Tuesday, February 28, 2012

NOCTURNAL TORMENT - They Come At Night - Cd / Deathgasm Records


Herr hilf … hilf mir zu verstehen! Dieses Quartett soll sich tatsächlich zu einer Zeit gegründet haben, als ich anfing meine Lehrstelle zu hassen und mich als halbrevolutionärer, langhaariger Ungestümer hinter einem antifaschistischen Schutzwall vor den Gefahren kapitalistischer Dekadenz in Sicherheit wähnte. Und dann kommen die heute mit ihrem Debüt – Album aus dem Tee? Das zieht doch den Geruch extremer Verwesung hinter sich her. Ich bin mit schon im Klaren darüber, dass Amerikaner nicht zu den Blitzmerkern auf unserem wunderschönen Planeten gehören, aber dieses Tempo ist in gewisser Weise umgekehrt beeindruckend. Gut, es steckt wahrscheinlich noch eine andere unbekannte Größe dahinter, die sich mir erfolgreich entzieht, aber der Eindruck eines akuten Falles von kollektiver Midlifecrisis ist doch wohl nicht von der Hand zu weisen. Auf der anderen Seite sind ihre Ambitionen in Sachen amerikanischer Old School Tod wohl aber als über die Maßen authentischer Gitarrensägeevent glaubhaft. Schließlich haben sie in ebenjener Ursuppe gerührt, als eine junge Szene gerade im Aufbruch begriffen war. Dumm nur, dass sie auf ihrem Bahnhof, irgendwo in Indiana sitzen geblieben sind, als der Zug mit all den kommenden Größen donnernd davon gerast ist. Ihr hättet einsteigen sollen, heute ist die Infrastruktur metallischer Schienenstränge dermaßen expandiert, dass es beinahe egal ist, ob irgendjemand irgendwo, sogar mit außergewöhnlichen Fähigkeiten und viel Lob im Rücken, noch zusteigt. Verpasst ist verpasst. Einst hättet ihr mit eurer Leidenschaft vielleicht noch ein bisschen Kleingeld abgeschöpft, heute ist die Musik häufig nur ein Datenpaket im Internet, für jeden zum Klauen frei. Und wenn ich meine geschätzten Hörwerke dichter an das Album lege, bin ich der festen Überzeugung, in den alten Zeiten wäre wirklich was drin gewesen. Die alten Arthroserecken haben es zwischen rumpelnden Rhythmen, matschigen Riffs, produktiven Sputumgrowls und klassischen disharmonischen Solis irgendwie drauf. Sie halten bei allen Stücken die Zügel recht straff und spielen ein konsequent hohes Tempo, die Gitarren landen ein paar Hooks und ein Gefühl wohliger Vertrautheit fließt den alternden Kadaver hinauf. Das natürlich im positiven Sinne, denn den Vorwurf des Plagiats kann man hier nur schwerlich anbringen. Ich will zugeben, dass ein musikalischer Leckerbissen anders aussieht und klingt, jedoch habe ich beschlossen, den Vorstoß in eine verlorene Jugend gut zu heißen und jedem eine 2. Chance zuzugestehen. Bezugnehmend auf den Albumtitel haben sie es eigentlich nicht nötig, sich im Dunkeln zu verstecken, wo sie doch so souverän mit beiden Beinen in einem Sumpf aus Blut und staubigen Knochen stehen, der alles beinhaltet, was eine Death Metal Band ausmachte, inklusive diverser Verweise in Richtung Thrash Attitüde. Bin mal gespannt, wie lange die Luft reicht, Skepsis sei erlaubt … trotz vorhandener Qualitäten.
6/10

Monday, February 27, 2012

KING - Forged By Satan's Doctrine - Cd / Deathgasm Records


Diese den Gehörnten anbetenden Typen aus Kolumbien haben sich doch bestimmt die Birne mit Schnee der Hausmarke zugedröhnt. Wie sonst könnte jemand in fahrlässiger Selbstüberschätzung im Strom von Bands wie Morbid Angel oder Deicide schwimmen wollen, und dabei so dümmlich sein, die Luft in den Schwimmflügeln nicht zu überprüfen. Hail to the King? … ich glaub nicht. Zum einen ist der ganze Satanskram irgendwie überholter pubertärer Unsinn, den keiner außerhalb einer Hirngeschädigtengruppe mehr ernstnehmen sollte. Die hier predigen unter unseliger Vermischung mit dem Lovecraftschen Universum, schwarzen Flammen aus der Hölle. Und das mit dem Versuch einer doppelvokalen Ernsthaftigkeit, dass ihnen der Leibhaftige sprichwörtlich aus der frontalen Rosette springt. Albern irgendwie ! Und zum anderen ist die Musik, die technisch wahrscheinlich nicht mal schlecht ist, so arm an eigenen Ideen, dass jemand der von Kreativität leben müsste, schon in seiner letzten Existenz, quasi rückwirkend verhungert wäre. Dazu ist das dann noch mit Blechhütten – Sound zu ertragen. Empfehlenswert ist das Album ausschließlich jenen, die sich die Festplatte unter unbekannten Zwängen wollknallen müssen, Death Metal Monks ohne Natalies´. Ich kann und will doch gar nicht daran zweifeln, dass das unheilige Quartett in überaus böser Absicht handelt und festen Herzens daran glaubt, mit „Forged By Satan's Doctrine“, die Feuer der Hölle zu schüren und ein gänzlich neues Brandeisen zu schmieden, dass den gebeutelten Christen ein weiteres mal übergezogen gehört. Aber mal ehrlich, wer so schwach auf der Brust und im Kopf ist, und lediglich die großen Vorbilder schlecht kopiert, bringt ganz sicher nur den Heiland dazu, sich vor Lachen am Kreuz zu biegen. Beinahe alle Songstrukturen, von Aufbau über Tempovariationen bis hin zu Konzept und vokaler Intonierung haben andere vor Jahren wesentlich überzeugender dargeboten, einst sogar als Novum etabliert. Das hier ist eher wie eine drittklassige deutsche Fernsehserie, die den Erfolg wesentlich teurer amerikanischer Vorbilder abgreifen will und damit zwingend scheitern muss. Die werfen mit Begriffen wie blasphemisch und unheilig, Hass und dem ultimativen Bösen herum, was nur die Vermutung nahe legt, dass alle Vier noch zu Hause wohnen und ihre geschwungenen Hörner auf dem Weg zum Erwachsenwerden nicht schnell genug abstoßen können. Mit so einer Attitüde purzelt dann halbwegs gare und verträgliche Musik vom Drogendumper, die aber vom nachfolgenden sofort wieder überrollt wird. Ist nicht wirklich schade drum. Solltet sich jemand wider Erwarten für mittelmäßige Blaupausen begeistern können, dann kann ich auch nicht mehr helfen, im Zweifelsfalle holt aber lieber die alten Platten der Originale vom Speicher!
4/10

Saturday, February 25, 2012

MASSIVE ASSAULT - Death Strike - Cd / FDA Rekotz


Der Mensch in seiner Unrast ist über Zeitalter immer der Suchende gewesen. Das ist der Grundstein, der uns von all dem was sonst so kreucht und fleucht unterscheidet, das ist eine Gabe und ein Fluch zugleich. Wir suchen nach wahrer Bestimmung, dem Sinn des Lebens, dem Weltenkleber, der das große Ganze zusammen hält, nach Gott und häufig nach passendem Kleingeld im viel zu leeren Portemonnaie. Jeder einzelne ist bewusst oder unbewusst ein Suchender nach der eigenen Bestimmung. Und so verhält es sich natürlich auch mit der niederländischen Abrissfirma MASSIVE ASSAULT. Die suchen in erster Linie den Punk im schwedischen Death Metal. Es gibt nicht unbedingt viele Bands die eine Musik mit so vielen Möglichkeiten auf so wenig reduzieren und trotzdem richtig gutes Material produzieren. Das Gitarrengewitter verinnerlicht dieses typische Entombed / Dismember Ding, mit locker gespannten Därmen die wie besoffen auf´s Klampfenholz knallen. Der Basssound ist das Zentrum der Macht. Aber wenn ihr auf die Stimme des Sängers achtet und euch zum Grundprinzip der Songs durchhört, dann entdeckt ihr eine Crust – Band mit Elchbleisound. Das ist etwas, das vor Coolness und Abgebrühtheit strotzt, dabei wenig liebebedürftig erscheint und sinnbildlich mit hässlicher, eiskalter Fratze um die Ecke der Seitengasse lunscht, um auf den Bordstein kommerzieller Bestrebungen zu spucken. Mit dieser vermuteten Einstellung stampfen 9 Songs staubtrocken und massiv räudig mit maximaler Schwere über das Antlitz des geweihten Metal Ackers. Was auffällig erscheint, sind die kurzen Gitarrensoli, die viel mehr von klassischen Rock Bands haben, als sich die meisten Genrebands zutrauen würden. Auch der melodische Aspekt wird nicht ausgeklammert, wenn er auch nicht unbedingt der Fokus der Musiker sein dürfte, ohne jedoch steht das Gesamtbauwerk rein statisch auf Treibsand. Bezüglich des Tempos der Musik und der Gewichtigkeit des Sound haben wir es ein weiteres mal, mit dem Prinzip Güterbahnhof zu tun, wenn Wagen zusammen krachen und Hemmschuhe quer über die Gleisanlage fliegen, wenn sich ganze Wagenverbände anfangs zähflüssig in Verbindung setzen und andere am Limit einfach durchrasen. Wer mal neben einem Verschiebebahnhof genächtigt hat, wird diese Geräuschkulisse noch in den Ohren haben. MASSIVE ASSAULT machen alles richtig, verehren die alten Helden und überlassen gedankenloses, zu ehrerbietiges Kopieren anderen. So gelingt ein herrlich unangepasstes Album mit einigen Highlights und dem lobenswerten Spaß am Lärm machen. „Death Strike“ ist ein absolut straff geschnürtes Paket aus bollernden Bässen, wild rammelnden Trommeln, grölenden Vokalereiferungen und verflixt tief hängenden 6 Saiten mit dem Mut das 3 Akkorde Prinzip in den Death Metal zu transportieren und transformieren. Genau genommen erfindet sich hier nichts neu, die Holländer packen ihre Lieblingsmusik lediglich an der Wurzel und züchten daraus eben ihren eigenen Sprössling. So was nennt man Rock´n Roll, jawoll!
8/10

Saturday, February 18, 2012

FUNERAL WHORE - Step Into Damnation - Cd / Chaos Records


Stumpf ist Trumpf, dieses Konzept praktizieren die Holländer FUNERAL WHORE nach diversen Demos und Kleinvieh nun auch auf ihrem Debüt. Dass sie dabei ihre eigenen Produkte in den Wind einer Band wie Asphyx stellen, um das Aroma in die vorgesehene Richtung wirbeln zu lassen, ist durchaus legitim. Und dass der Boden, über den das komplette Album stampft, bei jedem Schritt vertraute Eindrücke hinterlässt, erhält eher nostalgische Präferenz vor dem Vorwurf innovativer als das Original zu sein, als dass es irgendwie negative bekleckert wäre. Was dann selbstreden genau so vermessen durchdrückt, sind Grave und ihre beinahe primitive Beharrlichkeit, das Umland mit möglichst rohen Tönen zu verwüsten. Funeral Whore wissen also bei wem es lohnt, etwas von der Flaggschiffbonität abzukratzen, und es wie eine Hommage mit den Knien im Staub aussehen zu lassen. Ergötzt euch an 11 echten Mid – Tempo Abrissbirnen, mit nahezu morbider Transparenz, doomiger Tränendrüsendruckwahrscheinlichkeit, vielen simplen und deswegen markanten Hooks und dem unbedingten Willen, den Göttern zu dienen. So manches Riff hat was von der Präsenz einer Band wie Bolt Thrower, vielleicht sogar Slayer, zweitere natürlich vollkommen anders intoniert. Das alles erweckt den Eindruck, die Band will sich in Zukunft keinesfalls mehr mit Krümeln abgeben, geschweige denn an halbgarer Selbstüberschätzung zugrunde gehen. Die löffeln direkt aus der Mitte der Schale und nehmen den Mund richtig voll. Somit lassen sie das alte Europa des todeszeitlichen Musikfrühlings wieder aus der Asche der kommerziellen Resteverwertung auferstehen, und belohnen uns, ähnlich wie die genialen Undergang oder Mordbrand mit konzentrierten Nackenschlägen ohne Spielerei, ohne polierte Fassade, ohne überzogene Staffage. Die Söhne (und Schwester) der Tulpe wirken in jeglicher Hinsicht authentisch, bestimmt nicht nur wegen des blutigen Raubzuges durch die jüngere Musiklandschaft, von dem sie hoffentlich auch nicht so schnell zurück sein werden. Sollte allerdings irgendwer so langsam den Kanal von all diesen sogenannten Retro Bands voll haben, hilft auch bei Funeral Whore nur umstellen. Denn die stehen breitbeinig und mit festem Stand zu dem was sie da mit ihren Instrumenten verzapfen. Die lassen es lieber rumpeln wie 10 geplatzte Säcke Kohle auf dem Weg die Kellertreppe hinunter, als sich dem technisierten Zeitgeist moderner Vermarktungsstrategien zu opfern. Schönfärberei hilft da kaum, „Step Into Damnation“ ist purer Friedhofssound mit rauen, monotonen Growls und tiefer gelegter räudiger Gitarre, höllischen Bässen und holprigem Schlagzeug. Somit steht fest, dass das Ding nur einen Zweck erfüllt, seine bereitwilligen bis überraschten Opfer in die Steinzeit der Szene zurück zu prügeln. Auch wenn das gemessen am Erdalter nicht mal die Idee eines Wimpernschlages ist.
9/10

Friday, February 17, 2012

EMPATIC - Gods Of Thousand Souls - Cd / Terrasound Records


Bereits 2010 erschienen, erhält das Debütalbum der osteuropäischen Nach – Westen – Gucker heuer via Terrasound Records ein paar zusätzliche Stromstöße, um den Kadaver nicht allzu schnell dem Vergessen todmetallischer Friedhofserde zu überantworten, und die Gliedmaßen in melodischem Stakkato eines anständigen Bleiregens noch einmal tanzen zu lassen. Und tanzen sollen sie, denn die Musik ist nach 2 – 3 Durchläufen doch besser, als der erste oberflächlich bis ignorante Eindruck vermuten ließ. EMPATIC sind wie Kinder auf einer Geburtstagsfeier, die beobachten sich gegenseitig und lernen schnell, was den anderen schmeckt, was am buntesten ist und wonach es lohnt, möglichst noch vor den lästigen Mitkonkurrenten - Blagen zu grapschen, um so größtmögliches Interesse zu wecken. Das Ergebnis sind dann 5 Erwachsene mit pubertärem Enthusiasmus und einer unglaublichen Armspannweite in übertragenem Sinne, mit der sie sich aus dem tödlichen Potpourri gleich mehrerer Kontinente bedienen. So steht in Bezug auf den melodischen Faktor wohl eher der skandinavische Norden Pate, das schwerere Riffgeschütz fußt hingegen auf dem Boden des neuen Kontinents. Gelungen ist beides und gipfelt in eine handfeste Melodeath – Bollerscheibe mit angenehmen Old School Verweisen. Schön auch, dass die dramatischeren Parts jeglichen modernen Schmusekurs vermeiden, die Songs immer in ihrer prinzipiellen Grundhärte bestätigt bleiben. Vielleicht hätte der Sänger sich bei seinen Growls etwas mehr zurück nehmen sollen, denn sein harter Dialekt stößt ab und zu doch mal auf, aber eigentlich passt das alles ganz gut zusammen. „Gods Of Thousand Souls“ ist prima kaubar und verdaubar, bleibt nur selten im Prozess stecken und verlangt vom Konsumenten nicht allzu viel Überwindung beim abbeißen. Mid – Tempo geht fast immer, da soll sich niemand beschweren. Was mich dann doch einigermaßen überrascht hat, ist OMDs´ Coverversion von „Enola Gay“. Wer bitte kommt den auf so was. Wenn das Cover beinahe noch fröhlicher und unbeschwerter klingt als das Synthie Pop Original, wird es einigermaßen befremdlich und stellt den voran gegangenen Verlauf des Albums etwas auf den Kopf. Zumal das Thema des Songs alles andere als Ringelreihen – Besamung ist. Na ja, wer weiß was so eine Horde polnischer Mitbürger nachzuholen hat, wir sollten sie lassen, bevor wir uns in philosophische Konflikte stürzen. Uns sollte es erst mal reichen, mit einer ausgewogenen Symbiose aus Verspieltheit und kalkulierten Nackenbrechern in den Sonnenuntergang zu reiten. Und da ansonsten keine wirklichen Ausfälle in den Staub getreten werden müssen, ist der Galopp ins Abendrot auch als bedenkenloser Wiederholungsakt empfehlenswert.
7/10

Thursday, February 16, 2012

SPHERE - Homo Hereticus - Cd / Masterful Records


SPHERE sind eine der vielen Bands jenseits der Oder Neiße Friedensgrenze, die im Schatten der polnischen Großen stehen. Auch mit ihrem 2. Album nach 10 Jahren zielstrebigen Herumexistierens werden sie nicht an VADER, BEHEMOTH und DECAPITATED vorbei kommen. Sollte dies von vornherein nicht die Intention des Warschauer Fünfers gewesen sein, entblättert sich uns jedoch ein nicht gänzlich belangloses Album. SPHERE bestücken ihre Variante des Death Metal mit einigen groovigen Hooks und eher thrashigen Gitarrenriffs, jonglieren ganz geschickt mit Tempovariablen und schrauben so manchen Schädel rigoros von unaufmerksamen Schultern. Sie setzen in den langsameren Parts auf Atmosphäre, vermeiden jedoch allzu düstere Morbidität. Das alles ist kaum als ungewöhnlich liebzuhaben, versteht sich aber ganz sicher als Todesblei mit Rückgrat. Die Stimme von Sänger „Analripper“ (Kommentar überflüssig) erinnert mich häufig an Martin Schirnec, was nicht so ganz passen will, da die Musik weder dreckig noch rockig genug ist, um diesen speziellen Groove darüber zu legen. Ab und an ertönt auch vokales Schweinetreiben, was noch weniger stimmig ist, und mit dieser Art durchdachten, eher transparenten und nicht durchweg brutalen Death Metal kaum was zu tun hat. Was dann wieder den Nerv ziemlich zentral erwischt, sind die Samples, die wohl eigens für das Album entstanden sind und getimt platziert wurden. „Homo Hereticus“ präsentiert sich als gewachsenes und stabiles Album mit so einigen Kanten und noch mehr sympathischen Ecken. Der Wiedererkennungswert einzelner Stücke oder Passagen dürfte recht hoch sein, auch wenn man wahrscheinlich nicht gleich wissen wird, welche Band das wo geklaut, geschmettert, gespielt oder komponiert hat. Dafür fehlt dann doch die persönliche Note. Das mach die Cd aber nun nicht schlechter, mit „Homo…“ kann der geneigte Konsument durchaus Spaß haben, sich von Death und Thrash vermöbeln lassen und ein paar technische Finessen in einer generell durchschaubaren Struktur auf sich wirken lassen. Ein typisches Trademark dürften die primitiven Stakkatoriffs sein, die von prägnanten Thrashleads durchpflügt werden wie die die Titanic das kalte Wasser des Nordatlantiks. Die Blastparts stehen der Band etwas besser, da hier allen musikalischen Aggressionen freien Lauf gelassen wird und die Band für dieses Geprügel eindeutig geschaffen ist. Der viel zu kurze Rausschmeißer „War“ zum Beispiel rüttelt mächtig an den Grundfesten metallischer Existenz, wenn er so haltlos auf die Tube drückt. Aber die Polen wollen sich halt nicht limitieren lassen und sehen wahrscheinlich das große Ganze, was ich gern positiv anrechne. So solltet ihr euch auf 12 eingängige und interessante, wenn auch nicht unbedingt herausragende Songs einstellen, und den dreisten Versuch der Polen unterstützen, gestandenen Größen respektvoll ans Bein zu pissen!
7/10

Wednesday, February 15, 2012

CARNALATION - Deathmask - Cd / Spinefarm Records


CARNALATION aus Finnland ist ein noch recht junges Death Metal Schaustück, haben letztes Jahr ihre erste Ep veröffentlicht, und damit scheinbar einen ganzen Beutel mit guten Kritiken nach Hause geschleppt. Jedenfalls hat es für einen Vertrag mit Spinefarm Records gereicht, und dafür, sich mit Peter Tägtgren wegzuschließen, und ihr erstes komplettes Album einzuhämmern. Was dann dabei heraus gekommen ist, dürfte für mehr als anerkennendes Kopfnicken reichen. „Deathmask“ ist vollgepackt wie die Geburtstagstorte der Königin von England. Schicht für Schicht ergibt sich ein immer komplexer werdender Eindruck, der nur mit geübter Hand und scharfem Messer angegangen werden darf. Und so ist dann auch der Sound, den der Meister aus den Stücken heraus geholt hat, messerscharf, fast schon zu clean. Musikalisch dürft ihr euch auf eine massive Vollbedienung anspruchsvolleren Death Metals´ freuen, denn es gibt zwanglose Härte, technische beeindruckende Songs, progressive Ausschläge auf dem Messgerät künstlerischer Transparenz, und eine betont dezente Portion Groove. CARENALATION stehen auf Bands wie DECAPIATED, KATAKLYSM, ABORTED, SUFFOCATION bis hin zu MESHUGGHA und REVOCATION. Die haben im kalten Norden ganz offensichtlich keine Probleme mit Unterkühlung, feuern ein überhitztes Geschoß nach dem anderen aus ihren Rohren. Schon allein der Drummer hat enorm zu tun, so dass es mich wirklich mal interessieren würde, ob der das live auch so hinbekommt, wenn Studiotricks nicht mehr greifen. Bis auf den letzten Song, offenbart das Album eine permanente Vollbedienung in Sachen Geschwindigkeit, ab und an unterbrochen durch HC - lastige Grooves oder sekundär melodiöse, eher hektische Gitarrenriffs. Obwohl sie ein ziemlich brutales Regiment auf „Deathmask“ anstreben, ist das Album nicht weniger variabel, was auf Instrumentierung und Gesang zutrifft. Das Ende wird dann durch eine etwas längere Nummer mit epischen Ansätzen gekennzeichnet. Das passt wohl auch konzeptionell zur vermuteten Kernaussage der Platte. Die soll wohl heißen, die Menschheit ist im Arsch und selber schuld. Gut, das ist kaum prophetisch, aber was passt besser zu einer Death Metal Band mit gesteigerten, persönlichen Ansprüchen. Inhaltlich dürfte die Mehrheit der Leute eh an der Musik interessiert sein, und die klingt trotz der recht kurzen Bandvita sehr erwachsen und weit ab von belanglosen Spielereien aus der Mottenkiste der Selbstkopien. CARNALATION haben erstaunlich viel Energie, die sie in ihre wohl strukturierten und nie fade werdenden Songs fließen lassen, und es bleibt zu hoffen, dass die nicht so schnell den Faden verlieren! Wem kompakter Death Metal mit Core – Elementen nicht fremd ist, wird Spaß an der Scheibe haben!
8/10

Sunday, February 12, 2012

AXT / BLUTHUF - Split / 7 - 7 Degrees Records


Axt und Bluthuf, der eine klingt simpel, der andere irgendwie gaga. Die Simplen machen es der A Seite leicht, die Töne in der Rille zu behalten. Axt ist schnelles und intensives Hardcorepunk Vergnügen, schrill, hektisch und in 3 Akkorden abgetan. Genau die richtige Pöbelei, mit der sich ein halbwegs organisierter Punk gern schmückt, um sein sozial derangiertes Umfeld in einer geschätzten Spielzeit um eine Minute, zu zertrümmern. Der künstlerische Nährwert der Stücke liegt ungefähr bei dem Kaloriengehalt eines halben Bechers Magerquark. Das spielt bei den Neubrandenburgern aber wohl keine tragende Rolle, denn innerhalb dessen was das Genre hergibt, loten sie ihre Möglichkeiten immer noch ganz passabel aus. Und deswegen hat die A – Seite noch genug Speck auf den dürren Rippen, um den Hörer wiederholt dazu zu bewegen, den Plattenspielerarm noch mal auf Anfang zu knallen. Ist irgendwie auch geschickt. Gaga geht’s auf Seite B weiter. Bluthuf schippern beinahe im gleichen abgefischten Dorfanger, mit zwei wesentlichen Unterschieden. Sie bedienen sich für ihre lyrischen Ausbrüche der deutschen Sprache, die Texte werden angenehm verständlich. Und sie brauchen ungefähr doppelt so lange, bis sie sich entschließen können, ein Stück zu Ende zu bringen, was das Geschmetter auch etwas variabler macht. Der Sound ist zudem auch nicht ganz so grell, aber das bleibt eher nebensächlich. Die Musiker an sich rödeln schon geraume Zeit in der Szene rum, gehören doch Autoritär und Egal zur Vergangenheit von Bluthuf. Die 3 gefühlsmäßig grauen und blutenden Nummern sind auf anarchische Weise tanzbar, musikalisch primitiv und zweckerfüllend. Ein Wunder, dass irgendjemand bei solch negativer Ausstrahlung, lyrisch wie musikalisch noch Spaß daran empfinden kann. Bluthuf gehören zu der Sorte Bands, die ohne Maulkorb und Scheuklappen durch die Republik stürmen, wahrscheinlich auch was zu sagen haben, und trotzdem auf üblen Radau reduziert werden. So Gaga ist das was die Brüder anbieten, dann gar nicht mehr. Generell würde ich sagen, für eine 7er wie diese darf gern etwas Kleingeld ausgegeben werden. Abstriche irgendwelcher Art könnt ihr euch ersparen, wenn ihr nicht erwartet, dass die Bands im Wettkampf um die Goldene Stimmgabel konkurrieren. Lasst euch lieber mit Schutt und Dreck bewerfen und stellt euch dem wirklichen Leben. Gut, ob die euch dabei jetzt in psychologischer Weise tatkräftig unterstützen können, sei dahin gestellt. Tristesse und Monotonie, denen einst schon Ton Steine Scherben mit Verachtung begegnet sind, lassen sich mit dieser Mucke jedoch prima in die hässliche Fratze brüllen! Ziel erfüllt, denke ich.
6/10

Saturday, February 11, 2012

WAKE - Leeches - Lp / 7 Degrees Records


Wake sind Kanadier, die auf ihrem Debüt Grindcore und Hardcore vermischen, dabei vielleicht nicht unbedingt an irgendwelche Meilensteine der Musikgeschichte pinkeln, aber trotzdem ein musikalisch recht provokantes Eisen im Feuer haben. Soll heißen, die 14 Stücke bieten mehr als nur einfaches drauf los brettern. Interessant gestaffeltes Songwriting, zumeist rasendes Tempo und technisch gesehen auch mehr als nur 3 Akkorde Punk. Der Sänger scheint mit seinem rauen Gekeife der Geschwindigkeit der ihm im Nacken sitzenden Instrumente entkommen zu wollen, das erscheint zwar hoffnungslos, passt aber ins Gesamtbild. Diese Tatsache lenkt unsere Aufmerksamkeit auf Bleifüße und strapazierte Gasbautenzüge. Die große Ausnahme stellt dann wohl der Titeltrack dar, der die meiste Zeit wuchtig, schwer und doch relativ gemäßigt anzuhören ist, gut das läuft im Wechsel mit chaotischen Ausbrüchen, aber immerhin. Die A – Seite endet vermutlich nur deshalb so, weil die wollten, dass auf der anderen Erwartungshaltung und Gewöhnungseffekt durchgerüttelt werden wie löchrige Socken im Wäschetrockner. Vielleicht geht es ihnen doch nur darum, fremden Leuten das Fell zu gerben. Bei so einem präzisen Bandnamen hätte das offensichtlich sein müssen. Die treiben sogar ihren einheimischen Bärenpopulationen den Winterschlaf aus, so dass die haarigen Fressmaschinen grimmig und unzufrieden auf der Suche nach den Musikern sind, um blutige Rache zu nehmen. Kann ich ihnen nicht übel nehmen, ich möchte von solch durchgedrehtem Aggrokrempel auch nicht von den warmen Kissen geschleudert werden, das weckt in ungünstigen Momenten Aversionen gegen die künstlerische Freiheit im Allgemeinen. Nun gibt es aber auch genug verzweifelte Kameraden, die sich in Begleitung eines anständigen Grindfiaskos noch vor Sonnenaufgang mit Kaffee und Kippe auf die keramische Abteilung zurück ziehen, und alles zusammen dringend benötigen, um den Tag unbelastet in sein Antlitz starren zu können. Für die ist „Leeches“ gemacht … glaube ich. Alle anderen, vernünftigen Zweibeiner so wie ich … vermutlich, warten damit bis nach dem Frühstück! Dann bleibt immer noch genug Zeit für ein Tänzchen mit dem Kopf an die Wand. Was mir an Wake am meisten gefällt, ist, dass sie Geradlinigkeit und Transparenz kaum zu schätzen wissen, zwar mit den Gegebenheiten des Genres jonglieren müssen, aber häufig mehr Bälle in der Luft halten als die Konkurrenz. Wake sind weit entfernt von kindischen Attitüden, vermitteln mit ihrem Album einen erschreckend erwachsenen Eindruck und lassen Leichtigkeit und Unbeschwertheit trotzdem nicht vermissen. Ist wahrscheinlich eine Sache der Einstellung. Die scheint bei den Kanadiern zu stimmen, überträgt sie sich doch auf die Musik. Empfehlenswertes Stück Verstärkerterror!
8/10

Friday, February 10, 2012

GADGET - The Funeral March - Lp - Version / 7 Degrees Records


Vor einer halben Dekade gelang den Schweden mit Unterstützung von Relapse der Schritt ins Licht, und die Öffentlichkeit wurde der Kreativität eines beinahe außergewöhnlichen Quartetts gewahr. „The Funeral March“, die zweite Scheibe der Chaosbatterie schlug ziemlich gut ein, wurde in einem Atemzug mit den Nachbarn von NASUM und der bis dato Einzigartigkeit von PIG DESTROYER genannt. Dass der etwas chaotische, schwedische Punk auch mit pogen wollte, war an der Crustfärbung einzelner Stücke durchaus nachzuvollziehen. Jedoch zementierte das Album bis auf wenige Ausnahmen in scheinbar völliger Hektik den Gedanken von ständiger Flucht und Verfolgung, in Bezug auf das musikalische Tempo und die Dichte der guten Ideen. Haase, und Igel in einem Stück quasi, immer drauf los geprescht und mit Köpfchen ans Ziel. Denn wenn es bei Grindcore eigentlich um nur um primitive Effektivität geht, bauten GADGET ihre Songs sehr variabel aus, und gerade die einzelnen Geschwindigkeitsbremsen machten das bewusst, rissen den Hörer aus der vermeintlichen Dauerbeschallung einer endlosen “Schneller, Höher, Weiter“ Soundkulisse, und setzten einige interessante Hooks. Seitdem hat sich der Vorhang aber auch wieder langsam aber stetig gesenkt, mit Ausnahme der Split mit ihren Geistesbrüdern PHOBIA von 2010 und diverser Bühnenaktivitäten. Für dieses Jahr ist endlich wieder ein neues Album angekündigt, das dritte mittlerweile, und wir werden sehen, ob die recht lange Schaffenspause der Band auch gutgetan hat. Denn Geradlinigkeit und Kontinuität sind wohl nicht deren stärkste Eigenschaften, wahrscheinlich haben sie es auch nur auf diese Weise geschafft, ihren hauseigenen Grindcore so intelligent zu gestalten. Da lassen wir uns einfach überraschen und sehen, ob sie auf den Vorgänger aufbauen, und uns immer noch mit verqueren Einfällen aus der Ecke treiben können. Ich bin sicher, dass Multitalent William Blackmon noch einiges aus dem Nähkästchen zaubern kann. Nun bekommt „The Funeral March“ aber erst mal seine lange überfällige Reanimation auf Vinyl. Zwar ohne Bonussongs, dafür remastert, und in verschiedenfarbigen Versionen mit schickem Klappcover. Dass das bisher noch nicht passiert ist, wundert im Nachhinein, aber die Freunde wahren schwarzen Goldes werden es danken. Insgesamt wird es glaube ich nur 1000 Stück geben, regulär auf rotem Vinyl, die auf 100 Stück limitierte Fassung auf schwarz, die Katze am Schwanz gepackt, sozusagen. Eher ungewöhnlich zwar, aber auch das hat wohl was von Kreativität. Weiß gibt es auch noch, für alle Unentschlossenen. Am Ende ist es egal, denn an den irrwitzigen Riffs, messerscharfen Lyrics und präzise platzierten Bombenteppichen, mit denen uns GADGET einst überzogen haben, ändert das nichts. Ein Vinyl von solcher Qualität, gehört einfach ins Regal!

Thursday, February 9, 2012

TREPAN'DEAD - Instinct - Cd / Eigenproduktion


6 Jahre nach dem letzten Album zündeln die Franzosen wieder, wissen damit ernsthaft Spaß zu verbreiten, obwohl sie sicher auch nichts anderes als Kohorten von Grindchaoten vor oder um sie herum machen. ROTTEN SOUND, FUBAR, INHUME, von REPULSION bis TERRORIZER. Sicher, alles hat seine Variationen, aber das Grundprinzip stimmt, und das heißt nun mal zertrümmern. Mit Unterstützung von 2 recht unterschiedlich gearteten Sängern, alles andere würde auch kaum Sinn machen, reißen die vom Schuppen am Bahngleis bis zum Sozialbaublock alles nieder, was sich in einer knappen halben Stunde pulverisieren lässt. Primitiver, grundsolider Hochgeschwindigkeitsgrind mit viel gewollter Hektik und auch einigen Hooks um das Geschepper nicht komplett eingleisig zu fahren. So bekommen auch einzelne Riffs Oberwasser, die etwas grooviger sein dürfen und somit aus der Rolle des Dauergasgebens fallen. Aber das sind eigentlich nur Marginalien, denn wie bei einem Großbrand, ist auch bei Trepan Dead molekularer Sauerstoff, zwingend notwendig aber bald Mangelware, da die den in ihrer Raserei zu schnell verbrauchen oder in unzähligen Litern Körperschweiß binden. Ich denke, daran sind vor allem die 2 Frontschweine schuld, die mit hervortretenden Halsvenen und hochroten Köpfen brüllen, kreischen oder einfach nur pöbeln wie Punks an der Straßensperre. Und der Drummer natürlich, der muss auch ganz schön trommeln, um mit Windmühlenflügeln frische Luft von hinten nachzuschieben. Einem Saiteninstrument hingegen sind kakophonische Laute viel einfacher, oder wenigstens unter geringerem Körpereinsatz zu entlocken. „Instinkt“ ist kontrolliertes Durchdrehen, auch wenn das mit der Kontrolle eigentlich schwer zu glauben ist. Aber auf ebenjenen Instinkt hat sich die Truppe aus Valenciennes voll verlassen, und gut daran getan. Mit jeder Minute des Albums sinkt der Stressfaktor und hebt am anderen Ende der Stange den Unterhaltungswert nach oben, wenn zwanglos und ungezügelt Randale propagiert wird, punkige 3 Akkorde vielerorts reichen, um das Feuer am lodern zu halten, aber auch und vor allem mit vollem Blast abgeräumt wird. Schade nur, dass sie das Album allein stemmen müssen, oder auch wollen, denn damit sind sie für ein größeres Publikum bereit, als sie wohl mit noch so viel Eigeninitiative erreichen können. Ihr könnt euch eine handfeste Kopie ordern, oder digital laden, da fehlt dann aber ein Song. Wenigstens das Release der Vinylversion ist quasi ausgelagert, das übernehmen Douchebag Records. Für Grindpuristen sind Trepan Dead, wenn nicht ohnehin seit langem bekannt, mehr als nur ein Geheimtipp. HIER KLICKEN
7/10

Wednesday, February 8, 2012

MARCH OF THE HORDES / ESCAPE THE FLESH - Spilt Mcd - Lavadome Prod.


Kurzes Intermezzo, schnell vorbei und wer sich auf die einfachen Dinge des Lebens nicht konzentrieren will, hat es umgehend wieder ausgeblendet. Dass das möglicherweise ein Fehler sein könnte, bemerkt so niemand. Beide Bands sind unbekannte Neustarter aus Tschechien und fabrizieren dort eine Art Musik, die einen verflucht langen Bart hat. Beide gehen das Old School Death Metal Genre an, jedoch aus unterschiedlichen Perspektiven. MARCH OF THE HORDES starten mit einem sehr markanten Crust Einschlag und offensiver Trommelei, auf recht hohen Wiedererkennungswert getrimmt. Der zweite Song wird etwas melodischer, verliert aber seinen punkigen Charme nicht wirklich. Im Vordergrund steht natürlich immer noch Death Metal, die Band geht jedoch nicht unbedingt den Weg des geringsten Widerstandes. Ursprünglich war der Einfluss schartigen Totmetalls wohl eher marginal, das Umdenken oder was auch immer es war, dass die Band auf die aktuelle Piste gelenkt hat, wird sich jedenfalls nicht als Fehlentscheidung manifestieren. ESCAPE THE FLESH bevorzugen es da eher traditioneller, primitiv, etwas stumpf und stark verankert in der skandinavischen Szene einer längst vergangenen Zeit. Also müssen sie sich den üblichen Retrovorwurf vielleicht gefallen lassen. Stören werden sie sich daran nicht, denn das was dabei raus gekommen ist, darf ruhig gehört werden. Simpler, immer noch variabler und sehr morbider Neuronenclash im Sinne von Grave bis Autopsy. Und das ist wohl kaum das Schlechteste. Viel Doom, ruhelose Grabesstimmung, tiefer gelegtes Gitarrenbrett, das Holz aus dem die ihre Särge schnitzen, ist gewiss das Richtige, abgelagert, etwas verzogen aber immer noch bedenkenlos witterungsbeständig. Die Idee der 3 Akkorde muss auch hier, zumindest partiell, reichen um die morschen Knochen unter die Friedhofserde zu bringen – im metaphorischen Sinne. Mit anständiger, oder nennen wir es lieber authentischer Produktion rattern hier 2 Bands auf ausgefahrenen Straßen einem lange vergessenen Ziel hinterher, und hinterlassen ein paar neue Spuren auf dem speckigen und brüchigen Asphalt. Da auf diesem Hohlweg nun aber unzählige Pilger unterwegs sind, muss man schon genau hinsehen, respektive hinhören, um deren Auftritt nicht zu verpassen. Da wird wohl, geschuldet der Fluten an Krawallmissionaren, lediglich der lokale Heroenstatus übrig bleiben. Ist eigentlich schade, aber sicher auch nicht das Schlimmste. Ich zumindest werde diese Mcd bedenkenlos allen, im positiven Sinne Ewig Gestrigen, an die schlagende Brust tackern, und einiges an kurzweiligem Unterhaltungswert versprechen. Wie der chinesische Philosoph und Briefmarkenklebererfinder Schick Dat Weg einst sagte“ Wenn du das Maul aufmachst, dann muss es lohnenswerter als dein Schweigen sein.“ Oder so ähnlich. Und, nun ja, dass die beiden Kumpelkombos große Fresse haben, sollte sich doch irgendwie auszahlen.
7/10

Monday, February 6, 2012

NO ONE GETS OUT ALIVE - Like A Lamb To The Slaughter - Cd / Rotten Roll Rex


Alpha und Omega, der Anfang und das Ende, niemand kommt hier lebend raus. Beängstigend realistische Philosophie angesichts einer immer unkontrollierbarer tickenden Weltenuhr, oder? NO ONE GETS OUT ALIVE starten das Album mit einem Instrumentalintro, ebenjenem Omega. Das soll dann wohl heißen, dass es besser ist, gleich mit dem Ende anzufangen und niemanden mit der Vorgeschichte zu langweilen. Ob das prophetische Herumorakeln an Bandnamen und Songtitel irgendeinen Sinn macht, wird sich zeigen. Im Verlaufe der Cd selbst, wird im Zuge verstreuter Samples 1. vornehmlich mit allen möglichen Kalibern und aus vielerlei Mündungen gefeuert, und 2. hat der feminine Teil der Bevölkerung das übliche Leiden zu tragen und darf angstvoll kreischen, schön, wenn Erwartungshaltungen erfüllt werden. Na und Musik gibt es selbstredend auch noch. Einmal mehr wird das Prinzip DEVOURMENT gnadenlos auf die Spitze getrieben, und warum auch nicht. Soll schließlich eine brutale Rinde werden, und isses ja wohl auch. Der musikalische Anspruch erschließt sich nur für Fans von Kreistanz und flatternden Armbewegungen, für Leute, die progressiv für Autolack halten und bei Old School an die Volkshochschule denken, von der der Nachbar schon mal erzählt hat, was auch immer das ist. „Like A Lamb To The Slaughter“ verfolgt einen ganz einfachen Plan, und zwar mit möglichst wenig Aufwand, möglichst direkt und heftig alle abgegebenen Schläge mittig im Ziel zu platzieren. Und so geschieht das, was wir von einer Brutal - Slam – Band gern hinnehmen, wir lassen uns auf das Wechselspiel aus hemmungslosem Geprügel und Marschtempo in Schrittgeschwindigkeit ein, und erfreuen uns an der immensen Schwere und Dichte des Spektakels. Dabei wissen wir, dass auch diese Band lediglich eine weitere im Genre sein wird, und wenn wir noch 10 Alben von „Guttural weiß der Geier“ konsumiert haben, können wir die Songs kaum noch den Bands zuordnen, so stumpfsinnig ist das eigentlich. Aber für den Moment interessiert das nicht, da darf es gern mal anspruchslos sein, Hauptsache der Unterhaltungswert stimmt und der eigene Kadaver liebt den Rhythmus. Das ist alles so eingängig und berechenbar, dass niemand 5 Durchläufe braucht, um sich rein zu finden, entweder geht das gleich in einen Extremitätenchaos über oder niemals. Dickes Gitarrenbrett, simple Riffs, ohrengefällige Kost, Vocals irgendwo zwischen eingerosteten Gartentoren und verstopften Waschbecken, mehr verlangt ja keiner. Und trotzdem, wundersamer weise habe ich das Haus lebend verlassen, auf allzu große Versprechungen und lahme Gäule solltet ihr nicht setzen. Zumindest zweiteres war bislang nicht auszumachen, also von mir aus Daumen hoch!
7/10

Sunday, February 5, 2012

RAZORRAPE - Revenge Of The Hermaphrodite Whores - Cd / Rotten Roll Rex


Die Anzeichen mehren sich, dass Alice Liddell im Raum der Stille, im Asylum für Geistesgestörte ihre Medikamente nicht mehr nimmt. Denn ganz offensichtlich hat sie eine zutiefst pervertierte Version des Wunderlandes in unsere Zeit transferiert. Und zwar, wie sich aufgrund schockierter Zeugenaussagen vermuten lässt, in die Nähe von Malmö, in eine ehemalige Schweinemastanlage mit Restbeständen, angrenzend an einen großen Verschiebebahnhof. Das zumindest lässt die Geräuschkulisse vermuten, mit der RAZORRAPE uns auf ihrem 2. Album bedienen. Ob die beiden Musiker direkt an den dort stattfindenden Aktionen teilhaben, lässt sich bisher noch nicht einwandfrei belegen, aber sie wurden mehrfach in Begleitung von Shemale – Hog – Hybriden gesehen. Auffällig auch, dass in der Nähe der Anlage in den letzten Monaten vermehrt Obdachlose verschwunden sind und Unbekannte Süßigkeiten an Kinder verteilen. Hier geht einiges nicht mit rechten Dingen zu und anhand der Indizien, die uns das schwedische Duo mit „Revenge Of The Hermaphrodite Whores“ liefert, dürfen wir von sexuellen Ausschweifung jenseits der üblichen europäischen Norm ausgehen, mit Tötungsdelikten in Akten kranker Leidenschaft, mit ausufernden Sexpartys, inzestuösem Spiel mit diversen Körperflüssigkeiten und Missbrauch aller Art. Angeblich wird dort zu allem Überfluss sogar Alkohol getrunken! Von Vorbildfunktion kann man da wahrlich nicht sprechen. Ist es denn nun wirklich so, dass wir jeden Dreck, der vom Westen kommt, kopieren müssen? Ich denke Genossen, mit der Monotonie des je, je, je und wie das alles heißt, sollte man doch Schluss machen. Die Ergebnisse dieser grenzüberschreitenden Ausschweifung sind nun auf dieser Cd wiederzufinden. Hier kann jeder das akustische Ergebnis all dieser Schweinerein in sein Wohnzimmer einladen. Das Handeln der sogenannten Künstler und ihres Plattenlabels hier in Deutschland sind zutiefst erschreckend und vollkommen verantwortungslos. Explizites Bildmaterial lässt den Konsumenten an all den geschmacksverlorenen Abartigkeiten teilhaben, dazu wird man von einem hemmungslosen Orkan aus verzerrten elektronischen Saiteninstrumenten, donnernder Rhythmusgebung und vollkommen unmenschlichen Vokalen, ohne Chance auf Gegenwehr an die Wand genagelt. Sich diesem Wahnsinn zu entziehen fällt schwer, hat man erst mal davon gekostet, deshalb sei vor dem Konsum solcherart Blendwerk ausdrücklich gewarnt! Denn, wenn einmal geschehen, kommt niemand mehr um eine Einweisung in die Klapsmühle herum, und würde somit Alice Wahnsinn weiter nähren. Diesen Teufelskreis zu durchbrechen, kann nicht aus eigener Kraft geschafft werden, nutzen sie die Beratungsstellen ihrer freikirchlichen Gemeinde und meiden sie vorerst das Gebiet um Malmö großflächig. ………
Scheiß drauf, RAZORRAPE sind zurück, yeah!!!!!!!!!!
9/10

Thursday, February 2, 2012

VA - Repulsive Deeds of Sodomy 4-way split Cd / Eigenproduktion


4 gurgelnde und brüllende Death/Grind Bands aus dem Land der Pleitegriechen, denen nun auch noch die selbstständige Handlungsfreiheit streitig gemacht wird, stellen sich unbeeindruckt des Wassers das ihnen, und bald auch dem Rest der EU Unterkante Oberlippe steht, der lärmbegeisterten Meute. Auf eigene Kosten, mit eigener Anstrengung und so erzielter Vorbildwirkung, könnte sich der Rest der zeternden Menge eine passende Scheibe abschneiden. Da sie aber alle zusammen für die breite Öffentlichkeit nur verständnislosen und nicht nachzuvollziehenden Radau machen, bleibt diese auf 500 Kopien limitierte (und zudem legal und kostenlos zu ladende) Scheibe nur ein Kiesel im Rinnstein, und dem Interesse von ein paar langzottligen, abgerissenen Individualisten vorbehalten. Also schauen wir mal, was die für Kleingeld oder das Anstubsen der Enter – Taste bekommen. INCINERATION machen den ersten Schritt und können mit brutalem und variablem Death Metal überzeugen, interessante Riffs, sehr fixe Drums, von Blast bis Schleppanker alles drin, vielleicht etwas monotone Growls aber alles in allem bekommt ihr eine Handvoll Songs, die eine starke Portion Rückgrat zeigen. KREAS gehen infolge um einiges primitiver vor und verbreiten trotzdem Spaß mit 3 Akkorde Old School Grind, überschaubarem Chaos und mindestens zweistimmigem Gesang. So in etwa als würde Papa Bär sich mit Kermit dem Frosch um den Playboy streiten. Mit flottem Tempo wird das Elend der Welt angegangen und beschwingt mit der Keule auf alle Jammerlappen eingeprügelt. Ohne seltsame Intros kann die Band dabei aber scheinbar nicht agieren, egal. NECROGASM überzeugen als nächstes mit recht ausgefeilten technischen und brutalen Tönen. So funktioniert US Death Metal, ausgeklügeltes, kreatives und anspruchsvolles Songwriting, das nie in Gefahr läuft, dem Hörer zu viel abzuverlangen. Eingängig und transparent, interessante Band. Das Ende dieses Ausfluges markieren THE ANAL TREATMENT XXX – PERIENCE mit absolut planlosem, wirrem, und infernalischem Grind und Gore Massaker. Die treiben ihre Instrumente bis an die vom Hersteller vermutete Belastungsgrenze, ziehen Bässen hoch, die in anderen Sphären nur noch spürbar, nicht aber hörbar sind. Die ganze Band brüllt und keift scheinbar willkürlich durcheinander und irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, hier laufen mindestens 3 Gettoblaster parallel. Ein völlig unüberschaubares Gepolter gipfelt in ein wahrhaft spaßig Unterfangen ohne höhere Ansprüche. Letztendlich glaube ich, machen wahre Krachfetischisten mit dieser Cd nichts falsch, zumal sich 4 doch sehr unterschiedliche Bands die Klinke an den Kopf schmeißen und fade Tristes somit von Vornherein ausgeschlossen ist. Folgt dem link auf meiner Downloadseite oder schickt den Helenen besser ein paar Kröten!
7/10

Wednesday, February 1, 2012

MORDAX - Violence Fraud Treachery - Cd / Ultimhate Records


MORDAX aus Kopenhagen spielen offensichtlich gern mit düsterer Symbolik. Diesen Eindruck vermittelt zumindest das Vanitas Motiv des Covers, ein beliebtes Synonym für Vergänglichkeit. Vielleicht bezieht sich das auch auf die Band selbst. Das scheint sogar ganz sicher, aber verlassen wir uns mal drauf, dass das noch etwas dauert. Denn die Musik auf diesem Debütalbum hat genug Fleisch auf den Rippen, um nicht gleich wieder als bleiche, abgenagte Leiche in einem Armengrab verscharrt zu werden. MORDAX spielen ziemlich direkten Thrash Metal, ohne moderne lila Kiddie - Tapete dafür aber mit einem satten Death Metal Sound. Gut, der stammt von Dan Swanö, wenn da was schieflaufen sollte, müsste schon jemand an den Grundfesten des guten Glaubens rütteln. Der 5er setzt fast durchweg auf schickes Bangertempo, immer mit straffen Zügeln, aber nie außer Kontrolle. Die Basis sind recht gewöhnliche, deswegen auch wirkungsvolle Riffs, deren Elemente sich nicht allzu oft wiederholen, dafür aber eine ansprechend melodische Note in das Gerüst aus trockenem Schlagzeug und meist heiseren, aber durchaus auch variablen Growls einflechten. Die Solis sind dann eher vom klassischen Metal Bands beeinflusst und nehmen etwas Druck und Härte aus dem Album, schmälert den Gesamteindruck aber nicht zwingend. Dieser Fakt zeigt wohl noch was anderes. Es ist nicht unbedingt gewöhnlich, dass Bands, die solch knochentrockenes Geschredder anbieten, mittendrin immer wieder beinahe liebreizende Lichtblicke haben. So betrachtet, spricht das für den musikalischen Mut und ja, auch von strammen Eiern. Die schneller, härter, tiefer, brutaler Gleisanlage ist nicht der Schienenstrang, auf den die Dänen ihren Zug gesetzt haben. Ganz anschaulich macht das das balladeske Instrumental „Contrapasso“, bei dem sich die beiden Gitarristen hemmungslos austoben dürfen und ihren deutlichen Hang zum Power Metal leben. Das es auch wesentlich schwergewichtiger geht, zeigt „Monarch Of All“, ein Stück dass dann doch größtenteils unter dem angestrebten Temporadar fliegt, und allerhöchstens im Mittelteil mal aufbegehrt und mit tiefen brutalen Vocals überrascht. Generell regiert aber der Thrash Hammer mit, wie erwähnt betont simplen und effizienten Riffs und den richtigen Tempovariationen an den richtigen Stellen. Death/Thrash 6 Saiter Attacken und virtuoses Klampfenspiel, stellen mehr als interessante Gegenpole dar, die so nicht alltäglich sein dürften. Das alles vereint den Spirit der 80er Jahre Metal Welt, die damals im Keimen und Suchen war, die sich wie eine junge Weide in alle Richtungen gewunden hat und ihre Wurzeln manchmal auch vergaß. Also ist vielleicht doch nicht alles so vergänglich, wie eben noch geglaubt. MORDAX jedenfalls verkaufen sich über ihre Musik ganz gut, schlagen vielleicht den Nagel etwas tiefer ins Holz, um ein Weilchen länger hängen zu bleiben.
7/10