Monday, February 28, 2011

REPUKED - Pervertopia - Cd / Soulseller Records


REPUKED nehmen ihren Bandnamen über Gebühr ernst und verbreiten ein totales Kotzorama! Die würgen und spucken jeden Vokal qualvoll aus und zelebrieren Reierorgien auch zwischen den Songs. Das geht so weit, dass ich glauben mag, die versuchen einen verschollenen Fulci Film zu intonieren. Es göbelt, spritzt und matscht ohne Unterlass und klingt widerlicher als Mutter Flodders´ Selbstgebrannter schmecken mag, der sich dann auch noch auf unnatürliche Weise den Weg in die Freiheit bahnt. Mit einem Wort, fantastisch! REPUKED kehren an die Basis zurück, haben den Punk im Nacken und kommen mit erstaunlich wenigen Akkorden an ihr Ziel, die anarchische Unterwanderung eines viel zu kommerzialisierten Musicbiz. Und so machen sie, was ihre Helden (vermutlich) ihnen vorgelebt haben, beschäftigen sich mit rohem primitiven aber ungemein effektiven Horror Death Metal. Genau so wie es auch AUTOPSY, IMPETIGO, NIHILIST… taten oder immer noch tun! Und dann schimmert logischerweise auch Rob Wests´ (der hier für so einiges an Erbrochenem verantwortlich zeichnet) Band durch, und zwar GODPHOBIA. Ohne Umschweife stürzen sich 4 Folterknaben auf ihre Opfer, drehen die Bässe runter, lassen die Leadgitarre heulen wie die Mägen hungriger Ghoule und fegen mit ihren schartigen Sensen über neblige Totenacker. Die Stimmung ist unbeschreiblich, die beinhaltet alles was das verdammte Klischee hergibt, schmerzerfüllte Schreie aus den Tiefen des Purgatoriums, blutige Fetzen an den Wänden der Inquisition, nacktes Entsetzen beim Anblick der geifernden Bestie, was ihr wollt. REPUKED agieren in konsequenter Ablehnung des aktuellen Jahrtausends. Punk meets raw Death, was braucht der Kadaver mehr! Vielleicht noch etwas Sludge und Doom und fertig ist der Soundtrack für eine unvergessliche Leichenfeier! Dabei sind sie sich auch nicht zu fein, mal das eine oder andere Riff von der Konkurrenz zu okkupieren, aber drauf geschissen, wer mit so erschreckendem Minimalismus ein solches Album fabriziert, der darf das! Der Sound entspricht abschließend der mehr als dreckigen Mucke, ist ungeschliffen und bollert aus der Anlage wie ein morsches Fuhrwerk auf Kopfsteinpflaster gezogen von 4 belgischen Kaltblütern. Dieses Album gehört zum Familiengeburtstag gespielt, bevor die bucklige Verwandtschaft das ganze Bier weggesoffen hat! Kauft das Ding, ihr wollt es, glaubt mir!
9/10

DESPITE - Clenched - Cd / Dozer Records


Ich will mich dem hochgelobten Newcomer und Durchstartergedöns nur bedingt anschließen. DESPITE legen mit ihrer 2. Scheibe so was wie ein Experiment vor, so empfinde ich das jedenfalls. Wenn es musikalisch in bekanntem schwedischen, genau genommen Göteborg Stil überraschungsarm aber souverän voran geht und die Leadgitarre wirklich einige groovige und markante Pfunde auf den Saiten hat (wie den Titeltrack), so ist der Sound in etwa so kräftig wie ausgedörrtes Präriegras im Hochsommer. Trocken ja, aber auch ohne Spannung und Druck. Wenn ich Metal will, dann will ich den direkt auf die Zwölf mit Blut und Schmerz und allem unverzichtbaren Attitüden. Dann darf sich der Sound nicht einfach davon machen, als hätte er Angst, die Musik könnte jemandem gefallen. Also, das musikalische Angebot kann sich da schon sehen lassen und hat viele gute Momente in der Auslage, dealt mit Tempo, Aggression, Grooves, schweren Passagen, schartigen Nackenbrechern und verhaltener Melodiebeilage, ist quasi bangerfreundlich. Nur rückt das nicht wirklich an den Konsumenten heran, da das Ohr die intestinale Datenautobahn gesperrt und mit Streikposten blockiert hat. Und so klingt das, als würde ich das in der Badewanne mit dem Kopf unter Wasser hören müssen. Dass das auch noch beabsichtigt war, da die Band wohl bewusst mit Equipment aus den 70ern arbeitet und absichtlich ohne die übliche Studiomagie auskommt, mag meine Intoleranz gar nicht glauben. Dieser Fakt wird im Pressetext glorreich hervorgehoben, was zwischen den Zeilen den Eindruck hinterlässt, als sollte das in Wirklichkeit bedeuten; „Vorsicht könnte Scheiße klingen!“.Natürlich ist es bemerkenswert und mutig, so einen Schritt zu wagen, aber Leute, es klingt trotzdem nach kaputter Anlage. Ich hab tatsächlich anfänglich mehrere Geräte ausprobiert und an den Reglern gespielt bis ich es glauben musste. Leider wird so das Potential vieler guter Songs verschenkt und das Manko einiger anderer kaschiert. Und so macht Monotonie der angestrebten Begeisterung den Platz streitig und es bleibt ein Album zurück, das nicht wirklich überzeugen kann. Dann doch lieber IN FLAMES für all jene die von dieser Art der Musik die Finger nicht lassen können. Leider nur Durchschnitt.
5/10

Sunday, February 27, 2011

ADVERSARIAL - Prophetic Plain Of Abyssal Revelation - Ep / Dark Descent


Im Gegensatz zu ihrem letztjährigen Debüt auf Dark Descent verbreiten ADVERSARIAL mit ihrer neuen Ep etwas mehr Charme. Und zwar den spröden Charme einer rostigen Eisenstange die mir von hinten mit viel Getöse über die Rübe gezogen wird. Die machen so viel Radau, dass sie sich gar nicht anschleichen können, brüllen im Einklange mit allen teuflischen Horden, die jedes Höllenloch auszukotzen in der Lage ist. Schwarz, böse und irgendwie trotz des albernen Eindrucks authentisch. Vornehmlich geht es weiter um Geschwindigkeit, um Old School Death Metal mit brutaler Note und Black Metal in Bezug auf die Atmosphäre und weite Bereiche des Songwritings. Der Sound ist dem entsprechend nicht so toll, klingt als würden die in der Wohnung des Nachbarn spielen, dumpf und rau. Das Schlagzeug ist diesmal nicht ganz so dominant, vor allem die Snare wirkt gedrosselt, was der Musik diesmal tatsächlich zugute kommt. Der Kerl prügelt aber weiter wie ein Derwisch! Leider singt der Frontmann immer noch, als würde er auf seinem Mittagessen herum kauen. Insgesamt klingt das alles schon etwas strukturierter, aber trotzdem immer noch wie ein Demotape aus den frühen 90ern. Gut, das ist ein Fakt, der bei vielen sogar ankommen könnte. ADVERSARIAL verbreiten auch eher das unbestimmt Gefühl genau aus dieser Zeit zu stammen, anstatt erst erbärmliche 4 Jahre auf diesem Planeten Feuer zu legen. Auch etwas anderes zollt dieser Tatsache Tribut, nämlich die Spielzeit von einer knappen halben Stunde, die der Band gerade mal zu einer Ep gereicht, etwas aus dem andere schon ein Doppel - Album machen. Dem zolle ich meinen Respekt. Es liegt aber vielleicht auch daran, dass nur 3 der 7 Stücke wirklich neu sind und der Rest vom ersten und einzigen Demo stammt. Zusätzlich sind 2 der neuen Stücke Coversongs von Archgoat und Incantation. Mit diesen Honorierungen bekommt ihr auch eine ungefähre Idee, womit sich ADVERSARIAL musikalisch befassen, geben dieser ohnehin schon düsteren Mucke einen noch etwas schwärzeren Anstrich. Die Songs sind ohne schmückendes Beiwerk zusammen gekloppt, wollen fies sein und erreichen ihr Ziel ohne viel Wert auf Produktion zu setzen. Ein Hoch auf den schrammligen Sound des prähistorischen Death/Black Metal! Die Ep kommt als Digipack sowie in verschiedenen limitierten Vinyl Versionen.
6/10

DEBAUCHERY - Germanys Next Top Model - AFM Records


DEBAUCHERY lassen zumindest uns Nachwuchsgermanen keine Chance einen sicheren Platz zwischen den Stühlen zu finden. Kaum eine deutsche Metalband spaltet die Gemüter so wie die Jungs aus Stuttgart. Entweder ihr liebt sie oder ihr hasst sie. Und das liegt bekanntlich an den Plagiatsvorwürfen in Bezug auf SFU. Ich bin mir auch nicht wirklich sicher, ob das aktuelle Album das entkräften kann oder überhaupt will und muss. Genau betrachtet sind sie den Amis sogar einen Schritt voraus, wo die immer noch ACD/DC covern, gründen DEBAUCHERY ihr eigenes Baby BIG BALL und zelebrieren auf das vortrefflichste ihre persönliche Version der Aussi – Stromfabrik. Aber wenn ich mir jetzt „Germanys Next Death Metal“ anhöre (was ein geiler Albumtitel, großkotzig und ironisch auf einen Ritt), dann bin ich der Überzeugung, dass es Zeit ist DEBAUCHERY sowie BIG BALL zu Grabe zu tragen, denn das was diese Cd verkörpert, ist die perfekte Symbiose aus beiden. Ungefähr so, als hätten die Jungs das nächste BIG BALL Album schon fertig gehabt, waren aber eigentlich dran ein neues DEBAUCHERY Teil abzuliefern. So liegt der Gedanke nahe, dass sie AC/DC mäßigen Songs eine Tonne Blut und Eingeweide verpasst, respektive einen Death Metal Sound inklusive typischen Growls übergestülpt haben. Die sind sich sicher ganz genau darüber im Klaren, was sie damit anrichten. Die Band entfernt sich ein ganzes Stück von dem, was wir gemeinhin unter Death Metal verstehen und erschaffen ein verdammt cooles Stück Rock´n Roll, staubtrocken, groovy, schnörkellos und irgendwie authentisch. Ich für meinen Teil kann diesen Weg nur vollstens unterstützen, aber ich bin mir auch sicher, dass sie sich damit wieder mal nicht nur Freunde machen. Fest steht, dass das nunmehr 7. Album der Band eine faustdicke Überraschung werden, und mit viel Wucht einschlagen wird. Die leben ihre Vorlieben aus und recken den ungewaschenen Mittelfinger mehr denn jeh in Richtung ihrer Kritiker. Einer davon dürfte auch auf die Stuttgarter Zeitung zielen, und Thomas zum Schreiben von „School Shooter“ veranlasst haben, man erinnere sich nur an die einer populären Hirnweiche verfallenen Pressekampagne aus dem letzten Jahr. Insgesamt ein wirklich cooles Album das euch da erwartet, eines das den Rock´n Roll nicht neu erfindet aber sich seiner Wurzeln bewusst ist und bei euch für einiges an Nackenschmerzen sorgen wird!
8/10

Friday, February 25, 2011

DYING SIGNALS - Intuitive Senses - Cd / Rising Records


Die sprießen wie Pilze aus dem überdüngten Boden, sogar bei intellektueller Dürre. Deathcore Gitarrengewichse bis zum Erbrechen und dem vermeintlichen Verlust jeglicher Struktur. Wenn ein Album mehr Breaks hat als eine Bundestagssitzung, dann wird ein ohnehin schon anstrengender Tag besonders lang. So ziehen uns DYING SIGNALS aus Malta auf genau dieser Schiene hart eins über den Schädel, quälen den Hörer mit zahllosen Disharmonien und geben sich nicht mal die Mühe, bei all dem Gequitsche und Gehämmer den Konsumenten auch nur ein Stückchen weit mitnehmen zu wollen. Das ist teilweise so wirr, dass es schwer fällt, da überhaupt noch mitzukommen. Free Jazz ist dagegen eine arme Leute Musik, so oft wird innerhalb eines Songs das Steuer dermaßen oft rumgerissen, dass keine Zeit bleibt, sich auch nur auf einen Mausefurz einzustellen. Wenn sich denn mal ein Riff an die morastige Oberfläche kämpft, dann kann das schon eine recht scharfe Angelegenheit sein. Jedoch auch eine verhältnismäßig kurze, denn die Brüder haben nicht den Atem einfach mal durchzuhalten, nö, da muss ja gleich wieder schief und krumm und vor allem sehr anstrengend (für mich) ein ganzer Wagon Instrumentenschrott drüber geschüttet werden. Songwriting wie auf Drogenentzug! Es steht natürlich fest, dass die Musik so beabsichtigt ist, aber es fühlt sich an wie im Vollsuff mit Bleifuß und 200 Sachen eine Haarnadelkurve mit der aller größten Selbstsicherheit nehmen zu wollen. Das ist zu viel des guten und endet unweigerlich mit Kopfschmerzen (mindestens). Und selbst wenn DYING SIGNALS auf dieses Zeug stehen und so klingen wollen wie sie es halt tun, sollten sie ihre losgelassene Energie in lenkbare Bahnen leiten, oder das Teil von mir aus an Mathematikstudenten verscheuern. Das Album heißt wahrscheinlich nicht umsonst „Intuitive Senses“, da sie der eigenen Intuition gefolgt sein müssen um zu diesem Ergebnis zu kommen. Ganz klar wird auch jeder sagen, dass es der richtige Weg für einen Künstler ist, auf das eigene Gefühl zu vertrauen. Aber kann man sich wirklich immer darauf verlassen? Dieses Album trägt definitiv zu dick auf! Kacke noch mal, spielen können die Jungs zweifelsohne, ist nur von allem zu viel, zu hoch, zu überdreht, meist zu kompliziert! Wenn ich Metal höre, will ich rocken…oder so…und keinen Psychologietest schreiben oder die Wurzel aus 341854 im freien Fall berechnen. Also, wer es denn braucht, der bekommt hier ein Debüt von überaus talentierten Rotznasen vorgelegt, das mehr auf Anspruch setzt als gut tut! Das ist wie mit Einstein, dass der genial war weiß jeder, aber welcher Normalsterbliche kann seine Theorien aus dem Stehgreif erklären? ... eben!
5/10

Thursday, February 24, 2011

MINCING FURY AND GUTTURAL CLAMOUR OF QUEER DECAY - Devolution - Cd / United Guttural


Es gibt bestimmt viele Attribute, die eine Band wie MINCING FURY… beschreiben könnten, aber keines dürfte treffender sein, als „bekloppt“. Selbstverständlich ist es aber auch genau das, was wir von tschechischen Grindbands erwarten, die mit ihren schrägen Veröffentlichungen schon vor Jahren ihr eigenes „Blut und Unsinn Biotop“ erschaffen haben. Diese Tatsache ist nun auch das größte Manko bei MINCING FURY…, die schmettern einfach ein weiteres kurzweiliges und vollkommen kaputtes Album auf den Markt und niemand dürfte davon mehr überrascht sein, da weiß man einfach von welchem Güterzug man sich überrollen lässt. Soll heißen, bei all dem Spaßfaktor, der hemmungslosen Brutalität und dem konsequenten Weglassen von Schubladen (oder dem erfolgreichen Basteln einer eigenen), ist irgendwie auch Stagnation mit im Spiel. „Devolution“ ist von vorn bis hinten berechenbar und nicht mehr in der Lage noch einen drauf zusetzen. Alle Stücke hätten auch auf dem letzten Album stehen können, keiner würde den Unterschied merken. Da sich aber die wenigsten um solche Marginalien scheren werden und die, ich sag ´s noch mal, bekloppten Grindausbrüche unserer östlichen Nachbarn bei den Fans immer noch hoch im Kurs stehen (was auch eine Form der Stagnation ist), wird auch „Devolution“ mit seinen unverständlichen Comedyeinlagen, den unterschiedlichsten Stimmbandkunststücken, Plattentellergescratche, tonnenschwerer Gitarrenarbeit und viel zu mechanischen Drums ein weiteres mal verehrend zuschlagen wie Pockendecken bei den Indios! Und was lernen wir daraus? Das es nie genug ist, bis es genug ist? Dass der Kaputte lediglich unterhalten sein will und nicht bei einer Tasse Earl Grey über den tieferen Sinn von zu langen Bandnamen sinnieren will. Vielleicht auch, dass auf der Stelle treten nicht unbedingt gleich bedeutend mit schlechter und einfallsloser Musik sein muss! So wie sich MINCING FURY…auf dieser neuen Scheibe präsentieren, könnten sie locker noch ein halbes Dutzend in den nächsten Jahren nachschieben und müssten sich dafür nicht mal verbiegen. Die werden noch lange in der Lage sein, breites Grinsen auf alternde Gesichter zu zaubern. Wer sich die Scheibe zulegen will, riskiert nichts und erwirbt eine Dauerkarte für sein persönliches Asylum inklusive gemeinsamen Hofgang mit all den anderen Durchgeleierten! Ich verweise nur auf einen Song wie “Kacenka“, detaillierter könnte auch ein Psychiater ein vollgestopftes Irrenhaus nicht karikieren! Ein Hoch auf den Schweinekoben der Unterhaltungskunst!
7/10

Wednesday, February 23, 2011

FAKE MESSIAH - For A Greater Cause - Ep


FAKE MESSIAH sind ein 4 Mann starkes – Abrisskommando in der Erprobungsphase, kommen aus Schweden und wagen sich mit einem ersten Feldversuch an progressiven Death Metal heran. Es schält sich ein Erstling heraus, der jedoch noch mächtig viel Dreck im Getriebe hat, was die Maschine deutlich unrund laufen lässt. Vor allem die Leadgitarre klingt eher nach einer beständig festklemmenden Metallsäge, mit einem Sound als würde sie lediglich über das Eisen rutschen anstatt Späne zu fressen. Auch der Gitarrist selbst spielt mit erfrorenen Fingern und verhindert so einen echten Spielfluss. Aber bei den Jungs steht wohl noch alles auf Anfang, so dass mit ein paar Dehnübungen langfristig noch einiges besser werden dürfte. Wie das bei progressiver Musik so üblich ist, lässt sie sich anhand ihrer versucht komplexen Strukturierung jeder Bissen auch schlechter kauen als gegen die Faser geschnittenes Hüftsteak von sehr alten Ochsen. Da wird eben nicht drauf los gebrettert, die Bremse und der Rückwärtsgang werden öfter genutzt, als es der Musik vielleicht gut tut, so stotter das Teil über eine staubige Landstraße und verliert vor lauter aufgewirbeltem Staub das Ziel aus den Augen. Nun, und da die Musiker noch längst nicht so versiert sind, wie so manch renommierte Frickelband, fällt auch der „technische Overkill“ Bonus weg und alles was bleibt sind brauchbare Anlagen, viel Schweiß und guter Wille , hinten kommen dann passable Songs raus. Der große Reißer ist es aber bei weitem nicht. Das ist so, wie wenn du am Grill stehst und weißt wann du das Fleisch wenden musst um es auf den Punkt zu bringen oder nach Belieben zu verkohlen, von der Marinade und sonstigen Gewürzen aber keine Ahnung hast. Fleisch bleibt Fleisch, schmeckt nur plötzlich und unerwartet nüchtern. Bedenklich wird es, wenn es dem Grillchef selbst nicht auffällt, weil er es nie anders gemacht hat und von der Konkurrenz nicht naschen will. Also gilt es, neben der Pflicht, die Kür nicht aus den Augen zu verlieren, ein bisschen zu experimentieren und fleißig zu üben. So lange, bis die Finger sich lockern und die Blockaden aus dem Kopf verschwinden. Noch ist das alles zu verkrampft, ich bin aber trotzdem guter Hoffnung, weswegen ich die Punktzahl auch höher ansetze als ursprünglich beabsichtigt! Vielleicht überziehe ich meine Kritik ja auch, überzeugt euch lieber selbst: http://www.myspace.com/fakemessiahmetal
6/10

Sunday, February 20, 2011

AURORA BOREALIS - Timeline: The Beginning and End Of Everything - Cd


Die Abstände in denen AURORA BOREALIS ihre Alben veröffentlichen, werden immer größer, das letzte liegt nun nahezu 6 Jahre zurück. Dieser Fakt beweist aber nur eins, es gilt im Leben Prioritäten zu setzen, die scheinbar wichtiger sind als Katzendärme zupfen, gegerbte Tierfelle zu verprügeln und die eigene Urschreitherapie aufzuzeichnen. Natürlich ist das nicht gleichbedeutend mit dem Verlust an Ernsthaftigkeit innerhalb der Musik und dem Mangel an Qualität. Ganz im Gegenteil, die vergangene Zeit hat hörbar gut getan und am bevorstehenden Ende der Welten spuckt das Universum ein Album aus Feuer und Licht aus, das die Kraft hat, Verderbtheit und Ignoranz in die Knie zu zwingen. Gott, klingt das bescheuert, passt aber zu dem vermuteten Anliegen der Band unserer Zeit mit rasender Wut und ungezügeltem Hass eins über zu helfen und die Dekadenz eines ganzen Planeten über den Rand zu stoßen. Das tun sie mit sehr schwarzen Eigenschaften, geifern Hass und Tod, rasen musikalisch wie ein Derwisch ohne Anker über den Wüstensand. Black Metal Arrangements stehen dann auch bei allen Songs im primären Fokus, das Gesamtgebilde macht aber etwas ganz anderes aus. Und zwar, dass sie mit absoluter Konsequenz alle Schubladen auftreten und sich das heraus picken, was ihrer Version von echtem Metal entspricht. So bekommt ihr es auch mit Death Metal in klassischer US Form als auch melodisch bis hin zu verhalten progressiv zu tun. Desweiteren setzen sie sich mit Thrash Metal auseinander und geben so manchem Riff die nötige Schärfe. „Timeline“ klingt bei all der Vielfalt nun nicht mehr so deutlich nach Black Metal, nicht so morbide und düster, als würden es gewöhnliche Satansjünger mal wieder zu wild treiben. Ganz im Gegenteil, das Album ist irgendwie spritzig und frisch, trotz der Tatsache, dass sie alte Quellen anzapfen. Quellen, mit denen sie ein neues Licht auf eine viel zu große Szene werfen. Auch auf andere Weise beschreiten die Amerikaner neue Wege, bieten sie ihr Album doch zum freien Download an. Das ist ein Schritt, den ich bei so einer doch recht alt eingesessenen Band nicht erwartet hätte. Aber bitte, wer von euch richtig gute, aggressive und durchdachte Mucke mag, der klickt hier! http://www.auroraborealis.org/
8/10

Friday, February 18, 2011

WITHERING SOUL - No Closure - Cd / Mortal Music



Das hier wird das 3. Album der Amis, glaube ich, und das was sie am besten können, ist in der skandinavischen Black Metal Szene auf Raubzug zu gehen, oder eher sich von deren Aas zu ernähren. Wen wundert’s, dass sie halbverdautes wieder raus würgen, da dem Amerikaner scheinbar nicht alles bekömmlich ist, was der Europäer so fallen lässt. Der verwertbare Teil setzt sich aus guter Gitarrenarbeit, sehr präzisem und schnellem Schlagzeug und banaler Tastendödelei sowie wechselnden Vokaleskapaden zusammen, mal schrill, mal mit 3 rohen Eiern im Mund, häufig auch zusammen. Hinzu kommen teilweise cleane Heldenarien, die überflüssigen Gothic – Gummi beisteuern und die entsprechenden Stücke viel zu weich spülen. Trifft das dann noch auf Yamaha und Co, läuft der Film rückwärts! Fakt ist, solange das Keyboard sich in gemäßigteren Klimazonen aufhält, ist die Welt noch halbwegs in Ordnung und die Musik darf roh, aggressiv, melodiös und gemeinhin auf angenehmem Niveau spielen. Sobald aber jemand das Fremdgerät in den Raum trägt, verpissen sich die anderen Instrumente häufig verschämt in eine dunkle Ecke und schmollen. Zudem entsteht ein völlig chaotisches Klangerlebnis, wie schlecht gemischter Rosinenstollen der im freien Fall durch einen Fahrstuhlschacht rauscht. Stellt euch einfach vor, jemand würde bei KING DIAMOND die Gitarren unvertretbar viele Oktaven runter schrauben und der alte Däne müsste plötzlich grölen anstatt weiter den Kastraten zu geben. Das würde doch genau so wenig jemand verstehen. Nur mal so als Umkehrschluss… falls mir jemand folgt. Also mein subjektiver Geschmacksdetektor würde unverbindlich dazu auffordern, das Gedudel aus dem Fenster zu schmeißen und aus Gründen allgemeiner Rücksichtnahme, selbiges vorher meinetwegen zu öffnen. WITHERING SOUL funktionieren ohne besser, sind dann in etwas so bissig wie Kettenhunde in der Mittagshitze mit Frischfleisch im 2 Meter Radar, könnten also beißen, erwischen ihr Opfer aber auch nicht zwangsläufig mit jedem Schnapper. Sollte ich einen Strich drunter ziehen, ist No Closure“ ein recht gewöhnliches Album mit einigen guten Momenten und viel schmückendem Tand. So zum Beispiel das Duett der Schreihälse mit Melissa Ferlaak, die ihren zuckersüßen Arsch gern auf die große Bühne schwingen darf um zu zeigen was sie tatsächlich kann, aber einer so faden Ballade wie „Unquiet“ keinen Anschub verpassen kann. Das letzte Album der Band aus Chicago stammt aus dem Jahr 2004, nach einer solchen Zeitspanne hätte unbedingt mehr drin sein müssen.
5/10

Tuesday, February 15, 2011

VOLTURYON - „Coordinated Mutilation“ - Cd / United Guttural


VOLTURYON, ja Schweden halt, da weißt du doch Bescheid. Aber denkst du Puppe, nachdem ich deren erstes Album aus meiner persönlichen grauen Masse schon längst gelöscht hatte, waren alle Vorurteile (nicht unbedingt negative) in Bezug auf schwedische Death Metal Bands wieder im Foyer meiner Klischeefestung angekommen. Und so wurde der vermeintlich sichere Boden zu einem Stepptanz auf Treibsand. Denn VOLTURYON haben so gar nichts mit den alten speckbäuchigen und bärtigen Ahnen zu tun, auch nicht mit den modernen Vertretern aus der Gothenburg, die es mit Melodien zu Discounterpreisen versuchen und nur genehm sein müssen um halbwegs auf Erfolgskurs zu bleiben. VOLTURYON haben wohl heimatliche Wurzeln, klingen aber rigoros auf Krawall gebürstet und viel technischer als zu erwarten wäre, lassen auch gern und zunehmend amerikanische Verhältnisse durchblicken. Bei aller Vielschichtigkeit ist das Produkt glatt, kalt und scharfkantig wie eine Eisscholle. Diese Eigenschaften eignen sich nicht unbedingt, einen festen Stand auf der frostigen Oberfläche zu garantieren, nix zum festhalten und ständiges Gerutsche inklusive direkter Gefahr über den Rand zu fallen und von einem Hai gefressen zu werden. Songs und Produktion sind etwas zu glatt gebügelt, so dass trotz aller Brillanz vergessen wurde Trademarks zu setzen. Sozusagen ein paar Haken in das Eis zu schlagen, an die man sich erinnert, wenn man noch mal drüber schlittern will, an denen man sich mit viel Zuversicht fest hält. Scheiße noch mal, ich hör das jetzt bestimmt zum 6. Oder 7. Mal, erkenne und erfreue mich an der gnadenlosen Härte und dem permanent hohen Tempo, aber ich könnte nicht einen Song benennen, der sich in mein Fleisch bohrt! Die scheinen so versiert und sich ihrer Selbst sicher, dass sie auf die Feinheiten nicht mehr achten. Was dann entsteht ist ein immer noch sehr heftiges Album mit hohem technischem Anspruch aber auch mit zu viel Augenmerk auf lupenreine Optik. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, das Niveau ist durchweg hoch, „Coordinated Mutilation“ hat keine Aussetzer, muss aber auch ohne Highlights auskommen. Mal richtig einen raushauen, den Knüppel so lange auf die Birne, bis der Inhalt auf kreative Weise die Deckung verlässt, das hätte gut getan! Fazit, kein Hammer, nicht der Amboss, eher der Schmerz derer die die Finger dazwischen halten. Immer noch blutig genug!
7/10

Monday, February 14, 2011

UNCANNY - MCMXCI – MCMXCIV - Doppel – Cd / Dark Descent


Wenn der alte Totengräber mit seinem Handkarren, Schaufel, Spitzhacke, Öllampe und einer Tonkruke Selbstgebrannten über den nächtlichen Friedhof stolpert, kann er so manche Überraschung erleben. Da buddelt er unbedacht Dinge aus, von denen er gar nicht wusste, dass sie jemand dort abgelegt hatte. So im Falle von UNCANNY, die in den frühen 90ern in Schweden das machten was alle anderen auch machten und an den Folgen gestorben sind. Die hatten seinerzeit diverse Demos, ein Album und eine Split mit ANCIENT RITES und klangen nach CREMATORY (die Landsmänner selbstredend), MERCILESS, NIRVANA 2002 und wahrscheinlich allen anderen auch. Das macht’s nicht schlechter, und das heute alles noch mal zu hören ist auch nicht doof. Also bitte, hier noch mal der alte Kram mit neuem Anstrich, erhältlich als Doppel Cd oder besser noch limitierte 3 - fach Lp Box. Je weiter die Songs in der Historie zurück gehen, umso roher und grusliger, aber vor allem bassbetonter und Scheiße noch mal herrlich primitiver wird es. Die Band selbst rekrutierte ihre Instrumentalsklaven aus Leuten, die später in CENTINEX, KATATONIA, INTERMENT und gefühlten 1000 anderen Elchfarmen Heu in den Raufen verteilten. Hätte der Totengräber einen echten Schatz gefunden, hätte er seine Frau und die Kinder zum Gehörnten gejagt, würde sich das Schaufelblatt vergolden lassen und in eine Vitrine auf Hawaii stellen. So aber zuckt er nur mit den Schultern und wirft das Fundstück auf den Haufen der Relikte einer Zeit, als die Haare stolz nach außen gewachsen sind und nicht zu einer inneren mentalen Angelegenheit verkümmerten. „Als ich noch jung war, hatte ich auch lange Haare. Bis hier hin“ Rechten Handballen an linke Schulter! Will damit sagen, dieses Re – Release ist ziemlich cool, zumal die Musik auch heute noch Dellen in Kotflügel treten kann, aber wer braucht das schon. Ich denke, das hier richtet sich lediglich an uns angegraute Starrköpfe mit gefährlichem Halbwissen aus der alten Zeit. Ich würde mir die Vinylversion gern in das Regal stellen um es dort einstauben zu lassen, wie all die anderen, die sich dort, zum Teil seit. 20 Jahren und mehr langweilen. Und so zuckelt der alte Mann schwerfällig mit seinem klapprigen Karren in den Sonnenaufgang, in der stetigen Hoffnung auf eine neue Nacht.
(Ohne Wertung, macht sich bei Neuauflagen immer blöd, kauft den Scheiß einfach und fertig!)

SUIDARKA Book Of Dowth Cd / AFM Records


SUIDARKA im diesseitigen Jahrtausend bedeutet Power Metal Riffs, eingängige und bekannte Melodien aus Gitarre und Klimperkasten, kreischende bis heldenhaft Chorgesänge und trendiges folkloristisches Ambiente. Damit befindet sich ein ganzer Trupp moderner Kelten immer noch auf der Suche nach dem alten Arkadien, denn trotz aller kompositorischen Glanzleistungen sind sie auch mit „Book Of Dowth“, zwar in der Spur, aber noch nicht ganz angekommen, schlagen lediglich ein neues Kapitel auf. Das Album ist für Genrefans sicher wieder eine neue Offenbarung, die Dynamik zieht aber nach der halben Spielzeit aus unbekannten Gründen einfach weg. Aus meinem subjektiven Guckloch, hätte ich es für geschickter gehalten, die von Barden (vor allem für den Mittelteil) in nächtlicher Schwarzarbeit komponierten mediävalen Akustikausflüge etwas mehr außen vor zu lassen. Dass die Band ausgefeilte Songs spielen kann, wissen wir zur Genüge, das steht hier nicht auf dem Prüfstand. Weniger Kettenrasseln sondern tatsächliches Schlachtengetümmel, das ist es was dem Album zur wirklichen Hochform gereicht hätte. Zu viel balladeske Selbstverliebtheit (wenn häufig auch nur partiell) saugt einem über weite Strecken geschickten, wenn auch risikoarmen Werk zu viel Energie ab. Wer braucht schon eine Mandoline, wenn man 6 Saiten unter Strom setzen kann. Der Pfad des Kriegers ist gepflastert mit den Klischees, die der Tross der Nachwelt hinterlässt und irgendwann muss sich das Gefolge nach dem Gefolge einen anderen Weg suchen. SUIDARKA gehören zu den Großen der Szene, keine Frage, aber dann hätte ich auch mehr Fleisch auf den Rippen erwartet, als nur die Massen zu bedienen. Schwerter polieren und in alten Mythen rühren, das können und konnten auch andere, von SUIDARKA erwartet man doch mehr als nur den Schnitt, den eine halbwegs scharfe Klinge setzt. Ich wüsste nicht, was SUIDARKA groß von einer Band wie CRUACHAN unterscheidet. Versteht mich nicht falsch, aber irgendwann fällt der Blick auf die Anschlagtafel der verpassten Momente, auf der man nach Jahren noch die vergilbten Zettel flattern sieht und denkt „Hätte ich damals doch nur was riskiert!“. Aber gut, die sind nun schon so lange im Geschäft, sollen sie machen was sie für richtig halten! Wenn ihr auf harmonisch kitschigen Schlachtenlärm und fixes Getrommel steht, dann passt das schon, reiht sich in die endlose Schlange ähnlicher Produkte ein.
6/10

NECROMORPH - Grinding Black Zero - Cd / FDA Rekotz


Das imaginäre Biest stellt seine Nackenhaare auf. Gelbe Augen spähen durch die von Grün belästigte Uferböschung und erfassen den ebenfalls imaginären Opfertrottel, der ahnungslos ins Wasser pinkelt. Die Muskulatur der Bestie ist gespannt wie Winnetous Apachenbogen, bereit den Pfeil seiner einzigen Aufgabe zukommen zu lassen. Mit einem Sprung fliegt es (….hier Zahl eintragen) Meter geräuschlos (weil mir gerade keines einfällt) durch die Luft, landet auf dem doofen Pinkler, (der plötzlich erkennt, dass er mit dem Schwanz in der Hand sterben wird und das nicht den Spaß bringt, den er sich vorgestellt hat) und schlägt seine Fänge in den dargebotenen Nacken. An dieser Stelle sollten eigentlich NECROMORPH einsetzen, aber das dauert dann doch noch einen Moment, und zwar nachdem das Biest erfahren musste, wie ranzig das Blut besoffener Zweibeiner schmeckt und sich angeekelt abwendet und in den Dschungel trollt. Aus dem Himmel der freien Erfindung schwebt ein Rettungshubschrauber herab, das Opfer wird zum Patienten befördert und Grindcore setzt bei der Nulllinie ein. NECROMORPH fahren wie Stromstöße durch Fleisch, das sich schon auf einen abschließenden Temperasturwechsel eingestellt hatte. Das tun sie mit angenehm skandinavisch tief gelegtem Sound, viel Verständnis für eine Band wie NASUM und sehr rüdem Tempo. Die Band weiß tatsächlich zu überraschen, die Musik wirkt kantig und trotzdem unheimlich sympathisch, klingt vertraut und angenehm ansprechend. Ungefähr so wie der lieb gewordene Nachbar, der lange nicht vor der Tür stand, weil er auf Alkoholentzug war und sich nun darauf freut, mit dir einen trinken zu gehen. „Na siehst du, geht doch Kumpel“ NECROMORPH verbürgen sich für ein rasantes Hörerlebnis, dessen Reisepaket zusätzlich Schwindel und Sauerstoffmangel enthält und ungemein hart grindet wie der Bus über den Igel. „Grinding Black Zero“ ist das überzeugendste Stück Lärm, dass der Band bisher abhanden gekommen ist und verdient mehr Aufmerksamkeit als die Plagen und der Eherochen aus der Einbauküche zulassen werden!
8/10

Saturday, February 12, 2011

ELECTRO TOILET SYNDROM - The Meathookers - Cd / FDA Rekotz


In Zeiten und Sphären in denen adipöse 5-tittige und 2-köpfige Matriarchenmonster unerkannt und unbehelligt unter uns vegetieren wie Fußpilz in der Schwimmbadsauna, scheint vieles möglich und weniges sinnvoll. So morphiert der kulturelle Verfall einer ganzen Generation in schwer kontrollierbare Auswüchse, wie wuchernde Tumore, die es noch zu klassifizieren gilt. Einer jener, der sich in meinen sensiblen Gehörgängen mit beängstigender Selbstverständlichkeit breit macht, fegt alle wohlgemeinten Verhaltensrichtlinien für Pseudomusiker und karnivore Wahnsinnige auf den Haufen der überflüssigen Bemühungen, welcher vom nächsten Bleiregen in der Gosse verteilt wird. Nun setzt sich dieses Geschwür aus den seltsamsten Bestandteilen zusammen. Die Gitarrenlaute werden, von Song zu Song qualitativ sprunghaft wie Frösche auf der Bundesstraße, von 6 straff gespannten Wollsocken erzeugt. Den Rhythmus gibt ein maschinelles Konstrukt an, bestehend aus Teilen einer Industrienähmaschine zur Bearbeitung von Teppichkanten so wie wahlweise rostigen Bruchstücken aus Landwirtschaft und Schwerindustrie. Gesungen wird auch, und zwar hauptsächlich durch einen rektal vernieteten Harmonizer. Unterstützt durch diverse Samples und die seltsamsten Arrangements und kuriosesten Ideen, wirken ELECTRO TOILET SYNDROM auf mich, wie der südamerikanische Urwald auf den alten Humboldt gewirkt haben muss. Entdeckerlust und Angst vor bösem Getier und Gepflänz gehen Hand in Hand. Da schlägt der Forscher sein Handbuch auf und notiert mit vor Fieber zitternden Fingern, er habe ein hässliches Vieh gefunden, das, wenn es das Maul aufreißt, eine Kakophonie aus Cyber Gore, Funk, Flamenco, Rock´n Roll und staubiger Spielkonsolenromantik, so wie schlechter Filmmusik von sich gibt. Dieses Album ist gleichzeitig bekloppt wie überraschend und gehört eigentlich weggesperrt, vornehmlich in ein bewachtes Asyl für irre Waschbären und obergärige Geistesblitze. Seltsam insgesamt, an der einen Straßenecke stolziert das Genie, an der anderen lungert der verlotterte Dilettant. Darf man so was eigentlich machen? Darauf hat uns doch keiner vorbereitet, hinterlässt das Folgeschäden, lassen sich die Auswirkungen evaluieren und in lenkbare Bahnen leiten? Wer übernimmt die Verantwortung, wenn es schief geht? Das sollte sich ein Unmusiker mal durch den breitgedödelten Schädel gehen lassen, bevor er so was von der Leine lässt. Alles in allem ein unglaublicher Blödsinn! Ich sage nur, ein Outro nach einem Outro, hä? Seid stark!
5/10

Thursday, February 10, 2011

KEITZER - Descend Into Heresy - Cd / FDA Rekotz


So, KEITZER die Dritte, und wieder wird rücksichtslos … mh … nee, das müssen wir anders anfangen. Stellt euch folgendes vor; Ihr irrt führerlos und panisch über eine euch unbekanntes Bauerngehöft voller ominöser Gerätschaften, die einem Städter so fremd sind wie der eigene Nachbar. Mit halb runtergelassener Hose sucht ihr auf das peinlichste einen Abtritt, dem ihr eure Hinterlassenschaft vererben könnt. Das worauf ihr schlussendlich die Rosette platziert, stellt sich jedoch als antike Häckselmaschine heraus, die sich unter Einfluss eines erdnahen Kometen schelmenhaft von selbst aktiviert und euch das Fleisch in rohen, blutigen Fetzen vom rückwärtigen Teil eurer selbst raspelt …und es gefällt euch, ihr lasst euch mit Genuss eure eigene Anatomie vorführen und verlangt nach mehr (das mag übertrieben sein, aber die menschliche Natur ist rätselhaft, wie ihr hoffentlich wisst)! Das ist der zu erwartende Effekt der neuen KEITZER Scheibe! Die taucht irgendwo am Ereignishorizont als Marginalie der Musikgeschichte auf und nach nur einem Blinzeln hat sie euch eingeholt und die unvorsichtigen Füße unter ihrer stählernen Masse zerquetscht. Das geht wahrscheinlich so fix, dass die Frage „Was war denn das jetzt“ lediglich eine Erinnerung an eine mögliche Vergangenheit ist. Das was dem schmerzfreien Fünfer mit „Descend…“ gelungen ist, geht weit über das hinaus, was von Grindcorebands im Allgemeinen zu erwarten ist, beinhaltet viel Death Metal Pfunde und düstere Arrangements, mehr als der Band wahrscheinlich bewusst oder gar lieb ist. Die können ihr Potential eben nicht einfach in 3 Akkorde verpacken, sie einem klapprigen Gaul in den Klischeesack stecken, einen Klaps auf das Mährenrückteil geben und eine gute Reise ins Vergessen wünschen. Die sind so unverschämt in ihrer Art, dass sie echte Songs schreiben müssen! Songs, die klingen wie komprimierter Wahnsinn, blindwütiger Temporausch, wie der sprichwörtliche Quirl der Fantasie im Rektum biederer Realität. Bis Anschlag aufdrehen, und abwarten bis die Realität vor der Fantasie niederkniet. Wenigstens für eine halbe Stunde (-Spielzeit), so lange zumindest wird der Bauer euch mit seiner Heugabel hetzen, weil ihr ihm in den Häcksler geschissen habt. Zumindest wird das Album euch in Erinnerung bleiben, so oder so, versprochen!
9/10

Tuesday, February 8, 2011

SANDOKHAN / KRUPSKAYA - Split 12“ / 7 Degrees Records


Hier fallen mal wieder zwei absolut chaotische Grindpuristen übereinander her, die dem Hörer schneller und gedankenloser die Schädel einschlagen, als sie verantworten können. Musikalisch liegen die recht dicht beieinander, versprühen ungehemmte Aggression, verfallen in irrwitzig kompositorische Hektik und haben ihre Songs so schnell zu Ende gedroschen, dass man denken mag, die sind mal eben auf dem Sprung und haben noch was besseres vor. Wie nennt man sowas, atemloses Sekundenmassaker oder „Aufsmaulundschluß“? Das erinnert an diese typische SORE THROAT Einstellung, wer hier zuerst raus kommt, ist als erster an der Theke! Der Spaßfaktor hängt jedenfalls ganz weit oben und verbreitet Mai – Anarchie. KRUPSKAYA sind vieleicht technisch etwas bedachter und reifer als SANDOKHAN, haben auch das eine oder andere differenziertere Riff am Start, welche von der Sorte, die vorhersehbar die Nackenmuskeln durchtrennen, aber das spielt wohl kaum eine entscheidende Rolle. Wichtig ist, was unterm Strich raus kommt, und das sind zwei sehr gefällige und unangepasste Bands, deren Songs auf dieser Split zusammen passen wie der rostige Deckel auf den beuligen Topf. Die Stücke von SANDOKHAN sind wohl echte Erstlingswerke, dafür scheppern die doch recht präzise, wenn auch wie gesagt zeitlich knapp. Wer weiß was die Studiominute kostet? Ganz im Sinne der alten Schule. KRUPSKAYA hingegen sind schon etwas schräger und vor allem experimentierfreudiger, sind sie doch in der Lage mit teils kruden Ideen, teils hart verdaulichen Dissonanzen ihre Songs zu variieren. Gemein haben sie die hörbare Spielfreude, einen straff gespannten Spielriemen und den Hang zu Melodien die höchstens peripher eine Rolle spielen. Die Scheibe kommt in schickem Klarsichtvinyl und sollte Grindcorefreaks jenseits von plakativem Gorefetischismus begeistern können. Insgesamt dürfen die sich dann auf so was um die 23/24 Songs in 20 Minuten Spielzeit freuen und vorsichtshalber schon mal die Handwerker bestellen, falls der Mörtel aus den Fugen bröckelt und die Balkendecke runter kommt.
8/10

Monday, February 7, 2011

APOSTATE - Trapped In A Sleep - Cd / Black Art Productions


APOSTATE ist ein beinahe alt eingesessenes Death/Doom Geschwader aus irgendeiner ukrainischen Wodka und Speck Provinz, die bis jetzt scheinbar keine große Aufmerksamkeit erlangen konnten…denke ich. Musikalisch liegt das womit die hier ihren eigenen Tiefschlaf besingen bei alten PARADISE LOST und der liebreizend melodischen Ausrichtung von MY DYING BRIDE Songs, gepaart mit gewöhnlichen Pianoklimperei und Solis die eher aus der Black Sabbath / Deep Purple Generation stammen, als im aktuellen Millennium angekommen zu sein. Genau genommen ist das Werk recht bieder, um nicht zu sagen langweilig, wenn auch sicher nicht wirklich schlecht. Typisch für diese Art der Ohrenpein ist die Länge der einzelnen Stücke, die meist um die 8 Minuten kreiseln und ehrlich gesagt häufig zu aufgeblasen wirken, denn schon nach der Hälfte der Spielzeit sind alle Messen gelesen und der Rest ist nur noch schwitzen, weil es bei 40 Grad unter brennender Sonne den Hang immer noch weiter hoch geht. Bei dem Tempo ist es auch nicht wirklich verwunderlich, dass sie es in fetten 18 Jahren und nach diversen Auflösungen erst jetzt schaffen ihr Debüt hinzulegen und dadurch selbstredend den Zahn der Zeit abgebrochen haben ohne es zu merken. APOSTATE ist eine mehr als eingestaubte Kiste, deren Inhalt in den frühen 90ern interessant gewesen wäre, heute aber beim Trödler in Vergessenheit geraten wird. Das ist keine Perle, eher die geknackte Austernschale drum herum. Es bleibt letztendlich gerade mal genug Musik über, um Nostalgiker mit ausufernden Songs, schweren Riffs und schnöden Keyboardteppichen zu überzeugen, allerdings nur, wenn sie neben den gelungenen Growls mit den cleanen Vocals umgehen können, die eher zu Power oder Pagan - Gesellen gepasst hätten. APOSTATE stellen eine musikalisch sichere Basis dar, fabrizieren aber nicht mehr als gewöhnliche Töne und sind der eigenen Epoche um mehr als nur ein paar Meilen hinterher. Seltener war ein Albumtitel mehr Programm als hier, stellt mal den Wecker auf Alarm und wacht auf!
5/10

Thursday, February 3, 2011

PUTERAEON - The Esoteric Order - Cd / Cyclone Empire


PUTERAEON bevorzugen in allen Belangen einen klassischen Stil, da stehen schon mal 3 Demos im Vorprogramm, bevor es ein erstes Album gibt. Und nicht etwa, „So hier sind wir, und jetzt macht mal“. Aber die Schweden sind ja auch so was wie alte Hasen und bringen genug Erfahrung aus diversen anderen Bands mit, sorgte der eine oder andere doch schon für Tinnitus bei TAETRE, KILLAMAN, NOMINON…. Und auch die Musik lässt keine Fragen offen, das ist purer Old School Death Metal, vielleicht ohne Ambitionen am Thron des heiligen Elches zu kratzen, aber mit dem Plektrum an der richtigen Saite und den Fingern am entsprechenden Regler. „The Esoteric Order“ ist purer Schwedentodsound, mit tiefer hängenden Schusswaffen und schnarrender 4 – läufiger Schrotflinte, die, wenn sie abgefeuert wird, Löcher so groß wie Bangerschädel reißt. Dass sie sich ihrer Ideen zum Teil bei BOLT THROWER entleihen, spielt dabei gart keine Rolle, das unterstreicht eher den Anspruch, dem Konsumenten das Fell auf die alt hergebrachte Weise zu gerben. Der melodiöse Part ist verhalten, das was kommt sorgt aber für stilgerecht düstere Atmosphäre und mit Solis wird ebenfalls nicht übertrieben, lieber rau und blutig als auf Schmusekurs. Mit ihrer Herangehensweise an das Genre produzieren sie schwere Riffs en masse, wie zum Beispiel bei „ The Innsmouth Insanity“, das so derb und gewaltig daher kommt, dass Sänger Jonas Lindblood, wahrscheinlich aus Ehrfurcht vor H.P. Lovecraft, seinen Text vergessen hat. Seinem Werk scheint das Album, zumindest dem Anschein nach, gewidmet. Die Kraft, den musikalischen Hammer betont hart zu schwingen, holen sie sich aus den behäbigen Passagen ihrer Songs, Gas geben können sie aber auch. Auf übermäßige Nutzung des Pedals verzichten sie in der Regel, kennen sie scheinbar doch ihre Stärken, gute Songs zu schreiben. Letztendlich macht einen amtlichen Nackenbrecher der Fakt aus, dass sich Geknüppel und Midtempo den Ball in ausgewogenem Maß zuspielen. Und den Bogen haben PUTERAEON hörbar raus. Unterstützt durch einen stumpfen, ziemlich dreckigen Sound gelingt der Band mit „The Esoteric Order“ trotz vieler bekannter Zutaten ein sehr ansprechendes Album, das in erster Linie brutal auf die Zwölf knallt und höllische Killer wie“ Into The Deep“ oder „Coma“ auf uns los lässt. Also, ihr habt von schwedischen Death Metal Bands auch nach über 20 Jahren nicht den Kanal voll, ihr steht immer noch auf britische Bolzengeschosse, ihr tragt immer noch lange Haare, zumindest innerlich, ihr konntet es nach den Demos kaum erwarten, das Album in euren Fingern kleben zu sehen, dann sei euch die Freude gegönnt, das Teil lohnt sich!
9/10