Sunday, September 30, 2012

SAVAGE ANNIHILATION - Cannibalisme, Hérésie Et Autres Sauvageries - Cd / Kaotoxin Records



Hereinspaziert, hereinspaziert und willkommen auf dem Jahrmarkt der Attraktionen, besuchen sie uns und lassen sie ihre Sorgen vor der Tür. Wir machen Musik für das Vergessen! Die Frau mit Bart ist unser Sänger, grummelt unartikulierte Vokale in ein altes Kohlenmikrofon, verwandelt sich auch spontan und zur Freude der Besucher in einen grünen, giftspeienden Zwerg mit zusammengewachsenen Augenbrauen. Gitarre kann das phänomenale Zwitterwesen und spektakuläre Gestaltwandler auch spielen, reißt brutale Riffs genauso gern mit der voll besetzten Bar um, wie er ausufernde Solis mit beachtlicher Präsenz mag. Zudem variieren fliegende Obertöne in akustischer Auffälligkeit. Der Besuch der hohen Künstlerschule für Death / Grind Abiturienten hat er als Hausmeister vom Werkzeugschuppen aus gesehen, und durch viel Engagement und seine perverse Neigung durch die beschlagenen Fenster der Umkleide zu spicken, das Handwerk besser begriffen als manch ein Selbstüberzeugter. Am Schlagzeug sitzt der Schießbudenbesitzer, ein grimmiger Einäugiger, der seine Hütte mit Decken verhangen hat, um im Verborgenen zu trommeln. Leider hört man dem Sound auf diese Art deutlich an, wie dumpf und leer es tönt, wenn sich jemand zu arg versteckt und das Licht scheut. Von blechernen Tönen und verschluckt vom bärtigen Gitarrenhybriden erdrückt, macht das keinen allzu positiven Eindruck. Der verbirgt sein Können aus unerfindlichen Gründen. Bei unserem  Bassisten schließlich handelt es sich um den dürren Messerschlucker, der leider schon zu viel rostigen Stahl runter würgen musste. Das hat ihn zu einem daueraggressiven Seitenschnipser gemacht, dem es egal ist, was seine Kollegen gerade anstellen, der will nur blutig morden. Deshalb ist er manchmal wahrscheinlich gar nicht am Set. Als kleines Ganzes und nach 10 Jahren in der Deckung, macht das Trio trotzdem ein bisschen was her, ist vor allem brutal, kann in verschiedenen Geschwindigkeiten die Seifenkiste schlingernd durch tückische Kurven lenken und sorgt für den einen oder anderen Augenaufschlag des Erstaunens. Denn einiges an Präsentiertem erwartet der Besucher nicht zwangsläufig von einer Fleischercombo. Allen voran die erwähnten Solis, aber auch Akustikanteile. Vor allem aber setzt das Unternehmen „Spaß für Blut KG“ auf Blast und Grooves. Somit ist der Unterhaltungswert um ein Mehrfaches größer als der musikalische Wert, was Adepten des brutalen Knüppeltodes aber nicht davon abhalten sollte, die Manege zu besuchen und das französische Trio Infernale in Aktion zu erleben. Dass das Album vielleicht doch noch etwas unausgegoren ist, liegt möglicherweise an der Tatsache, dass die Musiker sich noch in anderen Bands von Gore bis Black verlustigen und ihnen so etwas die Objektivität fehlt. Ich würde ungeachtet dessen empfehlen, der runzligen Alten im Kassenhäuschen genügend Kleingeld in die Holzschale zu schmeißen und den Auftritt genießen. 
6/10



Saturday, September 29, 2012

EUGENIC DEATH - Crimes Against Humanity - Cd / Heaven & Hell Records




Die Bay Area war einst das Mekka und Namensgeber der amerikanischen Variante des Thrash Metal. Auch wenn der Glanz der vergangenen Tage etwas stumpf geworden ist, der Virus tut seine Arbeit immer noch. Alte Bands gehen wieder auf Tour und Neue machen ihre Schwimmübungen im großen Raubfischbecken. Dazu gehören ab sofort auch Eugenic Death, die alles genau so machen, wie es in der Hochzeit des Thrash auf dem Programm stand. Da haben wir einen Sänger, der auf dem Wellenkamm der Rhythmen reitet, jedes Auf und Ab seiner Hintermänner mit rauer Stimme kommentiert. Nebenbei angenehm zu hören, dass er uns den hohen Falsett erspart. Unter ihm schwimmt der Gitarrenhai, die Kiefer herausgeschoben, Augen zurückgerollt, bereit zum Beute machen. Er ist noch etwas dünn und ein gutes Stück davon entfern, ausgewachsen zu sein, aber er ist schnell. Bei den Riffs ist die gewollte Hektik besonders gut zu spüren. Zwar sind die nun nicht unbedingt Neuland, klingen eher wie Vertraute aus der 2. Reihe, dafür ist jeder Seitenumgriff durch ein Quietschen quasi sichtbar. Gas geben ist Essenz! Die Solis sind um einiges souveräner, die Kür scheint besser zu laufen als die Pflicht. Seine Gitarre auf den hohen Seiten zu liebkosen und ihr gedrosselte Melodien zu entlocken, schein die wahre Leidenschaft des Zupfers zu sein. Bestes Beispiel ist Epitaph, indem der Oscar für die Hauptrolle an den Kandidaten an den 6 Saiten geht. Der Gitarrensound ist im Gesamtpaket leider etwas mager, wird vom Sänger gern mal geschluckt. Dann ist da im Tümpel noch irgendwo ein Bassrochen, der aber relativ unauffällig seine Bahnen am Boden zieht, vor sich hin knäckert ohne zwingen auf seine Anwesenheit aufmerksam zu machen.  Der ist da vielleicht nur am Planschen, um den Rhythmus zu unterstützen und ohne individuelles Entscheidungsrecht seinen verdammten Job zu tun. Das Schlagzeug wird von einer Batterie schwer kontrollierbarer Zitteraale angetrieben, die nicht ganz auf der Höhe sind und so manchen Stromstoß ins Leere abfeuern. Prägnantes für Eugenic Death wären also die Leads eines fröhlich, aggressiv reisenden Gitarristen und die Stimme des Sängers, der die Regeln kennt und seine Stimmfarbe so formt, dass sie eben nicht gleich mit Thrash in Verbindung stehen. Für eine Band, die sich eben erst auf die Reise macht, sind sie trotz aller, vielleicht kleinlicher Kritik, sehr flott unterwegs. Auf den Punkt gebracht, spielt das Quartett ein Album für Kandidaten aus den 80ern, die den alten Zeiten aus nachvollziehbaren Gründen nostalgisch nachweinen. Sei es weil die Szene einst eng und überschaubar war, sei es in Trauer um die dahingegangene und nie zurück gekehrte Jugend, mit Crimes Against Humanity öffnet sich zumindest der Vorhang zum Kopfkino, mit Stretch, Leder, seltsamen Haarexperimenten und all dem Kram. In diesem Sinne haben 4 Musiker einen Topf mit Erinnerungen aufgesetzt und sind gerade dabei, das richtige Gespür für eine in die Jahre gekommene Generation zu entwickeln. Gutes Album, noch ohne wirkliche Akzente, dafür temporeich und mit einem talentierten Gitarristen auch abwechslungsreiche, unbedingt ausbaubedürftig, aber bereits beziehbar! 
6/10

Thursday, September 27, 2012

EVIL ENTOURAGE - The Opposition - Mcd / Chaos Records



In Mexiko brennt der Mais. Zeugen haben berichtet, der Leibhaftige selbst sei mit panischem Blick und einer Regenrinne voll Schweiß auf der Stirn durch die Felder gehumpelt. Einig waren sie sich auch, dass er seinen geblähten Bauch mit seinen Klauen umschlossen hatte und furzte wie ein mongolischer Steppenesel. Mit seinen rückwärtigen Gasimplosionen soll er die Flammen immer wieder neu auflodern lassen haben. Die örtlichen Feuerwehren seien zudem maßlos überfordert und die Bundesregierung hat den Tortilla – Notstand ausgerufen. Ursächlich für das Chaos könnte die Großmutter des Fürsten sein, da sie ihm ihr berüchtigtes Lava – Chili aufgetafelt hat, diesmal wohl sogar angereichert mit extra importierten Texas Austern. Es besteht aber auch die Möglichkeit, dass die Quelle der Panik bei 4 einheimischen Musikern liegt, die Herr Teufel in seinen Club „Omis Brutzelstübchen“ geladen hatte um ihre neue Mini Cd zu performen. Aus jener wollte er sich ein Stück aussuchen, für ein Mix Tape (zum an willige Geschlechtspartner verschenken), aber vorher eben erst die Live Energie am haarigen Leib spüren um Tauglichkeit oder Schwachstellen auf die Schliche zu kommen. Einen Namen für die Kassette hatte er schon im Hinterkopf; „Hell is here, dunkel is woanders“, und der Vertrieb erfolgt über Ziegenfuß Records. Limitierte Auflage, versteht sich, 999 Stück. Herr Teufel hat bei Vertragsunterzeichnung an der falschen Seite des runden Tisches gesessen und seine Brille verkeilte sich zudem in den Hörnern (Notiz an Fußpflege machen!). Aber zurück zum Wesentlichen; als er es sich auf seinem Knochenthron bequem gemacht hatte, die Beine lax über eine Armlehne geschwungen, bat er die Truppe namens Evil Entourage doch mal unverkrampft loszulegen. Und das haben die dann gemacht und alten amerikanischen Death Metal durch den Salon gebrüllt. Es holperte und rumpelte mit blasphemischer Ungeduld und aggressiver Grundeinstellung, es röhrte und huldigte dem Herren in Fliegenpalast den warzigen Hintern. Von schnellen Nummern bis zu Mid Tempo Fantasien sammelt sich in der kurzen Darbietung beinahe alles, was sich hinter dem Synonym „brutalste Maus von Mexiko“ versteckt. Straight durchgezogen, mit einem Interlude für Frauen mit Interesse an klassischen Tönen und brennenden Menschen, um die Quote nicht zu versauen, hat das Werk durchaus Überzeugungskraft, verbindet alles, was Death Metal benötigt, der ohne langes Rumzicken auf den Punkt kommen will. Etwas überrascht war Herr Teufel am Ende bei „Eternal Disease“, das mit ganz anderem Sound seinen linksseitigen Pfad in die unheilige Präsentation fand. Die Gitarre klingt wesentlich fetter, bassbetonter und tiefer und wie leicht ließe man sich täuschen, es plötzlich mit einer anderen Band zu tun zu haben, würde der Frontmann mit seinen Growls nicht für Wiedererkennung sorgen. Nach knappen 20 Minuten war alles vorüber und der Meister war durchaus positiv angetan. Zu bemängeln hatte er im Grunde wohl den Titel der Cd „ The Opposition“. Der passt so rein gar nicht zu einer straffen Höllendiktatur, und Meinungsfreiheit unter dem Zepter des Gehörnten gäbe es sowie so nicht. Ob es dadurch einen Disput gab, oder worin sich das Fluchtverhalten des Unterirdischen tatsächlich begründet, bleibt der Öffentlichkeit bis dato verborgen. Sollten die Musiker aber daran ihren Anteil tragen, dann Respekt Leute, dieser Fakt verpflichtet beinahe zum Erwerb des kleinen Höllenintermezzos. 
7/10