death Metal Kapelle waren, die es 91/92 lediglich auf 2 poplige Demos geschafft haben, deren Sänger 98 verstarb und dann auch Ruhe im Karton war. „Anthems Of Apostasy“ entpuppt sich somit als Neuveröffentlichung alter Kadaver. So wie viele, aus mir häufig unerfindlichen Gründen, eine frische Lackierung für abgestandene Resterpaletten bekommen, geschieht das halt auch mit den käsigen Frühneunzigern. In deren Falle aber ist die Idee gar nicht so schlecht, steht die Musik nämlich verdammt kernig auf stählernen Hufen, Tardy und seine hübschen Kumpane hätten pure Freude daran. Da die kein Aas mehr kennt (nicht Tardy & the playboys), deren Musik aber beachtenswerte Qualitäten innehat, von brutalen Midtempo – Riffs bis hin zu technischer Standfestigkeit, von klassischen Solis bis zu qualvoll hervorgewürgten Stimmbrüchen, wäre der Dauerverschluss in einer staubigen Kellerkiste reinste Blasphemie. Die Erbschaft der 4 beläuft sich auf gerade mal 8 Stücke, was immer noch mehr ist, als bei so mancher Zwangsräumung nach Leberversagen und unerwartetem Tod eines geliebten Familienunholdes. Hier geht zumindest der Spaß nicht auf Abwege, tönt Frontkauz Theo (RIP) mit so viel Inbrunst aus allen Schalllöchern, dass ihm die Freude am krawalligen Provozieren durch die vergangenen Epochen immer noch anzuhören ist, als brüllte er seine Weisheiten justo momento in den Äther. Dicke Gitarrenbretter sägen im Obituary bis Asphyx Stil, und darunter lässt sich ein finaler Pinselstrich klecksen, denn mehr gibt es nicht zu sagen. Hätten die mal mehr Luft gehabt, einen gewissen Status hätten sich SWAZAFIX mit Sicherheit erspielen können. Der mangelnde Erfolg mag mit Theo Lohmanns Vorgeschichte mit Asphyx zusammen hängen, aus deren Schatten er niemals raus gekommen ist, deren schwere Bürde er mit sich herum trug, und die unter musikalischer Einflussnahme wie eine dicke Wolke Blei und Verderben auf sein neues Projekt niederregnen ließ. „“Crush The Cenotaph“ grölte er in die verschreckten Volksmassen. Späterhin und auch bei diversen Versuchen, bei Asphyx wieder heimisch zu werden, kehrte dieses Hoch nie wieder zurück. Vielleicht waren SWAZAFIX auch nur so was wie ein Alibi, denn ohne ihn lief mit dem Rest der Truppe ja auch nichts mehr. Wie ernst die Band also tatsächlich zu nehmen war, steht in Frage, stieg und fiel deren Schicksal so offensichtlich mit Theo Lohmanns. Diesen Abstecher seiner außerasphyxialischen Aktivität gilt es trotzdem Ehre zu erweisen, muss sich die Musik nicht hinter der Wurzel der eigenen Generation ducken. Die Demos waren ein Parallelereignis zu Asphyx und deren Zementierung in der Szene, musikalisch absolut gleichwertig, fressen beide Köter doch aus demselben dreckigen Topf denselben rotten Fraß. Schließlich hat Theo für beide Acts die Songs geschrieben, da ist keine allzu schmerzliche Kehrtwende zu erwarten oder zu befürchten. Ich hätte mir gewünscht, wenn ich mir das im Nachklapp so anhöre, dass es für in richtiges Album zur Zeit und für eine Bühnenpräsenz gereicht hätte, die es auch auf den teutonischen, ländlichen Raum geschafft hätte. Dem ist aber nicht so, und was übrigbleibt sind ein paar Happen, die bisher niemand fressen wollte und uns nun mit all den anderen Überflüssigen und zu Recht Vergessenen, das Verfallsdatum längst im Jordan versenkt, vor die Füße gekippt werden. Da wenigstens diese Reanimation meiner Überzeugung sicher ein kann, bücke ich mich. 

Den Bandnamen haben sie sich wohl aus einem Carnivore Song entliehen (Jesus Hitler), wo das Wort in einem übermäßig provokanten Kontext steht, und die Band hat das augenscheinlich gern angenommen. 

Eine unpolierte Perle für Nostalgiker – bleibt ohne Wertung

QUEST OF AIDANCE - Misanthropic Propaganda - Cd / PulverisedRecords



So klingt Grindcore in Zeiten von nicht planmäßig stattfindender Erderwärmung! Irgendwas muss uns ja die Enttäuschung nehmen, dass die natürliche Apokalypse nicht wie geplant ins Rad der Geschichte greift,  irgendwas muss jetzt dafür einspringen, dass die Polkappen ein wenig unter Hitze gesetzt werden. Und da ist extraterrestrische Hilfe gern gesehen, oder wenigstens Ersatz aus Schweden. Da QUEST OF AIDANCE Pate für Sci – Fi -  Death Grind stehen, müssen die mit ihrer spacigen Meise nun Verantwortung übernehmen, und den Eisbären und Pinguinen, je nach territorialer Gepflogenheit, das Langstreckenschwimmen antrainieren. Aber ob die das Zeug zum fauna-tauglichen Überlebenscoach haben?  Am ehesten sehe ich die Band aus Südschweden als Mischung aus Nasum und Blood Red Throne. Ich weiß, der Vergleich hinkt ziemlich, aber die grobe Richtung dürfte wohl hinkommen. Den Zielsensor haben die Terrorspechte und wackere Kämpfer gegen 3 Akkorde – Verbleiung auf einen viel moderneren Quadranten ausgerichtet. Melodie spielt eine ebenso große Rolle, wie Synthies. Künstliche Tonfolgen, bei denen die Weltenraumbegeisterung immer wieder tragend wird, lässt das Gefiepse teilweise nach einem Theremin klingen, das besser zu Star Treck passt als in die skandinavische Provinz. Es geht aber auch dick wabernd oder nur rudimentär begleitend – oder gar nicht, wenn es an den richtigen Stellen die Schnauze hält. Ständiges Rampenlicht ist für das Instrument löblicherweise nicht vorgesehen, dient es doch eher der Untermalung… wovon auch immer. Wer also nach den klassischen, eben erwähnten Bands im direkten Einflussbereich von QUEST OF AIDANCE sucht, der mag enttäuscht in seinen Raumgleiter steigen und andere galaktische Nebelbänke abgrasen. Viel eher werden Fans von In Flames fündig, deren deutlich zu sauber gestrickten Sound und deren Verspieltheit machen sie sich nämlich auch zu Eigen. Dann frickeln sie sich auch ganz gern mal einen zusammen, wobei die Solis immer öfter den homogenen Anschluss verlieren, irgendwie separat stehen, und somit wie aufgezapft erscheinen. Instrumentale Liebeleien können sie auch, legen sie damit erst mal los, wird es warm ums rotte Herz, dann schmilzt die Kalkschicht und die Gefäße weiten sich, weil die Musik plötzlich mehr zur Jazz – Lounge auf MDR – Figaro passt, als auf ein, wie modern auch immer, Grind und Death Metal Album. Keyboardteppiche werfen einen orchestralen Schleier über das ein oder andere Riff und geholzt wird mit Begeisterung bis in den letzten Zipfel einer feinmechanisch ausgebürsteten Produktion. Generell ist mir das schon viel zu sauber, die dreckige Ehrlichkeit eines Knüppels fehlt mir völlig. Und dennoch will ich an der Kreativität der Protagonisten nicht zweifeln, schreiben und spielen sie einen durchweg straff strukturierten Set, mit einigen spannenden Wendungen und ohne Langeweile. Wer nach kerniger Authentizität einer wütenden Krawallkombo strebt, dem sein bei diesem etwas zu kleinlich geschmiedeten Eisen gebührender Abstand geraten, denn die Musiker überlassen nicht etwaiger Spontanität und kneifen auch kein Auge zu, wenn ein Hit mal nicht punktgenau sitzt. Auf rohe und kantige Sprödheit verzichten sie gern zugunsten hoher Musikalität, die unbedingt und permanent präsent sein muss. Am Ende sollte man gar nicht glauben, dass das so funktioniert hat, wenn man weiß, dass die einzelnen Komponenten aus diversen Studios stammen und erst in den  Panic Room Studios zusammengefügt wurden. Da hat also auch der Produzent noch die Hand drauf und streicht der Band möglicherweise ein gewisses Quäntchen an Handlungsfreiheit. Wenn die aber ihre Vielschichtigkeit, mit diversen Effekten und synthetischen Klängen, ihre Raserei und ihr internes Verständnis von Harmonien mit Vocals ähnlich eines freilaufenden Tränenschleiers, so verstanden und präsentiert haben wollen, dann fügt sich das Bild. Ist aber trotz akut aufgepepptem Antlitz ein gutes Album geworden, eines dem es nicht an Drive fehlt, sehr wohl aber an erdiger Glaubhaftigkeit. 
6/10

Tuesday, May 28, 2013

PHLEBOTOMIZED - Devoted To God, Preach Etenal Gosples - Cd / VIC Records



Überaus passend zur Wiedervereinigung der niederländischen Kapelle PHLEBOTOMIZED hebelt VIC Records ein paar eher willkürliche olle Schinken in die Gegenwart. Die sollen uns wohl munter machen, und sensibel für das was da demnächst ansteht. Ich für meinen Teil reagiere da viel allergischer, wird mir bei Trommelfellberührung bewusst, warum die Band so lange nicht aktiv war (97) und es stellt sich viel mehr die Frage, was sie vom Heute eigentlich erwarten. Ihre Musik ist in ermüdendes Versatzstück aus Death Metal, Doom und vereinzelten Grindirrläufern. Ohne rechte Stimmung, dafür aber mit einem Keyboard, dass alle Umgebungsgeräusche zu imitieren weiß, das geht bis hin zur verrosteten Plänterwaldachterbahn aus „Spuk unterm Riesenrad“. Viel zu oft bis hinter den Horizont gestreckt, wabern manche Stücke in der Unendlichkeit des Erträglichen, verlieren sich im Dudeln und Schrammelmusizieren. Ich denke ich weiß warum das einst keinen Bestand hatte, als sie zusammen brachen, war der komplette Death Metal am Ausdünnen, und dass es viele Semierfolgreiche traf, wahrscheinlich auch zahlreiche musikalische Individualisten, Grenzgänger auf der Schlangenlinie zwischen „mach ich“ und „kann ich“, ist zum Teil bedauerlich. Das andre Teil sagt aber auch, dass es die Richtigen erwischt hat. Wäre das nicht geschehen, hätten wir eine noch viel undurchschaubare Situation als heute und PHLEBOTOMIZED würden in Hallen mit 20 Besuchern spielen, genau wie Cannibal Corpse oder Amon Amarth. Danken wir uns selbst, dass das nicht so ist, wissen wir doch heute schon lange nicht mehr, wo wir überall hinrennen sollen, um zu sehen, was uns gar nicht mehr interessiert. Die Holländer sind aufgrund ihrer eigenwilligen Musik just durch das Raster gefallen.
Mit dem Keyboardteppich, der als Imitator im Lokalfernsehen auftreten könnte beweisen sie nicht immer ein glückliches Händchen, mittelalterlich, wabernd, quietschend, harmonisch, schwülstig, sphärisch und gekünstelt episch, das war zu viel und ist es bestimmt heute noch. Und dann diese aufgesetzten Endlosschleifen. Das nicht mal unbedingt in kompositorischer Hinsicht, aber Tracks wie „Preach Etenal Gosples“ ist einfach zu zäh, um wirklich jenseits der 10 Minuten noch was reißen zu können. Für echten Death Metal, in deren Tradition und an dessen Anfang die Band in ihrer Heimat auch stehen, ist das Getöne  der alten Kamellen erstaunlich harmlos, straffer und kompakter, das hätte ein Rezept für Beständigkeit sein können. Die konnten ihre unterschiedlichen Geschmäcker im demokratischen Bandprozess offenbar niemals ordnen und irgend so ein Penner hat das Piano anschleppen müssen.
Die Neuveröffentlichung enthält nun Demo und Ep Krempel, inklusive verzichtbarer, weil grauenhaft klingender Livemitschnitte. Ich bin mir nicht sicher, ob unbedingt jeder Brotkrümel aus der Ecke gekehrt werden muss, um im Scheinwerferlicht noch mehr Substanz zu verlieren. Gut, das hier geschieht wie erwähnt im Zuge der Reformierung ebenjener Hanseln, die dafür verantwortlich zeichnen, dass ich in diesem Zusammenhang Tasteninstrumente sackgängerisch finde, aber ob das ausgewählte Material letztendlich repräsentativ genug ist, der Band noch mal Auftrieb zu geben, das bezweifle ich genauso wie die Existenz von Sauriern auf einsamen Südseeinseln. Ungeachtet externen Stirnrunzelns beackern VIC Records den Markt mit ihrem neuen Schützling flächendeckend und kaschieren, so wie sich das für ein engagiertes Label gehört, die qualitativen Dissonanzen der Band. Diese Compilation zumindest ist langweilig bis gar überflüssig, hätte mit einer anderen Titelauswahl wohl aber auch nicht besser da gestanden.   
Ohne Wertung