Sunday, April 28, 2013

AETERNUS - ...And The Seventh His Soul Detesteth - Cd / Dark Essence Records



AETERNUS, das sind 20 Jahre norwegische Musikgeschichte, 20 Jahre Versuch sich an die Spitze der Szene zu setzen, eine 20 jährige Wanderung durch Black und Death Metal ohne das Ziel jemals wirklich zu Gesicht zu bekommen. Auch das nun bereits 7. Album ist aufgrund seiner hörbaren Unentschlossenheit, welcher Stil nun zu dominieren hat oder worauf der Fokus letztendlich zu richten ist, noch lange nicht auf der Zielgeraden. Als gutes Death Metal Album mit allen möglichen Gemüse aus den Genres, die man sich so in einer Winternacht in Bergen durch den eiskalten Kadaver prügelt, geht „...and the Seventh His Soul Detesteth“ schon durch. Jedoch fehlt ein weiteres mal die absolute Entschlossenheit etwas Besonderes zu leisten. Death von Midtempo bis „Knüppel frei“, frostiger Black Metal Gegenwind und latent doomiges Abtriften wirken wie die Spielbegrenzung beim Squash, wo das Geschoss jedesmal wieder mit purer Gewalt abprallt und eine andere Richtung einschlägt. Gut, das mit dem Doom mag jetzt etwas überreizt sein, das tritt eher latent auf. Die einzig erkennbare und respektierte Stärke von Aeternus anno 2013 liegt im mittleren Drehzahlbereich einer Bleischleuder, dann bekommen die Stücke eine angenehm groovige Schwere. Blastansätze, melodiöse Reanimationen selbstgezeugter Leichen und harmonische Annäherungsversuche bilden dazu einen krasseren Gegensatz als das üblicherweise bei anderen zum Tragen kommt. Die Stimme von Ares hat neben den gewöhnlichen, wenig emotionalen  Growls, partiell wenn auch selten den Hang zur Kehlkopfmusik. Dann schwingen die Stimmbänder wie bei einem mongolischen Viehhirten vor der zugigen Steppenjurte, wenn er seine Volksweisen brummelt, während die Mutter ihren Yak schrubbt und die Kinder aus Hundescheiße Karakorum als Miniatur kneten. Klingt schon cool und mir war bis dato nicht klar, dass die Horden aus dem Osten ihr Einflussgebiet so weit ausdehnen konnten. Das nur am Rande. Die Stücke auf dem neuen Release haben einen recht spröden Charakter mit grundsolider Basis einer erfahrenen Band. Die Death Metal Riffs machen trotz bekannt unaufgeregter Schreibweise Spaß und je langsamer umso besser. Grundsolide an etwas aufregendem und Spektakulären vorbei. Der gebeutelte Konsument wird häufig überstrapaziert, weil die Stücke mitunter zu lang sind und orientierungsgehemmt für Verwirrung sorgen. Straffere Organisation wäre ein guter Weg zur Genesung des eigenen kreativen Burnouts. An anderen Stellen funktioniert das Konzept aber auch wieder, dann stellt sich die Frage, warum ziehen die das nicht bis zur Wintersonnenwende konsequent durch. Sollte es das Anliegen der Band sein, niemals aus den Schatten zu treten und lieber von der Hinterbank ihr Gift zu verspritzen? Oder lassen sie sich für ihren absoluten Durchbruch noch mal 20 Jahre Zeit? Und mit dem selbstgewählten Beschreibungsversuchsubstantiv „Dark Metal“ rechtfertigt noch lange niemand seinen eigenen Durchschnitt, wenn es beweisbar auch besser geht. Düster, atmosphärisch, das wären Attribute, die dort hin passten, und die Aeternus auch zu nutzen weiß, mit harten Stilbrüchen aber auch aus dem Stand wieder der Vernichtung anheimfallen. Vielleicht haben sie sich zu viel Eigeninteresse vor den Lauf geklemmt, wenn unbedingt rasantes Tempo, schleppende Passagen, kalter schwarzer Hauch, klassische Instrumentals und eine Leadgitarre von Nöten sind, die wie ein Jo-Jo durch die Szene flattert. Alles sehr souverän, ob das jedoch reicht um der Dampfhammer der traditionell, kulturellen Langhaargewaltbewegung zu werden, steht nicht wirklich in den Sternen, das Ergebnis heißt Mittelfeldwarteplatz. Zu viel verschenkt, zu wenig Eigenpotential genutzt, das ist die traurige Wahrheit. „...and the Seventh His Soul Detesteth“ ist zu viel und zu wenig von allem. 
5/10

Saturday, April 27, 2013

ADE - Spartacus - Cd / Blasthead Records



Wer die Nähe US – amerikanischer Ägyptologen sucht und sich nicht die Bohne für rotte Pharaonenmumien und das ganze vorsintflutliches Gewölle interessiert, der muss nur in der eigenen Vergangenheit buddeln, um etwas Vergleichbarem auf die Hinterbeine zu helfen. So geschehen im Falle der unglaublichen Italiener ADE, die ihrem fetten, technischen Ausrastern fix mal das alte Rom überstülpen und im Ergebnis sehr kompetent wirken. Die besinnen sich besserer Zeiten, als der Römer die ganze damals bekannte Welt beherrschte und nahezu jeden Feind mit Stahl und Kalkül in die Knie zwang. ADE demonstriert Erinnerungen an die Hochzeit eines Reiches, das heute nur noch ein konfuses Kasperletheater scheint, zerrissen von notgeilen Greisen, beständigen Pleiteorgien und der bitteren Erkenntnis, das totale Planlosigkeit umgeht wie ein Gespenst. Ein führerloser Hühnerstall anstatt eines Kopfes mit vielen Körpern, da dreht sich manch Stiefelinsasse lieber um und schwelgt in retrograder Nostalgie, als Blut mit Blut bezahlt wurde, Innovationen wie der Wein in Strömen aus intelligenten Häuptern floss, der Vorschritt eine Hausmarke war und man im Liegen auf der Couch essen konnte, ohne das die Mama hysterisch mit dem Besen aus der Küche flog. Die Band wischt den Staub der Äonen beiseite und ruft erneut zu Brot und Spielen, transportiert Eroberungsstreben und Freiheitswillen, Sklaverei und Drill, deutsche Korrektheit (militärisch, architektonisch…J)  und ungezügelte Ausgelassenheit, Brutalität und Schmerz sowie Düsternis und rudimentär auch Mystizismus in ein lockeres Korsett aus Blastbeats, sinisterem Riffmassaker, diversen Soundsamples, kriegerischen Chören und originalgetreuen, historischen Instrumenten. Denn wenn man Nile schon nicht nach Nordafrika folgt, dann bedarf es zumindest einer künstlerischen Ausstattung die vermutete Authentizität birgt. Quasi polieren die Italiener erfolgreich ihr Sandalenfilmimage auf, erzeugen mit Lyra, Percussions, Kurzhalslaute etc., kopulierend mit brutalen Prügeleien und technischen Finessen eine sehr stimmige Atmosphäre, die Blut und Kriegslüsternheit vorgaukelt. Hätte das Imperium einst über solche Stilverknüpfungen verfügt und sie laut tönend vor sich im Felde geführt, hätte es in Britannien und am Rhein keines Bollwerks gebraucht und auch das letzte gallische Dorf hätte sich nicht mit kulinarischer Sonderverpflegung retten können. Den Barbaren wäre die Angst in die nackten Glieder gefahren und Rom hätte Europa  kultiviert. Mit dieser Weltidee stehen ADE nun reichlich spät auf einem neuen Kriegsschauplatz und die Chance auf absolute Dominanz ist verspielt, wie die Sozialhilfe im einarmigen Banditen. Dafür aber haben sie ein Album am Start (das 2.), dass sich für nichts schämen muss, dass durchweg von seinen Stärken profitiert. Welche straffes und kluges Songwriting und enthusiastische Hingabe an das Produkt sind, dazu kommt eine zitterfrei Sicherheit im Umgang mit den anvertrauten Tonerzeugnissen sowie der Sensibilität im Zusammenfügen von einst und jetzt. Was auch völlig außen vor bleibt, ist der Schlüpferbonus, der mit antiken oder historischen Instrumenten gern erzeugt wird, den Metal weichspült und für das Extra an Kuschelknuddel sorgt. ADE nutzen wie ihre Vorbilder ebenjenes Kapital um noch mehr Düsternis und Bedrohlichkeit in die Basis der Musik zu pflanzen. „Spartacus“ ist Death Metal EBrachialität in seiner reinsten Form, trotz Überschreitung so mancher Grenzen, das Album  hebt sich von Konkurrenzprodukten erfreulich deutlich ab und überzeugt letztendlich auch durch eine geballte Ladung Sound. Die Legion marschiert und hat sogar George Kollias für ein Stück verpflichten können. Somit schließt sich der Kreis und ein Ägyptologe mit Fleischeraxt und unbändiger Schlagkraft wird seinem Arbeitgeber kurzzeitig abtrünnig, bringt den Knüppel auf die andere Seite Mediterraniens. „Spartacus ist ein überaus empfehlenswertes Release das sich keine Aussetzer erlaubt, weil Kreativität vorherrscht und der Rille so viel Energie inne wohnt, das aus technischer Sicht die Arena auf lange Sicht mit Blut geflutet werden kann. Dekadenz und Stahl sind die Grundpfeiler jeder Ausschweifung,  sichert also lieber schnell eure Interessen auf diesem Gebiet! 
9/10

Friday, April 26, 2013

HELLBASTARD - Sons Of Bitches - Cd / Selfmadegod Records



Da sind sie also wieder, die britischen Pioniere des Crust, die Namensgeber einer verrohten Punkjugend, einer Bewegung, die tief in den 80ern wurzelt und viel sperriger, härter aber ebenso primitiv war, wie der Punk selbst. Und wenn man heute das Ohr an deren Absichten legt, an deren Variante des Crust, dann ist mir die schwedische Version bald lieber, denn so viel vom 3 Akkorde Terror mit Rockattitüde haben HELLBASTARD gar nicht inne. Das liegt vor allem daran, dass deren Musikalität viel breiter angelegt ist. So als würde man einen Uniprofessor in die Grundschule schicken. Na…das mag jetzt etwas überzogen sein, aber die Richtung stimmt. HELLBASTARD interessieren sich jedenfalls nicht ausschließlich für die rohe Kante des Außenseitergeschäftes, sie klingen viel eher nach Rage Against The Machine auf Thrash mit nett dreckiger Kerbe. So ist nicht nur Frontmann Scruff stark an Zack de la Rocha orientiert (oder anders herum), selbstreden ist seine Art des vokalen Vortragens um einiges kehliger, nein auch die Arrangements haben häufig diese stakkato gleiche Präsenz. Dazu gibt es aber wesentlich härtete Thrash Metal Riffs, die generell bei anderen UK Bands oder unbenannte schwedischen Rabauken lange zu suchen sind. Dieser Fakt macht HELLBASTARD schon zu etwas speziellem, aber irgendwie auch nicht gleich als Crustband erkennbar. Viel mehr steht hier seit 3 Dekaden (mit Pause) eine Band hinter den Läufen der Outsider – Musikgeschichte, die scheinbar ohne offensichtliche Einflussnahme aus Zutaten der Szene ihren eigenen Topf auf dem Feuer hat. Das Ergebnis ist viel mehr interessant als eingängig, gar nicht wirklich kurzweilig und musikalisch irgendwie auch anspruchsvoll. Immer in Relation zu anderen bekannten Crust – Acts, die nicht so kreativ agieren und sich meist fein im Gatter der eigenen Vorgaben aufhalten. Diese aktuelle Mcd (vorher bereits im stilechten Vinyl auf Patac Records präsentiert), enthält Stücke von der letzten Splitt mit Dresden aus dem letzten Jahr. Warum man so was macht ist mir etwas schleierhaft aber steht kritikfrei, wahrscheinlich haben sie sich mehr Resonanz erwartet und gehen nochmal den Solopfad. Hinzu kommt der opening track vom 88er Debütalbum in neuer Fassade und zeitgemäßem Sound und eine obergärige Reggea –Oi – Nummer die scheinbar lustig sein soll, das lyrisch aber gar nicht so bestätigen will. Jene vorgetragen in gestelzten Pseudorastafari Vocals. Dieser Dreadlock – Aussetzer will so gar nicht zum Rest der Songs passen, aber wohl den gemeinsamen Nenner hinsichtlich sozialkritischer Komponenten heraus streichen. Oder die wollten einfach mal dummes Zeug machen und sich selbst karikieren, kann auch sein. Mich in meinem eingelebten Kadaver überzeugt die Mini nicht zur Gänze, da sie mir stellenweise viel zu glattgezogen, aber auch partiell zu ruhig erscheint. Die Aggressivität, die andere, die ihre Fußstapfen als unpassend empfanden, in ihren Releases entwickelt haben, sind mir wenn es speziell um nicht eben aufwendiges Schlagmichtot mit Veganerleibern geht, sympathischer. Oder irgendwie authentischer, insofern mit üblichen Erwartungshaltungen spekuliert werden darf. Aber es ist wohl auch ein Fehler HELLBASTARD mit den bekannten Maßstäben des Genres zu messen, die wollten wohl immer schon mehr und konnten es dementsprechend auch. Wenn der Crustler häufig den Metal belächelt, dann stellt das für einen der Urväter der Szene überhaupt kein Problem dar, daraus entwickelt sich für die Briten keinerlei Diskussionswert. Die hacken Thrash Metal mit prägnanten Riffs mitten in den Punk, entwickelten somit eine Inselvariante des amerikanischen Crossover, eine die aber überhaupt nicht partytauglich erscheint, im Gegenteil sogar von tiefer Ernsthaftigkeit geprägt ist. Dass lässt sich weder richtig lieben noch richtig hassen, bedarf der individuellen Anfallstauglichkeit, um sich darüber eine Meinung zu bilden. Also bitte, da müsst ihr wohl selbst durch, wenn ihr euch traut. 
6/10

Thursday, April 25, 2013

ZOMBIEFICATION - At The Caves Of Eternal - Cd / Pulverised Records



Die Zombiefizierung des mexikanischen Landstriches begann spät im Jahre 2009, als ein aus Skandinavien stammender und mit immenser Verzögerung eintreffender Erreger 2 Herren aus der dortigen Szene unvorbereitet überfiel. Ihre christlichen Namen ablegend stampften die zukünftigen Señores Hitchcock und Jacko von nun an im morbiden Beat klassischer Elchtodleichen. Es dauerte kein Jahr bis das Debütalbum erschien und so was nach Dismember klang, dass der Kadaver vor Furcht in spastischen Kontrakturen verharrte.  Der Mexikoklone war geboren und fraß sich furchtlos durch zahlreiche Kritiken, ohne an irgendwelchen rhetorischen Gegenmitteln zu scheitern. Nur die Label taten es immer wieder, aber der Virus sprang von Wirt zu Wirt, von Asphyxiate über Chaos Records hin nun zu Pulverised. Das sollte Beweis für die Präsenz und das Durchhaltevermögen der Musiker genug sein. Hirndrainagen, zerebrale Impfstoffe und breitgefächerte Aufklärungskampanien zur Prophylaxe konnten nicht verhindern, dass der Grad der Ausbreitung immer mehr zunahm. Ungewöhnlich in diesem Falle ist, dass der kleine, fiese Bastard kaum zu Mutationen neigt und stur sein gäriges Süpplein kocht. Bewegung war trotzdem immer drin, denn Stagnation und stupides Schlafzimmer – Songwriting ist nun auch nicht das Ding der Herren H. und J., die sich für ihre Liveauftritte gern Verstärkung holen, um ihr versuchtes Material offensiv in die Massen zu streuen. Auf dem aktuellen Propagandawerk zum Beispiel schwingt ein Hauch schwarzer Düsternis mit, die den Stücken sehr zuträglich ist. Was auch dazu führte, dass der Drang, Grabsteine umzustoßen und anderenorts neue einzubuddeln stärker wurde. Wiederholt gelingt dem Duo ein musikalisch ansprechendes Album mit allen klassischen Ingredienzien, die schwedischen Death Metal ausmachen, vom Sound, über Melodie bis hin zu authentischer Totenackeratmosphäre. Erreicht wurde das mit Hilfe des Endschliffes aus dem Mutterland, gemastert wurde bei Tore Stjerna, der seines Zeichens wieder für Bands wie Demonical, Desultory und auch Watain verantwortlich zeichnet. Hier ist möglicherweise der neu auftretende, leichte Hang zum Black Metal zu suchen. Schon der Titel-, und Erföffnungstrack stellt das ganz deutlich heraus, hängt ihm doch eine gewisse Schwere nach, gefördert durch eine eisige Rhythmusgitarre (zum Teil). Und so setzt sich das im Laufe der Geschehnisse immer mal wieder durch, die Jonglage neuer, alter Aspekte hat begonnen. Das Album geht mehr als gut und übt sich in Steigerungsformen. Ja selbst wenn Mr. H. immer noch versucht, und das gar nicht mal nachteilig, einen auf leidend und brutalen Matti Kärki zu machen, passt das perfekt ins Bild der Band. Und so rast der Zombievirus durch Dschungel und Kakteenwälder, dockt im Zuge der weltweit grassierenden neuen Welle auch im einstigen Inkaimperium an und strebt in Guerillataktik den gleichen Vernichtungsfeldzug entgegen, wie einst die spanischen Horden. Nicht die waffenstarrenden, sondern die Pocken. Der gleiche Erfolg wird zwar kaum beschieden sein, denn die Anfälligkeit bezieht sich lediglich auf eine spezielle Gattung Homo Sapiens Sapiens, aber jene ist wegen ihrer brutalen Partytauglichkeit und ihrer schmerzfreien Musikgewohnheiten dafür besonders prädestiniert. Es wird auch Ausnahmen geben, denn Passanten, deren Leiber und Geister nur modernen Gewaltorgien offen stehen, könnten eine natürliche Immunität entwickelt haben und dem Anliegen des neuen Zombieepos negativ gegenüber stehen. Für Fans traditioneller schwedischer Bands gibt es aber nur wenig Ausreden, an den Folgen von „At The Caves Of Eternal“ nicht zu erkranken und bereitwillig zu siechen. Ein interessanter Tieftöner, der die Stärke und Hingabe von 2 jenseitsatlantischen Psychos fett und blutrot unterstreicht! 
8/10

Wednesday, April 24, 2013

PURGATORY - Deathkvlt - Grand Ancient Arts - Cd / War Anthem Records



Heiliger Kreuznagel, der Nossener Panzersturm ist wieder aufgetaucht und bringt das sächsische Zwergenland erneut in Unruhe. Dieses mal wird der Anschlag als so gefährlich eingeschätzt, dass die Zufahrtsstraßen von der Autobahn nach Nossen zum Teil gesperrt sind, und es aufgrund gewalttätiger Ausschreitungen, Übergriffen durch semiprofessionelle Presseheinis und blasphemischer Zündelein auch noch ein Weilchen bleiben könnte. Dabei ist doch alles beim alten, seit nunmehr fast 20 Jahren, die Flamme brennt, das Purgatorium verschluckt immer noch zahllose Opfer, und Folter und Pein machen unverändert Laune. Wenn Herr Kögel seinen Zopfgummi wegschnepst, der Propeller ein synchrones Verständnis von kreisförmiger Ausgelassenheit seine Stärke nennt, dann ist doch alles gut. Den Totenkult aus Sachsen kann sich jeder bedenkenlos in die Sammlung kleben, der den ganzen PURGATORY Kram ohnehin bereits an der vergilbten Tapete zu lehnen hat. Wie heißt es so treffend, „Ein alter Köter lernt keine neuen Tricks mehr“. Sollte es jemanden geben, der diese empirisch belegbare These anfechtet, dann geht und konsumiert Kiddigeschredder, aber lasst eure frisch tätowierten Griffel von den Purgatoren. Denn der Weg, den die Band mit allen personellen Engpässen und Rückschlägen bis dato zurück gelegt hat, ist so was von leicht entflammbar geradlinig, dass er in der modernen Zeit Gefahr läuft, in den bunten Schatten gehypter Hemdträger verloren zu gehen. Aber die Band weiß ein wiederholtes Mal um ihre unschlagbare Fähigkeit, genügend Lichtmasten und Leuchtbaken zu setzen, um ihren Fans den einzig wahren Weg zu weisen. Nur deshalb und wegen des unbedingten Durchhaltebefehls kann und wird auch Deathkult in die rühmlichen Analen der Bandhistorie eingehen. Und durchhalten müssen sie, denn Entsatz ist nicht in Sicht, drunten im Sachsenlande. Solange Dreier mit seinem Organ die Engel aus dem Himmel pustet, muss sich diesbezüglich aber niemand Sorgen um einen Bruch in der Frontlinie machen. Die wirklich neuen Aspekte des Albums sind die, dass es keine gibt, auch wenn die Band aus ihrem Fokus das sicher anders wahrnimmt. Na und Recht werden sie dann schon haben, niemand ist näher dran als der Verursacher von Leid und Pestilenz höchstselbt. Ich für meinen Teil lehne mich zurück und genieße gewohntes auf einem Niveau das mich mit Zufriedenheit in die Zukunft mäandern lässt, selbst wenn das Album ein gänzlich anderes Tempo vorlegt, überkommt mich ein Gefühl von zeitloser Entspannung. Lasst den unheiligen Mob blasten und growlen, lasst ihn düsterdunkel den Forst einreißen, lass die Tore der Hölle mit Bierflaschen barrikadieren, lasst uns grimmig stierend feiern und endlos Spaß mit dem Grubenfeuer aus dem bodenlosen Schacht haben, bis Großmutter drunten der Sauerstoff wegbleibt und die Suppe kalt wird! In besagter Suppe schwimmt übrigen auch ein Demigod Cover mit musikalischer Unterstützung von Originalmember Esa Linden. Dass das keine Purgatory Nummer im ureigenen Sinn ist, hört mach auch ohne aufs Booklet zu lunschen, denn diese Art Riffs und Arrangements schreibt die Band üblicherweise nicht. Und trotzdem ziehen sie dem Stück mit gewohnter Lockerheit ihren persönlichen Anstrich über. Bedingungslos abkupfern wäre auch pfui Teufel und dem Status der Band in keiner Weise gerecht. Für so was ist das Geschäft zu alt, die Haut zu dick und der Erfahrungen reichlich viel im Speicher. PURGATORY machen aus allem was ihnen in den Schritt fällt PURGATORY, sein es Vader, Krisiun oder nur 3 Haselnüsse. Letztendlich ist auch aus der aktuellen Rinde ein überzeugendes Statement gegen die Verniedlichung der Szene und die Aufweichung der Grenzen geworden, ein wütendes Plädoyer für traditionellen Death Metal und die Aufrichtigkeit, mit der man seine Lederjoppe zu tragen hat. Laut, schnell, ureigen sächsisch diabolisch mit Tunnelblick. Der Tunnelblick agiert in diesem Falle selbstredend als Sympathieträger. 
9/10