Wednesday, October 31, 2012

FALSE FLAG ATTACK - Into The Shelter - Ep



Ich geh kaputt, das klingt doch tatsächlich so, als hätten sich 2 Spaßvögel getroffen, um alte Lehrvideos über Atomkriegspanik aus den 50ern zu vertonen, besser zu grinden. Und das gelingt von der Abschussrampe bis zur Schadenserkennung mit Fernglas und Geigerzähler. Im Nachhinein ist die Debüt Ep viel zu kurz, weil die beiden Mahner und Erinnerer an dunkle Zeiten viel zu schnell unterwegs sind. Die kloppen mit derartiger Bissigkeit auf den Instrumenten rum, zerren angestrengt an den Stimmbändern, dass mir schnell mal der Aal aus der Hose zittert. Wer sich das Gebretter, ganz im traditionellen Hackmesserstil, überhelfen lässt, ist gegen etwaige iranische Atompolitikverfehlungen, respektive westlicher Fehlinformation mehr als gut gerüstet. Feuerwerk mit Abrissbirne und atemloser Lungenbläschenholocaust, aber auch schwere Riffs mit gewissem gorigen Groove Faktor, alles am Platze was Randgruppenunterhaltung so liebenswert macht. Primitives und effektives Schädel einschlagen mit erhobenem Mittelfinger und Träne im linken Augenlid, so stell ich mir den Arbeitstag im Atommeiler vor. Die haben Spaß und nehmen die seltsamen, skurril und irgendwie andersweltliche wirkenden Lehrvideos über erwähnte Atomverseuchung  und Schutz der Zivilbevölkerung vor der bösen Russenbombe als Samples in die Ep mit auf. Amerikaner hatten schon immer mehr als nur ein Ei am Wandern, und darauf trampeln FALSE FLAG ATTACK nun mit Freude herum. Mit teutonischer Freude übrigens. Zeitloser Grindcore ist das beste Mittel, von der Zeit überholte Idiotie, Spießigkeit und anderen wegzurevolutionierenden Altmüll nackt auszuziehen und an den Pranger zu nageln. Sei es nun mit viel Augenzwinkern oder seriöser Ernsthaftigkeit. Wichtig ist, dass der Knüppel immer schön am Schwingen bleibt und die Musik unverfälscht und nicht banal modern klingt. Da hat das Duo wohl alles richtig gemacht. Klar, hätten es ein paar mehr Stücke sein dürfen. Um zu zeigen, was sie noch so alles vorhaben, sollte die Ep aber erst mal reichen. Und um dem Namen gerecht zu werden, sollten sie zukünftig verschwörungsreife Songs schreiben, die das Einstürzen von Wolkenkratzern nachvollziehbar machen, das Bombardieren von Seehäfen spürbar werden lassen und uns vielleicht auf die Suche nach Biowaffen mitnehmen. Viele Themengebiete, die sich zusammenprügeln lassen, und in kurzen Minutenaggressionen abgehakt sind. Denn wirklich lange Songs zu schreiben, überlassen die Beiden anderen Verstrahlten, sie erzählen ihre Geschichten vorzugsweise in brutaler Grindcorestenografie. Auf diese Art sägt und brüllt sich eine FALSE FLAG ATTACK Nummer in geschätzter 60 Sekunden Frist und gefühltem Schallmauerdeformationszeitraffer von A nach Z. Um diese Erfahrung persönlich greifbar zu machen,  müsst ihr eure Blumenkohlohren selbst mal auf Therapie schicken. Am Ende noch ein Hinweis, sucht vorsichtshalber den Schutzraum auf sobald dabei etwas verdächtig erscheint, und ja Kumpel das gilt auch für dich! Die Ep gibt es legal und kostenlos beim Torn Flesh Netlabel: http://archive.org/details/TFR539-FalseFlagAttack-IntoTheShelter
7/10

 

SUBLEVELS - Eo Abyssvs Occvltvs - Cd



Pfff, schon wieder so ein glattes, postmodernes Deathcore Album mit dem fehlgeleiteten Anspruch, brutalem Death Metal näher zu stehen als der eigenen Mutter. Braucht kein Mensch mehr, dieses gebügelte, immer gleich klingende, zerfahrene und langweilige … Irgendwas. Breaks, Beatdowns, Grooves, Growls und „Metal“gesänge, alles ohne Seele, und wirklichen Spielfluss kann ich auch nicht ausmachen. Nichts hat Beständigkeit, nichts bleibt für wenigstens mal 10 Sekunden am Rollen, ständig Tempowechsel, ständig irgendwelche Deathcore Riffs, mit denen  Slipknot schon vor Jahren auf sämtlichen Musikkanälen präsent war, und das „Auf den Sack – Gen“ entdeckt hat. Hüpf,  Hüpf du Clown, von wegen, am Arsch! Hier versuchen sie es mal mit Atmosphäre und scheitern, dort experimentieren sie und lassen den Sud überkochen. Percussions mögen sie, Synthies auch, helfen wird es nicht. Nur eins will ich ihnen lassen, berechenbar ist die Musik der argentinischen Kellerrenovierer nicht, so unstet wie die Songs aufgebaut sind. Dafür ist das alles aneinander gepappt wie feuchter Karton auf dem Fliesenboden einer Gemeinschaftsdusche. Und wenn Sublevels dann die Seife in den Raum werfen, werden  Leute, die Metal wertschätzen, gar nicht erst auf die Idee kommen, den glitschigen Überfluss aufzuheben. Die Mainvocals tragen den dekadenten Charakter von zu viel gegessen und zu wenig geschluckt, Schnauze voll und nicht mehr wissen, ob rein oder raus. Die Songs sind überfrachtet und trotz des sicher nicht untalentierten handwerkens an den Instrumenten, ist das Album nach der Hälfte der Spielzeit kaum noch zu ertragen. Da steckt so viel drin und ist trotzdem leer, es ist verdammt anstrengend sich durch die ganze Scheibe zu hören, leichter wäre es bei uns im Garten auf Erdöl zu stoßen, einen Basejump von der Linde vor meinem Fenster zu machen, oder den Bierschwamm mit Fingerschnipsen potterartig verschwinden zu lassen. Der Gitarrist der Truppe ist offensichtlich auf einem Egotrip, lebt seine Fantasien aus und nimmt den Rest der Band gar nicht wirklich mit. Variabel gefiel mir eigentlich immer gut, ein Fakt den ich an Musikern zu schätzen weiß. Das Gehacke aber ist eindeutig zu viel, zum einen wegen der Art der Musik generell, die mir den Rochen kämmt. Zum anderen aber auch, weil er ganz eigennützig mit seinen Dämonen kämpft und niemandem eine Chance lässt, ihm noch zu folgen. Wenn irgendwas eine sinnentleerte und hohle Angelegenheit ist, die nicht blond ist und was mit Katzen macht, dann leider dieses Album. Eigentlich ist nach kürzester Zeit schon alles gesagt und bedarf keiner Wiederholung mehr. So was ist allenfalls was für Kiddies mit fragwürdigen Verbindungen zu dubiosen Hinterzimmerfrisören. Metal geht anders und nervt nicht, Metal ist Religion. Und weil das Tatsache ist, sind SUBLEVELS Atheisten.  https://www.facebook.com/SublevelsOficial 
3/10




Tuesday, October 30, 2012

IMPACTOR - Arise In Decay - Cd / Final Gate Records



Kreator, - „Freilich Meiner“, Destruction -  „Ich bitte dich“, Delirium Tremens – „So was von“, Assassin – „Schon, nur schneller“, Desaster – „Nicht immer, aber irgendwie ja“, Sodom – „Na, wir wollen nicht übertreiben, ts, ts“.  Ähnlich aufgestellt sind auch einige amerikanische Nachkriegsprofitanten wie Re – Animator, Forbidden…, die ein vergleichbares Paar schimmliger Wanderschuhe tragen. Trotz der nicht als dezent zu verstehenden Hinweise auf transatlantisch, postkolumbianischen Ringelsockenmetal, sind IMPACTOR wohl  ein urtypische Vertreter krautigen Teutonenthrashs´, die auf einem verbogenem Zeitstrahl ins falschen Jahrtausend abgebogen sind. Am Ende des Universums, hinter dem Restaurant, die 3. links. Jetzt habt ihr den Rahmen, in den die Band ihre hässliche Fratze zum anglotzen, bestaunen, lieb haben und anspucken gehängt hat. Je nach individuellem Ausdruck persönlicher Zuneigung. Das Album startet mit „Death By Train“, angeschoben von einem Soundsample. Das Stampfen einer frisch lackierten P8 oder was Vergleichbares ist das Erste, das die Scheibe freigibt, abgelöst von der Leadgitarre, die den gleichen Sound in den Rhythmus übernimmt. Guter Einstieg. Der erste Impactor ist der Stahl der Lok, der sich seinen Weg durch Fleisch und Knochen bahnt. So noch nicht messbar, wegen zu wenig Widerstand. Und überhaupt, „Death By Train“, eher Tod auf dem zugigen Bahnsteig durch Langeweile und erfrieren, weil der Zug wieder irgendwo auf der Blümcheninsel verweilt. Weiter mit „Through The Wall“, besoffen Autofahren im Winter mit klischeehaftem Ergebnis. Der Impactor bleibt in der Wand stecken und macht so seine Aufschlagskraft zum ersten mal berechenbar. Auch der Sänger kriegt das mit, so dass ihm vereinzelt die Stimme versagt. Gitarre mit scharfem Riff, Solo in den Nachbrenner und auf den Knopf gedrückt, gib Gummi Alter! Vergleichbar beginnt „Outatime“, dass dann aber mit einem Riff zuschlägt, über dessen Herkunft ich 3 – 7 graue Haare mehr gezüchtet habe, so wage ich zumindest mal die Behauptung in den Raum zu stellen, dass das nicht ursprünglich auf dem Schrottplatz von Impactor gewachsen ist. Egal, kommt mehr als gut und zudem darf der Drummer endlich auch mal die Sau aus dem Stall lassen, Irgendwer schmeißt am Ende sogar den dämlichen Wecker aus dem Fenster, ein Highlight. Und dann, „When The Sunset…“ pff, hatte ich Angst, dass jetzt die üblich verzichtbare Ballade aus dem Scheißeimer purzelt. Aber nichts da, falsche Fährte, dickes Grinsen. Nach kurzem Akustikintro, setzt halbmelodiöses Riffing ein, und der Sonnenuntergang färbt sich nur deswegen rot, weil die Bekloppten mit ihren Instrumenten so ein Blutbad am Strand anrichten, Hitzekoller scheinbar, kann schon mal passieren. Dergestalt setzt sich der Aufstieg aus dem Verfall verschütteter Kindheitstraumata fort und ein Song nach dem anderen knallt zischend und masochistisch spaßig wie die geölte Peitsche einer 3 Zentner Domina. Am Ende wird es etwas undurchschaubar. Grund ist der überlange Titeltrack, der die Vermutung offen legt, Impactor hätten hier mindestens 3 Songs in die Druckkammer gepackt, um einen Hassbatzen mit fast 11 Minuten Spielzeit zu züchten. Etwas weniger hätte auch nicht geschadet. Das ist jedoch kein Grund zu glatzenbildender Panik, bisschen Melancholie ist jedem irgendwann mal zuzugestehen und davon steckt in der Nummer halt mehr als im Rest des Albums. Also dann mal, wie es sich für stilechte Germanenthrasher gehört, ab in die schwarze Stretch mit den ausgebeulten Knien, Patronengurt um den Bieräquator und Lederjacke zum vorwinterlichen Kadaverbibbern übergestreift, und ab geht die Reise  -  zum Serostoffdealer für Kleingeld, um das Ding hier billig zu kaufen. 
8/10